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Sprechen Sie Klingonisch?

In der Serie Star Trek wird Klingonisch gesprochen. Ein Crashkurs in der Fantasiesprache ist nicht nur für wahre Fans ein Erlebnis.

André Müller gehört zu rund 200 Menschen weltweit, die Klingonisch auf mittlerem Niveau beherrschen.
André Müller gehört zu rund 200 Menschen weltweit, die Klingonisch auf mittlerem Niveau beherrschen.
Tanja Buchser

DaH mIghroS DuSaQDaq tlhIngan Hol vlghojtaH. Bedeutet: Ich lerne jetzt Klingonisch in der Klubschule Migros in Bern. Für jeden, der wie ich auch kein Fan von «Star Trek» ist: Bei den Klingonen handelt es sich um ein Volk aus der gleichnamigen Fernsehserie. Ich persönlich bevorzuge klirrende Schwerter, verschneite Burgen und Feuer spuckende Drachen. Anders sieht es bei meinem Freund aus: Sobald Ausserirdische involviert sind, ist er Feuer und Flamme.

Der dreistündige Klingonischcrashkurs ist also eher ein Geschenk für ihn, als eine Bereicherung für mich. Aber aus Liebe tut man ja so einiges.qamuSHa’qu’, würde man auf Klingonisch sagen. Bedeutet auf Deutsch so viel wie: «Ich hasse dich nicht.» Ein Wort für Liebe kennt das ausserirdische Kriegervolk nämlich nicht. Auch Grüssen passt nicht zur Mentalität der Klingonen, weshalb uns unser Kursleiter knapp mit den Worten «nuqneH?» (Was willst du?) willkommen heisst. André Müller kommt aus Deutschland, ist Sprachwissenschaftler an der Universität Zürich, kann auf 15 verschiedenen Sprachen nach dem Weg fragen und unterrichtet in gelber Star-Trek-Uniform.

SuvwI’ yoH maH, «Wir sind alles tapfere Krieger». So das Befinden innerhalb der topmotivierten Gruppe. Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um lauter Durchschnittsbürger: etwa eine Mutter mit ihrer Tochter oder einen älteren Herrn. Die Trekkies geben sich erst im Laufe des Tages zu erkennen: Mutter und Tochter wissen die Antwort auf fast jede Frage, und der ältere Herr erklärt mir während der Pause, dass ich für eine Ferengi-Frau – eine weitere von unzähligen Rassen des Star-Trek-Universums – auch mit meinen bescheidenen 1,63 Metern noch zu gross wäre. Das solle mich aber nicht betrüben, fügt er ernst hinzu: Die Ferengis behandelten ihre Frauen nämlich überaus schlecht. Dann doch lieber Klingonin.

tlhIngan Hol wabmey, «die klingonische Aussprache», lebt von rauen und harschen Tönen, weshalb es immer ein wenig so klingt, als würde man sein Gegenüber anbrüllen. Marc Okrand, Erfinder des Klingonischen und Vorbild eines jeden Trekkies, hat sich gezielt für eine möglichst exotische Sprache entschieden. Das widerspiegelt sich auch in der Schreibweise: Das grosse H etwa steht für ein scharfes «ch», wie wir Schweizer es in «Chuchichäschtli» gebrauchen. Während der einstündigen Ausspracheübung bin ich ohnehin froh um mein Berndeutsch: Es erleichtert mir so manche Zungenverrenkung, die Klingonisch verlangt.

Holvam vImuSqu’ – «Ich hasse diese Sprache». Das dachte sich wohl auch so mancher Star-Trek-Schauspieler. Während ich jedoch wegen meiner schlechten Aussprache von meinem Freund belächelt werde, hatten die Protagonisten einen entscheidenden Vorteil: Okrand musste ihre Fehler nicht nur akzeptieren, sondern integrieren. Klingonisch wurde in Film und Serie gesprochen, bevor es Grammatik und Wortschatz besass; aus den vorhandenen Phrasen zimmerte Okrand eine komplette Sprache, die mit jeder neuen Staffel an Umfang gewinnt: Aktuell gibt es etwa 3900 klingonische Wörter und nur 20 fliessende Sprecher.

taH pagh taHbe’ – so lautet das berühmte Zitat aus Shakespeares Hamlet, «sein oder nicht sein», auf Klingonisch. Es ist eines von vielen Werken, dass mittlerweile komplett auf Klingonisch übersetzt wurde. Eigentlich die perfekte Kombination aus klirrenden Schwertern und Ausserirdischen, die es braucht, um meine Begeisterung für Star Trek endgültig zu wecken. Und falls dies doch nicht klappt, kann ich meinen Freund nun zumindest auf Klingonisch fragen, wo er die Schokolade hingetan hat («nuqDaq yuch Dapol?»).

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