So hat sich Bolligen verändert

Seit den 1960er-Jahren sind viele Dörfer in der Region Bern zu Ballungszentren geworden. An Bolligen lässt sich dabei exemplarisch zeigen, wie die Stadt auf das Land hinausgewachsen ist.

Christoph Albrecht

Die Stadt ist aufs Land hinausgewachsen: Bolligen/Ittigen/Ostermundigen von 1940 bis 2013 (Quelle: Swisstopo).

Die Kartenausschnitte machen den Unterschied deutlich: Noch 1960 war Bolligen ein kleines Dorf. Bauernhäuser und Äcker prägten das Ortsbild. Etwas mehr als 2000 Menschen lebten in der Gemeinde, einen Steinwurf von der Stadt Bern entfernt.

Heute ist die Karte gespickt mit schwarzen Vierecken. Es sind die Häuser, die in den vergangenen Jahrzehnten gebaut wurden und Bolligen zu einer Vorortsgemeinde mit heute über 6000 Einwohnern gemacht haben.

Haben sich stark verändert: Bodenacker und Habstetten 1972 und 1990 (Bilder: Walter Bienz/Hans Gfeller).

Baulich ist die Ortschaft mittlerweile mit ihren Nachbarsgemeinden Ittigen und Ostermundigen verschmolzen, mit denen sie bis 1983 noch eine eigene Einwohnergemeinde bildete, ehe sich die einzelnen Gemeinden verselbständigten. Am Beispiel Bolligen lässt sich heute gut nachvollziehen, wie die Stadt auf das Land hinausgewachsen ist.

Bauboom in den 60er-Jahren

Das grosse Bauen begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Die wachsende Wirtschaft, der Babyboom und der neue Wohlstand liessen in ganz Europa zahllose Wohnhäuser aus dem Boden schiessen. Auch in der Schweiz. Und auch in Bolligen.

Den grössten Bauboom erlebte die Gemeinde zwischen 1960 und 1980, wo sich die Einwohnerzahl fast verdreifachte. In Bolligen entstanden in dieser Phase – wie vielerorts in der Schweiz – zahlreiche Einfamilienhäuser.

Das sei typisch für jene Zeit gewesen, sagt Antonis Meimetis, der das Ortsmuseum Bolligen betreibt und die historische Entwicklung der Gemeinde bestens kennt. «Damals strebte man eine Schweiz der Einfamilienhäuser an.»

Städtische Strukturen habe man lange als unschweizerisch empfunden und deshalb urbane Grosssiedlungen wie in den Nachbarländern vermieden. «Grossstädte assoziierte man oft mit Armut, Sozialismus und Kriminalität», so Meimetis. Stattdessen nahmen sich die Leute zum Bauen Platz. «Weil es noch kein Raumplanungsgesetz gab, war das damals möglich.»

Schaute man von der Habstettenstrasse in Richtung Halen und Lutzeren, präsentierte sich einem 1963 noch ein Acker. 1990 war das Land bereits überbaut (Bilder: Walter Bienz/Hans Gfeller).

Heute zählt Bolligen zwar dreimal mehr Einwohner als noch Mitte des letzten Jahrhunderts. Auch prägen bedeutend mehr Wohnhäuser das Ortsbild. «Das verdichtete Bauen ist hier aber noch nicht so recht angekommen», sagt Meimetis.

Tatsächlich hat das weitläufige Bolligen bis heute seinen landwirtschaftlichen Charakter beibehalten, während die Verstädterung in Ittigen und Ostermundigen weiter fortgeschritten ist.

Verdichten ist Pflicht

Der Verdichtungsdruck steigt aber auch auf Bolligen. So sollen in Zukunft etwa auf den Arealen Flugbrunnen und Bahnhof Baulücken geschlossen werden, indem bestehende Gebäude durch grössere Neubauten ersetzt werden. Damit will die Gemeinde ihren Beitrag zur Verdichtung leisten.

Beziehungsweise: sie muss. Denn der Kanton erlaubt es Bolligen kaum mehr, Bauland neu einzuzonen, bevor es nicht das bestehende Siedlungsgebiet verdichtet.

Mehr Bilder von Bolligen vor und nach dem grossen Bauboom:

Blick von Bolligens Kirchturm aus in Richtung Hühnerbühlstrasse (Bilder: Walter Bienz/Hans Gfeller):

Fotografiert vom Kirchturm aus: Neu dazu gekommen ist die Schule. (Bilder: Walter Bienz/Hans Gfeller):

Blick vom Bahnhof Bolligen in Richtung Zentrum (Bilder: Walter Bienz/Hans Gfeller):

Der Blick in Richtung Südhang 1960 und 1990 (Bilder: Walter Bienz/Hans Gfeller):

Blick von Bolligens Kirchturm aus in Richtung Dorfmärit (Bilder: Walter Bienz/Hans Gfeller):

Berner Zeitung

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