Schwuler Asylbewerber darf bleiben

Köniz

In aller Öffentlichkeit hat sich Reza Bezham aus Köniz als homosexuell geoutet. Das bringt ihm die vorläufige Aufnahme ein: Eine Rückkehr sei für den iranischen Asylbewerber nicht mehr möglich, sagen die Behörden.

Anfang Jahr wagte Reza Bezham (rechts) den Schritt an die Öffentlichkeit. Unterstützt wurde er dabei von BDP-Grossrat Ueli Stähli.

Anfang Jahr wagte Reza Bezham (rechts) den Schritt an die Öffentlichkeit. Unterstützt wurde er dabei von BDP-Grossrat Ueli Stähli.

(Bild: Nicole Philipp)

Stephan Künzi

Für die Behörden ist Reza Bezham jetzt doch schwul genug. Das war nicht immer so. Noch im Frühling 2018 wollte das Bundesverwaltungsgericht dem jungen Iraner nicht recht abnehmen, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt und damit in seiner Heimat in Gefahr ist.

Wie zuvor das Staatssekretariat für Migration (SEM) wies es das Asyl­gesuch des 28-Jährigen ab. Die Richter hielten in ihrem Urteil fest: Selbst wenn Bezham homosexuell wäre, hätte er nichts zu befürchten. Weil er nie aufgefallen sei und sich damit unter dem Radar der iranischen Behörden bewegen könne.

Wie ganz anders tönt es heute, anderthalb Jahre später. Diesmal argumentiert das SEM, und es schreibt in seinem neusten Bescheid: «Da Ihre Rückkehr in Ihren Herkunftsstaat nicht zulässig ist, werden Sie in der Schweiz vorläufig aufgenommen.» Ab sofort.

Mehrfach bedroht

Was ist inzwischen passiert? Anfang Jahr wagte Bezham den Schritt an die Öffentlichkeit. Er erzählte in der BZ aus seinem Leben, davon, dass seine Veranlagung im Iran als krank gelte und er deshalb versucht habe, von ihr wegzukommen. Dass er trotzdem im Militär Sex mit einem Kollegen gehabt habe. Dass er erwischt und von der Familie seines Partners angezeigt worden sei. Und dass er nun erst recht mit Schlimmem rechnen müsse, wenn er heimkehre.

Unterstützt wurde er von BDP-Grossrat Ueli Stähli aus Köniz. Die beiden kennen sich seit der Zeit, in der sie im ländlichen Ulmiztal mehr oder weniger nebeneinander wohnten. Der Politiker hatte den Asylbewerber schon durch das Asylverfahren begleitet. Nun, beim Besuch des Journalisten, bekräftigte auch er: Bezham sei ganz sicher schwul, das habe er rasch gemerkt. Als einer, der sich gesellschaftspolitisch stark engagiere und viel mit homosexuellen Menschen zu tun habe, habe er dafür ein Sensorium entwickelt.

Auf den Bericht in der BZ folgten Publikationen in weiteren Medien, auch im Internet zog die Geschichte ihre Kreise. Das hatte Konsequenzen. Plötzlich sah sich Bezham «aufgrund seiner bekannt gewordenen Homosexualität von Familienangehörigen und Bekannten im Iran bedroht», wie das SEM aus einer neuerlichen Eingabe des jungen Iraners vom April zitiert. Selbst in der Schweiz werde er nun «von Iranern beschimpft und angefeindet».

Wohl wegen dieser Entwicklung nahm das SEM die Eingabe als zweites Asylgesuch entgegen. Es wertete nun auch weitere Beweise in einem ganz anderen Licht. Zum Beispiel die Chat-Verläufe mit den Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern und einen Brief von Grossrat Stähli, die Bezhams Veranlagung untermauerten. Oder die Dokumente zum gewaltsamen Tod seines Bruders, die das gefährliche Umfeld im Iran bezeugten.

Kein Asyl, aber...

Heute muss auch das SEM dem jungen Iraner zugestehen, «dass Sie bei einer Rückkehr in den Iran mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile zu befürchten hätten». Damit erhält Bezham zwar noch immer kein Asyl, der Bescheid bestätigt sogar ausdrücklich das seinerzeitige Nein des Bundesverwaltungsgerichts.

Weil «die flüchtlingsrelevanten Elemente im Sachverhalt erst nach Ihrer Ausreise aus dem Iran geschaffen worden sind», wie es auf Juristendeutsch weiter heisst. Und damit als «subjektive Nachfluchtgründe» gälten.

Aber: «Da Sie die Flüchtlingseigenschaft erfüllen, wird der Grundsatz der Nichtrückschiebung angewandt.» Der junge Iraner gilt damit als vorläufig aufgenommen und bekommt den Ausweis F. Auch dieser Ausgang des Verfahrens wird Bezham mehr als recht sein. Hauptsache, er kann in der Schweiz bleiben.

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