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Schnitt um Schnitt durch Farbschicht um Farbschicht

«Bones N’ Roses»: eine inspirierende Schau des Berner Künstlers Stefan Gritsch in Aarau.

Nicht psychedelisch, aber durchaus bewusstseinserweiternd: Innen-leben eines Acrylfarbblocks, fotografiert und zur Tapete vergrössert.
Nicht psychedelisch, aber durchaus bewusstseinserweiternd: Innen-leben eines Acrylfarbblocks, fotografiert und zur Tapete vergrössert.
pd

Zuerst ein Farbrausch. Der Raum, durch den man die aktuelle Ausstellung im Aargauer Kunsthaus betritt, ist mit einer wildbunten «Fototapete» ausgekleidet. Sie zeigt einen Querschnitt durch die plastische Arbeit von Stefan Gritsch.

Buchstäblich. Denn der 68-jährige Künstler hat die Farbe längst von den Leinwänden gelöst und formt sie zu Kugeln oder Blöcken, die er dann wieder durchschneiden kann. So tritt das Innenleben der Farbskulpturen zutage: gesprenkelt, geschichtet, monochrom.

Königsblau dominiert, ein fleischiges Rot lässt in den folgenden Räumen manche der ausgestellten Acrylkörper seltsam organisch wirken. Der fette Schinken, das durchzogene Bündnerfleisch, da liegen sie wie in einer gut sortierten Metzgerei – «Still Now» heisst die begehbare Bodeninstallation, die den abgetrennten Hof hinter der Glaswand als Aussenraum miteinbezieht.

Die drei Innenwände schmückt ein akkurater Fries, Rose um Rose um Rose um Rose. Indem er geschichtete Acrylfarbe rund um Markknochenstücke fügte, schuf Gritsch diese vielblättrigen Blumen.

Sie geben der Ausstellung den Titel, «Bones N’ Roses». Der Anklang an die US-Hardrockband Guns N’ Roses suggeriert auch, dass geschossen wurde, wo sterbliche Überreste wie Knochen anfallen, nicht nur im Schlachthof, auch auf den Schlachtfeldern globalisierter Kriege.

«War Roses» heissen denn auch die Bilder, die halbabstrakte Rosenmotive auf mehrfach übermalten Landkarten zeigen. Syrien, Afghanistan und andere Krisenherde schimmern hier durch trügerisch schöne Oberflächen.

Nebenan liegt die Geografie des Irak in Form eines handgeknüpften Teppichs, aus dem alles Orientalische getilgt scheint. Für die Vorlage hat Gritsch die Landkarte digital bearbeitet und zum jugendstilhaften Ornament gestaltet.

Seine vielschichtigen Werke geben zu denken: Was für ein irritierender Luxus, kann man sich hierzulande in Museen mit dem Krieg zwischen den Kulturen auseinandersetzen! Obendrein wird man in dieser Ausstellung auch noch einbezogen in den kreativen Prozess des Künstlers.

So sind unter dem Titel «Backstage» auf einem langen Tisch Materialien, Werkzeuge und Prototypen zu sehen, mit denen Stefan Gritsch seine Vorgehensweisen offenlegt. Ein Readymade, das für Aha-Effekte sorgt, bevor man den nächsten Raum betritt und sich erneut überraschen lässt von einer Kunst, die sich selbst stets neu zu erfinden weiss.

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