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Schüler halfen in Kindertagesstätten

Spezialeinsatz für die Fünft- und Sechstklässler des Berner Bitzius-Schulhauses: Sie haben eine Woche lang in Berner Kindertagesstätten mitgeholfen, Kleinkinder zu betreuen. Begeistert waren nicht nur die Mädchen.

Gelb, rot, grün oder blau: Valerio (l.) und Musa zeigen den Kleinen in der Kita Firlifanz, was man so aus Lego machen kann. Piraten machen Kissenschlacht, und technisch Begabte montieren die Brio-Eisenbahn-Linien.
Gelb, rot, grün oder blau: Valerio (l.) und Musa zeigen den Kleinen in der Kita Firlifanz, was man so aus Lego machen kann. Piraten machen Kissenschlacht, und technisch Begabte montieren die Brio-Eisenbahn-Linien.
Urs Baumann

Eine ganze Woche lang gab es für die Fünft- und Sechstklässler des Bitzius-Schulhauses keine Deutschstunde, keine Franz-Probe und keine Rechenaufgabe. Dafür betreuten sie in 25 Berner Kindertagesstätten kleine Kinder. Das freut die Mädchen, die Knaben finden es doof – könnte man meinen.

«Es ist cool»

Doch nichts da: «Cool» finde er es, sagt Valerio Wagner. Seine Kollegen sind übrigens der gleichen Meinung. Er war mit ihnen im Kino, und das Hauptgesprächsthema waren die Erlebnisse an ihren «Arbeitsplätzen». Überhaupt: «Was ist schon peinlich daran, Kinder zu betreuen?», fragt Valerio Wagner. «Ich habe den Kindern gezeigt, wie sie die Brio-Eisenbahn mit Lego-Steinen höher bauen können», erklärt sein Klassenkamerad Christian Egger stolz. Und fügt hinzu: «Den Kleinen die Zähne zu putzen finde ich auch witzig.»

Es ist noch nicht so lange her, dass die Schüler selber noch so jung waren, dass andere sie betreut haben. Doch der kleine This schaut trotzdem bewundernd hoch zu Musa Korn, dem dritten Schüler, der in der Kita Firlifanz mithilft. Musa schildert, wie er mit This, Lena und anderen Kindern Piraten gespielt habe und sie ein anderes Boot mit einer Kissenschlacht erobert hätten. Die begeisterte Schilderung ergänzt er dann in ernsthaftem Ton: «Wir haben die Kissen natürlich extra ganz sanft geworfen.»

Viel besser, als Franz-Wörtli zu lernen, sei es, in der Kita zu helfen, findet Valerio. Doch als Beruf wäre die Kinderbetreuung «nicht sein Ding». Er will Sänger oder Schauspieler werden. Auch Musa winkt ab: «Ich habe mich schon für Schreiner oder Polymechaniker entschieden.» Nur Christian könnte sich vorstellen, eine Ausbildung zum «Fachmann Betreuung» – so heisst die Kleinkinderziehung heute – zu machen.

Drei glückliche Helfer

«Fachperson Betreuung Kinder» ist nach wie vor ein typischer Frauenberuf: Von 120 Jugendlichen, die derzeit das dritte Lehrjahr besuchen, sind gerade mal 10 männlich. Auch in den Berner Kitas arbeiten zu 90 Prozent Frauen. Fürs städtische Jugendamt ist der Sozialzeiteinsatz der Bitzius–Schüler deshalb eine willkommene Gelegenheit: «So erfahren auch Knaben, wie spannend es ist, sich mit kleinen Kindern zu beschäftigen», erklärt Barbara Jaeggi vom Jugendamt. In den meisten Fällen interessieren sich Schüler nicht von sich aus für die Kinderbetreuung.

Bei Knaben verpönt

Diese Erfahrung hat auch Beat Zobrist gemacht, der für die Freiwilligenagentur Benevol den Einsatz der Bitzius-Schülerinnen und Schüler organisiert hat: «Wenn die Ausbildung zur ‹Fachperson Betreuung› an der Berner Berufsmesse vorgestellt wird, kommen nur Mädchen an den Stand. Bei den Knaben ist es verpönt, sich über diesen Beruf zu informieren.»

Dabei stehen die Knaben den Mädchen bei der Kleinkinderbetreuung in nichts nach. Sandra Buri, die Leiterin der Kita Firlifanz, schwärmt jedenfalls über ihre drei Helfer: «Sie sind ohne Hemmungen gleich auf die Kinder zugegangen und haben immer gute Ideen, wie sie sich mit ihnen beschäftigen können.»

Kein Wunder also, fallen den drei Schülern gleich mehrere Kleinkinder strahlend um den Hals, sobald sie irgendwo auftauchen.

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