Sie hatten keine Ahnung von Kunst

Ein Beizer und sein Geschäftspartner stehen in Bern vor Gericht. Einst stellten sie Investoren lukrative Gemäldeverkäufe in Aussicht, gestern versuchten sie sich zu erklären – es gelang ihnen nur bedingt.

Das Urteil im Fall des dubiosen Kunsthandels soll am 29. Mai gefällt werden.

Das Urteil im Fall des dubiosen Kunsthandels soll am 29. Mai gefällt werden.

(Bild: iStock)

Cedric Fröhlich@cedricfroehlich

«Was verstehen Sie vom Kunsthandel?» Gerichtspräsidentin Barbara Lips startete mit der naheliegenden Frage. Gerichtet war sie an den Mann, der die dubiose Sache mit den angeblichen Meisterwerken ins Rollen gebracht hatte. Seine Antwort: «Eigentlich nichts.»

Am Berner Wirtschaftsstrafgericht wird diese Woche zwei mutmasslichen Kunstbetrügern der Prozess gemacht. Laut Anklage beschafften sich die beiden jahrelang Geld von Investoren, rund acht Millionen Franken, um einen angeblichen Gemäldehandel zu finanzieren.

Im Deal mit einem «Tizian» und einem «Rembrandt» sahen sie das Potenzial für Gewinne in Millionenhöhe. Nur: Es gab nie einen Deal. Stattdessen verloren etliche Investoren ihr Geld. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Zürcher Beizer und dem Berner Geschäftsmann deshalb unter anderem gewerbsmässigen Betrug vor. Das Urteil wird am 29. Mai eröffnet.

Nachdem am Montag einige der Geprellten ausgesagt hatten, war gestern die Reihe an den Beschuldigten. Den Anfang machte der Beizer. Der 66-Jährige, der während Jahren eine bekannte Kontaktbar im Zürcher Kreis 4 führte, sagte während der mehrstündigen Einvernahme: «Es tut mir enorm leid für die Leute, die ihr Geld bei der Sache verloren haben.» Aber betrogen habe er niemanden.

«Ich habe nie mit Tricks gearbeitet.» Grosse Renditen habe er nie versprochen. «Das haben die Leute selbst angenommen.» Er bestritt auch die Höhe der ihm zur Verfügung gestellten Gelder.

Als gesichert gilt, dass das Geld nie in den vermeintlichen Bilderhandel geflossen ist. Sondern in die Bar des Mannes oder zu seiner Freundin nach Brasilien. Das Geld, es habe sich vermischt, sagte der Beizer. Seins, das der Investoren, es kam alles in seinem Tresor zusammen. Aber er habe stets «im Hinterkopf» gehabt, dass er ja alles bald locker zurückzahlen könne.

«Ich habe nie mit Tricks gearbeitet.»Beschuldigter Beizer

Die volle Verantwortung

Dann rückten die beiden Gemälde in den Fokus – und die Frage, ob sie überhaupt je dem Beizer gehörten. «Ja, hundertprozentig», sagte dieser. Ein älterer Zürcher Kunstliebhaber sei durch einen russischen Kunsthändler an ihn herangetreten.

Er habe den «Tizian» erstanden und den «Rembrandt» später als Geschenk erhalten. Er sprach von einer Eigentümerbescheinigung, deren Gültigkeit allerdings im besten Fall umstritten ist. Auch von der Echtheit und dem hohen Wert der Bilder ist der Mann überzeugt – obschon ein Gutachten das Gegenteil besagt.

Am Nachmittag war der Berner an der Reihe. Er soll vom Beizer jahrelang Geld für den Lebensunterhalt erhalten und nebenbei Investoren herangeschafft haben. Vor Gericht wies er alle Schuld von sich, schliesslich habe er selbst so viel Geld investiert, dass er an ein gutes Ende habe glauben müssen.

Deshalb habe er akquiriert: um den Deal über die Ziellinie zu hieven. Für das von ihm beschaffte Geld übernehme er die volle Verantwortung, sagte er weiter. Und verkündete dann – einem Werbespot ähnlich – die Verheissungen des Gesundheitsprodukts, das er nun vertreibt. Der Mann ist wegen Betrugs vorbestraft.

Kunstkenntnisse hatte auch er keine vorzuweisen. Aber er erkenne eine Fälschung, schliesslich habe er früher selbst gemalt. «Ich hatte echt Talent.»

Berner Zeitung

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