Stadt Bern will Parkplätze aufheben

Bern

In der Stadt Bern sollen in den nächsten zehn Jahren 2100 Parkplätze verschwinden.

Zu viele Parkplätze im öffentlichen Raum: In Bern sollen Parkplätze aufgehoben werden.(Symbolbild)

Zu viele Parkplätze im öffentlichen Raum: In Bern sollen Parkplätze aufgehoben werden.(Symbolbild)

(Bild: Christian Pfander)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Am Freitag veröffentlichte der Berner Gemeinderat sein Konzept zur Fahrradförderung. Am Montag folgte ein weiteres Standardwerk rot-­grüner Verkehrspolitik. Im ­«Parkierungskonzept motorisierter Individualverkehr» zeigt die Stadtregierung auf, wie sie die Zahl der Parkplätze senken will. Die Vernehmlassung dauert bis Ende September.

2100 Parkplätze fallen weg

Das unter der Ägide von Gemeinderätin Ursula Wyss erarbeitete Dokument beinhaltet eine klare Zielsetzung: Der Gemeinderat will die Zahl der Parkplätze bis in zehn Jahren um 12 Prozent reduzieren. Damit nimmt der Gemeinderat ein vom Stadtrat für erheblich erklärtes Postulat auf, das eine Verringerung der Parkplatzzahl im öffentlichen Raum um 10 Prozent verlangt hatte. Der Gemeinderat schlägt noch zwei Prozentpunkte dazu. Er rechtfertigt dies durch die Tatsache, dass die Parkfelder wegen grösser werdender Autos mehr Platz brauchen. Ausgehend von den aktuell 17'500 Parkplätzen im Strassenraum entspricht eine Reduktion um 12 Prozent total 2100 Parkplätzen über zehn Jahre.

Beim Anpeilen des Ziels kommt der Stadtregierung ein gesellschaftlicher Trend entgegen. In der Stadt Bern lebten im Jahr 2015 bereits 57 Prozent der Bevölkerung nach den Vorstellungen des Gemeinderats und ­besassen kein eigenes Auto. ­Dieser Wert nahm innerhalb von nur zehn Jahren um 13 Prozent­punkte zu.

Der Gemeinderat will diese Entwicklung nutzen: «Die abnehmende Nachfrage nach Park-plätzen bietet die Chance, einen Teil des öffentlichen Raums für neue Bedürfnisse verfügbar zu machen», schreibt er im Bericht. Neue Bedürfnisse könnten die Errichtung von neuen Plätzen oder von Spuren für den Velo­verkehr sein.

Kampf den Pendlerautos

In ihrem Konzept macht die Stadtregierung zudem deutlich, dass sie unbedingt verhindern will, dass Zupendler künftig die Parkplätze in Anspruch nehmen, welche die Stadtbewohner nicht mehr benötigen. Sie formuliert es so: «Bliebe das Über­angebot bestehen, würde ein ­uner­wünschter Anreiz für das ­Pendeln mit dem Auto in die Stadt geschaffen.»

Um dies zu verhindern, will der Gemeinderat Massnahmen einführen. So schlägt er vor, das Vermieten von Parkplätzen an Zupendler künftig weniger attraktiv zu machen. Quartierbewohner ­sollen nur dann eine der güns­tigen Anwohnerparkkarten ­erhalten, wenn sie den Nachweis erbringen, dass in ihrer Überbauung keine freien Parkplätze verfügbar sind. Eine Anwohnerparkkarte kostet 22 Franken im ­Monat. Der Gemeinderat stellt auch die Erhöhung dieses Preises zur Diskussion.

Parkplätze für Handwerker

Das Konzept enthält auch ein paar Zückerchen für die Wirtschaft: Wie Ursula Wyss ebenfalls bereits im März angekündigt ­hatte, will der Gemeinderat in der ­Innenstadt dafür sorgen, dass für Handwerker und Zulieferer mehr Kurzzeitparkplätze zur Ver­fügung stehen.

Berner Zeitung

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