«Seele des Boga» ist gestorben

Bern

Verena Gysin, die langjährige Leiterin des Bo­tanischen Gartens Bern, ist vergangene Woche im Alter von 67 Jahren verstorben.

Die «Seele des Botanischen Gartens», Verena Gysin, ist vergangene Woche 67-jährig gestorben.

Die «Seele des Botanischen Gartens», Verena Gysin, ist vergangene Woche 67-jährig gestorben.

(Bild: Beat Mathys)

Als Verena Gysin im Jahr 2000 im Botanischen Garten anfing, befand sich die Institution in turbulenten Zeiten. Der Kanton hatte im Jahr zuvor den Geldhahn zugedreht – und die Universität wollte nicht länger für den Boga bezahlen. Dessen Fortbestand war gefährdet. Der Kanton gewährte zwar noch eine einjährige Gnadenfrist unter der Bedingung, dass eine Trägerschaft gebildet wird, die jährlich eine halbe Million Franken zahlt. Die Trägerschaft kam zwar zustande, nicht aber die halbe Million. Viele bangten damals um die Institution. So auch Verena Gysin.

2006 übernahm sie die Geschäftsleitung des Boga. Ihr war es zu verdanken, dass es auch nach der Emeritierung des Direktors Klaus Amman mit dem Garten weiterging. Es gelang ihr gemeinsam mit dem Fürsprecher Peter Bratschi, dem Unirektor Urs Würgler sowie der Indus­triellenfamilie Marianne und Rudolf Styner-Wälti einen neuen Stiftungsrat einzusetzen. Angestrebt wurde eine Trägerschaft von Kanton, Burgergemeinde sowie der Stadt Bern.

Gysin hat in den zwölf Jahren ihres Engagements den Garten mitgeprägt und massgeblich dafür gesorgt, dass es die Anlage heute noch gibt. Nicht mit Geld, aber mit ihrem Einsatz für die Institution, mit ihrem Organisationstalent, Lobbyismus und dem von ihr gepflegten Netzwerk. ­Gysin hat nicht nur Geld in den Boga gebracht, sondern auch Publikum. Unter ihrer Ägide wurden Dutzende Veranstaltungen durchgeführt, kulturelle und wissenschaftliche, Theaterstücke, Konzerte, Lesungen, Poesienächte, Installationen oder Führungen. Und die Museumsnächte. «Mein Job war so vielseitig, wie es die Pflanzenwelt im Garten ist», sagte sie. In der Tat: Geld auftreiben, Anlässe organisieren, Marketing, Medienarbeit bis hin zum Einkauf von Geschenken für Referenten gehörten zum Job.

Abwechslungsreich war auch ihr Leben vor dem Boga: Nach der Wirtschaftsmittelschule reiste sie zwei Jahre durch Südamerika. Zurück in Bern, übernahm sie die Geschäftsleitung der Büchergilde Gutenberg. Dann zügelte sie mit ihrem Mann nach Algerien. Und wieder retour. Sie war Mitglied des Grossen Gemeinderates von Ostermundigen und Präsidentin der dortigen Kulturkommission sowie Gründerin der Ludothek.

«Mein Interesse am Botanischen Garten ist nach wie vor hoch», sagte sie 2012 anlässlich ihrer Pensionierung. Einige Mandate anzutreten, wie sie es einst plante, war ihr nicht vergönnt. Auf einen Unfall folgten gesundheitliche Probleme. Die «Seele des Botanischen Gartens», Verena Gysin, ist vergangene Woche 67-jährig gestorben.

tma/sru

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