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Stadt Bern plant drei neue Flaniermeilen

Die Stadt Bern hat die Wirtschaftsverbände an einen Tisch geholt und ein Verkehrskonzept für die Innenstadt ­erarbeitet. Es sieht drei neue Fussgängerzonen und weniger Platz für Langzeitparkierer in der unteren Altstadt vor.

Die grosse Einigkeit: Gemeinderätin Ursula Wyss flankiert von Wirtschaftsvertretern und einem Gewerkschafter. Links von ihr Bernhard Emch.
Die grosse Einigkeit: Gemeinderätin Ursula Wyss flankiert von Wirtschaftsvertretern und einem Gewerkschafter. Links von ihr Bernhard Emch.
Beat Mathys
Die Zeughausgasse darf künftig nur noch mit Bewilligung befahren werden.
Die Zeughausgasse darf künftig nur noch mit Bewilligung befahren werden.
Beat Mathys
Die Amtshausgasse wird vom motorisierten Durchgangsverkehr befreit.
Die Amtshausgasse wird vom motorisierten Durchgangsverkehr befreit.
Beat Mathys
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Neue Töne in der Verkehrspolitik. Am Mittwoch lud die städtische Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) an eine Medienkonferenz, um das neue Verkehrskonzept für die ­Innenstadt vorzustellen. ­Dabei wurde sie flankiert von Wirtschaftsvertretern.

Mit dabei ­waren Bernhard Emch, Präsident der regionalen Sektion des Handels- und Industrievereins, Sven Gubler, Direktor von Bern City, sowie Leonhard Sitter, Geschäftsführer des städtischen ­Gewerbeverbandes. Also drei Herren, mit denen Ursula Wyss das Heu nicht unbedingt auf der gleichen Bühne hat. Nur der ebenfalls anwesende ­Gewerk­schaftsvertreter Johannes Wartenweiler, der für die SP im Stadtrat sitzt, gehörte ihrem Lager an.

Das Verlassen der Gräben

Wyss und die vier Referenten beschworen eine grosse Einigkeit. Und sie präsentierten das Ergebnis einer dreijährigen Arbeit. «Das Vorgehen erlaubte allen Beteiligten, aus den politischen Gräben hervorzukommen», erklärte Ursula Wyss.

Auch Bernhard Emch begrüsste das neue Vorgehen. «In der Vergangenheit haben bürgerliche Kreise meist vergeblich versucht, Vorhaben der Stadt auf dem juristischen Weg zu bekämpfen. Ich verspreche mir von diesem neuen Vorgehen viel mehr», sagte er nach der Medienkonferenz.

Das Konzept bleibt in vielen Bereichen noch vage. Aber es enthält ein paar konkrete Vorschläge. So will die Stadt drei neue Fussgängerzonen schaffen. Anders ausgedrückt: Drei Strassenabschnitte sollen für den Durchgangsverkehr gesperrt werden (siehe dazu auch die Bildstrecke).

Ein Abschnitt betrifft die westliche Hälfte der Zeughausgasse. Dieser Strassenabschnitt ist beliebt bei Fahrlehrern fürs Ein- und Aussteigen ihrer Fahrschüler sowie bei Besitzern von schönen Autos. Sie werden sich neue Wege suchen müssen.

Für die Gäste der Hotels Kreuz und Continental bedeutet die Änderung, dass sie künftig eine Bewilligung benö­tigen werden, um zum Hotel zu fahren. Für die Anlieferung der Migros-Filiale Marktgasse dürfte sich dagegen wenig ändern.

Eine völlig neue Verkehrsführung sieht die Stadt im Bereich des Hotels Bellevue-Palace vor: Die Kochergasse, die vor dem ­Hotel durchführt, soll künftig im Gegenverkehr befahrbar sein. Im Gegenzug will die Stadt die Amt­hausgasse für den Durchgangsverkehr sperren. So soll Platz für eine Flaniermeile entstehen.

Und die letzte Neuerung betrifft zwei Strassenabschnitte rund um die ehemalige Bollwerk Post. Diese sollen ebenfalls für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Gemeinderätin Ursula Wyss will diese Änderungen möglichst rasch an die Hand nehmen. Und – vorausgesetzt, es gibt keine Einsprachen — bis in etwa zwei Jahren realisieren.

Die Änderungen im Überblick:

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Gegen Langzeitparkierer

Auf eine Änderung müssen sich auch die Langzeitparkierer in der unteren Altstadt gefasst machen. Heute verfügen rund 150 Bewohner des Quartiers über eine Dauerparkkarte. Diese erlaubt es ihnen, ihr Auto in den Altstadtgassen zu parkieren.

Das Konzept sieht vor, dass diese Anwohner dazu gebracht werden, ihr Auto künftig im Rathaus-Parking stehen zu ­lassen. Hier gibt es indes ein Problem: Die Dauerparkkarte der Stadt kostet rund 900 Franken. Ein Dauerplatz im Parkhaus dürfte einiges teurer sein. Die Stadt will bei den Parkhäusern ­ihre Verhandlungsmacht einbringen, um einen günstigen ­Tarif auszuhandeln. Ob dies ­gelingen wird, bleibt offen.

Was mit dem Platz der freigespielten Parkfelder geschehen soll, ist noch offen. Auf die Frage, wie viele Parkplätze aufgehoben werden, wollte Wyss keine Antwort geben. Dafür sei es noch zu früh. Wirtschaftsvertreter Bernhard Emch wünscht sich, dass die gewonnene Parkfläche künftig Kurzzeitparkierern oder Handwerkern zur Verfügung steht. Und gegen eine Umnutzung für die Aussenbestuhlung von Restaurants hat er nichts einzuwenden. Wahrlich neue Töne in der städtischen Verkehrspolitik.

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