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Schulweg durch die halbe Stadt

Die Behörden haben ein neues Provisorium für die Schüler des Kirchen­feldschulhauses gefunden. Derweil verschlingt das ursprünglich geplante weiterhin Geld. Für den Schülertransport werden weitere Mehrkosten dazukommen.

Das Kirchenfeldschulhaus harrt seiner Sanierung und verursacht Rechtshändel und Mehrkosten.
Das Kirchenfeldschulhaus harrt seiner Sanierung und verursacht Rechtshändel und Mehrkosten.
Andreas Blatter

Ein paar Tage vor den Sommer­ferien erhielten die Eltern und Kinder der Kirchenfeldschule einen Brief ihres Schulleiters. Nachdem dieser im Frühling darüber informiert hatte, dass sich der Start der Bauarbeiten an ihrem Schulhaus um ein Jahr bis Sommer 2018 verzögert, ver­meldete er dieses Mal Neuigkeiten zu den Provisorien.

Man habe «die Situation überprüft und eine bessere Lösung gefunden»: Pünktlich auf den neuen Bau­beginn stehe das Schulhaus Enge zur Verfügung.Hintergrund der rollenden Planung sind zwei Einsprachen. Diese verhinderten, dass die Sanierung und Erweiterung des Kirchenfeldschulhauses, für die eine Bauzeit von zwei Jahren veranschlagt ist, wie geplant im vergangenen Mai beginnen konnten. Die für das Projekt benötigten 46 Millionen Franken hatte das Stimmvolk im September 2016 mit 70 Prozent Ja-Stimmen angenommen.

Eine Art Ganztagesschule?

Im Schulhaus Enge am äusseren Rand des Viererfelds stehe dem Lehrpersonal und den Schülerinnen und Schülern aus dem Kirchenfeld «eine komplette Schulanlage mit genügend Klassen­zimmern, einer Turnhalle, Werkräumen und Platz für die Ta­gesschule» zur Verfügung, hält der Schulleiter in seinem Brief erfreut fest. Mit Freude würden er und sein Team auch die Herausforderungen angehen, die es noch zu meistern gelte: «Wie wird der Transport der Kinder organisiert? Können sie über Mittag nach Hause, oder werden wir mit kompakten Stundenplänen eine Art Ganztagesschule führen?»

Während im Quartier bereits erste kritische Stimmen fragen, wie sich bestehende Nachmittagsprogramme mit einem möglichen Blockunterricht vertragen sollen, scheinen einzelne Fragen bereits beantwortet zu sein. «Soweit wir informiert sind, soll der Schülertransport mit Bernmobil organisiert werden», teilt die Stabsleiterin von Immobilien Stadt Bern (ISB) auf Anfrage mit.

Dies markiert einen Kulturwandel der Behörden: Ein Pro­visorium müsse «notwendigerweise innerhalb des Quartiers» liegen, vertrat ISB noch im April. Folgerichtig galt für die Planung der Provisorien die Vorgabe, dass der Schulweg ohne Schülertransport zu bewältigen sein soll. In der Zwischenzeit machte die Stadt aber «gute Erfahrungen mit dem Schülertransport bei der Volksschule Lorraine», während deren kürzlich abgeschlossener Sanierung die Schülerinnen und Schüler ein Jahr lang mit Bernmobil-Bussen ebenfalls ins Schulhaus Enge und zurück pendelten.

Jahrelanger Rechtsstreit?

Angesichts der «besseren Lösung» für den provisorischen Schulort ist es umso bitterer, dass die Stadt seit letztem November Miete für ein Provisorium bezahlt, das sie neuerdings nicht einmal mit einem Jahr Verzögerung, sondern gar nie beanspruchen wird. Monatlich 16 000 Franken gehen der Stadtkasse so für das unbenutzte Calvinhaus an der Marienstrasse flöten, wie diese Zeitung vor drei Monaten publik machte.

Während ISB damals noch eine baldige Zwischennutzung in Aussicht stellte, versucht die Stadt nun, aus dem bis am 31. Juli 2019 laufenden Vertrag herauszukommen. «Wir sind mit der Kirche in Verhandlung und streben an, die Fläche im Calvinhaus frühzeitig abzugeben.»

Noch mehr Ungemach droht von den hängigen Rechtshändeln, die zu weiteren Verzögerungen bei der Sanierung des Kirchenfeldschulhauses führen könnten. Aus den Kreisen der Einsprecher jedenfalls ist zu vernehmen, dass sich diese Chancen ausrechnen, in der Abstimmungsvorlage eine Täuschung der Stimmbevölkerung nachweisen zu können. Dies werde dereinst ein Gericht beurteilen müssen, glauben sie und richten sich auf einen jahrelangen Rechtsstreit ein. Die Stadt dagegen geht «weiterhin von einem Baubeginn im Sommer 2018 aus».

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