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Sie verdrängen Einheimische

Der Botanische Garten zeigt in einer neuen Ausstellung invasive Neophyten. Das sind Pflanzen, die nach Europa «eingewandert» sind und hier Probleme machen. Einige sind für Menschen gefährlich.

Wer den Botanischen Garten besucht, begegnet derzeit auf Schritt und Tritt zahlreichen Tafeln, Texten und den dazugehörigen Pflanzen. Die Ausstellung «Schöne neue Pflanzenwelt?» widmet sich den sogenannten invasiven Neophyten. Das sind Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen. Dies geschah oft absichtlich, sie wurden unter anderem in botanischen Gärten präsentiert. Andere Pflanzen wiederum wurden unabsichtlich eingeführt.

Pflanzen haben keine Feinde

Das Problem bei den Neophyten ist, dass sie ihre natürlichen Feinde an ihrem Ursprungsort zurückgelassen haben und sich in der neuen Heimat auf Kosten der einheimischen Flora ausbreiten. Viele verursachen ökologische Schäden, viele sind für Menschen und Tiere gesundheitsschädigend. Der Botanische Garten präsentiert in der Ausstellung 57 invasive Neophyten. Alle werden auf Porträttafeln ausführlich vorgestellt, viele stehen auch in natura im Garten. Einige ganz «böse» Neophyten – wie sie der Biologe Beat Fischer bezeichnet – werden hingegen nur auf einer Tafel gezeigt, so etwa der Japanische Staudenknöterich. Laut Beat Fischer macht diese Pflanze in der Schweiz die grössten Probleme. Sie wird 4 Meter hoch und wächst pro Tag bis zu 30 Zentimeter. In Europa kommen ausschliesslich weibliche Pflanzen vor, die Vermehrung verläuft rein vegetativ über Rhizome. Diese unterirdischen Ausläufer werden bis 20 Meter lang. Der Japanische Staudenknöterich verdrängt die natürliche Vegetation. Die Beseitigung dieser Pflanze sei nur mit grossem Kostenaufwand möglich, erklärt Fischer.

Heimische Problempflanzen

Die Ausstellung ist in sieben Bereiche gegliedert. Gezeigt werden auch Neophyten der Tropen. Nicht nur die in die Schweiz «eingewanderten» Pflanzen machen Probleme. Es gibt auch den umgekehrten Weg: Pflanzen, die ihren Ursprung in der Schweiz haben, dann «auswanderten» und im neuen Siedlungsgebiet Probleme machen und dort als invasive Neophyten gelten. Ein Beispiel: Das Echte Johanniskraut tauchte 1793 in den USA auf, 1850 in Australien und 1942 in Südafrika. Dort verdrängt es die einheimische Vegetation und führt bei Pferden, Kühen und Schafen zu Vergiftungen. Oder der Blutweiderich, der bei uns 1,5 Meter hoch wird, in den USA aber über 3 Meter. Dort und in Kanada führt der Blutweiderich zu enormen Ertragsverlusten in der Heuproduktion.

Weltweit sind rund 300000 Pflanzenarten bekannt, in der Schweiz 2600. Darunter gibt es 550 Neophyten, 24 davon gelten bei uns als invasiv und stehen auf der schwarzen Liste. Das heisst: Die weitere Ausbreitung muss verhindert werden.

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