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Schaller hinterlässt kleine Fussabdrücke

Am 1. Februar hat Franziska Burkhardt ihren ersten Arbeitstag als Chefin von Kultur Stadt Bern. Sechs Fragen und Antworten zur Nachfolgerin der so leidenschaftlich wie viel geschmähten Veronica Schaller.

Die Neue geniesst Vorschusslorbeeren: Franziska Burkhardt. Foto: Adrian Moser
Die Neue geniesst Vorschusslorbeeren: Franziska Burkhardt. Foto: Adrian Moser

1. Wer ist diese neue Chefin von Kultur Stadt Bern?

Die 52-jährige Franziska Burkhardt hat zuletzt vier Jahre lang das Berner Atelierhaus Progr als Geschäftsführerin geleitet. Zuvor führte Burkhardt das Filmfestival Freiburg und danach die Sektion Kunstschaffen im Bundesamt für Kultur. Sie weiss nicht nur, wie eine Verwaltung tickt, sie kennt auch die Berner Kulturszene: Im Auftrag des verstorbenen ehemaligen Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät erarbeitete sie zwischen 2016 und 2017 eine Kulturstrategie, die der aktuelle Stadtpräsident Alec von Graffenried dann entgegennahm. Nun kann Burkhardt das Papier gleich selbst umsetzen.

2. Wie gross sind die Fussstapfen, in die Franziska Burkhardt tritt?

Ungefähr Grösse 36. Die Zeichen stehen gut, dass Burkhardt die Fehler von Veronica Schaller nicht wiederholen wird. Schaller wurde immer wieder mangelndes Fingerspitzengefühl vorgeworfen, bisweilen hat sie auch nicht den richtigen Ton getroffen. In Verhandlungen mit der Kulturabteilung des Kantons wurde gestritten, bis die Tränen flossen. Schaller hat sich zwar politisch für die städtischen Interessen ins Zeug gelegt, galt aber nie als Anwältin der städtischen Kulturszene, sie fand den Draht nicht. Franziska Burkhardt hingegen kennt die ganze Kulturstadt und geniesst dank ihrer klaren und gewinnenden Art viel Vertrauen.

Hatte es schwer: Veronica Schaller. Foto: Adrian Moser
Hatte es schwer: Veronica Schaller. Foto: Adrian Moser

3. Hat Veronica Schaller alles falsch gemacht?

Nein. Aber weil sie es sich mit vielen Menschen aus dem Kulturkuchen verscherzte, löste sie einen Abwehrreflex aus, der ihre durchaus vorhandenen Erfolge überdeckte. Sie hat ihre Abteilung professionalisiert, indem sie kundiges Personal einstellte und klarere Förderkriterien definierte. Und sie hat es geschafft, für die Berner Kultur 2,3 Millionen Franken mehr zu erkämpfen. Sie forderte die Kulturschaffenden auf, grösser zu denken und solche Projekte einzugeben – statt sich bernisch-bescheiden mit halben Sachen zu begnügen. Ihr Plädoyer für relevante, weil sichtbare Kultur wurde ihr kaum angerechnet. Während ihrer Zeit sind grosse Zusammenschlüsse zustande gekommen: Konzert Theater Bern einerseits und die Dachstiftung von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee andererseits.

4. Was gibt es für Franziska Burkhardt zu tun?

Die ganz grossen Baustellen fehlen. Die Verträge mit den Kulturhäusern für die nächste Vierjahresperiode sind unter Dach und Fach. Zwei Knacknüsse stehen bei Konzert Theater Bern an, dem grössten Subventionsempfänger: Einerseits soll das Orchester neu organisiert werden, der Sonderstatus der Sparte soll aufgehoben werden – eine knifflige strukturelle Altlast, die man bei der Fusion 2012 auf die lange Bank schieben musste. Andererseits ist das Vierspartenhaus nach dem abrupten Abgang von Stephan Märki auf der Suche nach einer neuen Intendanz. Brisant: In der Findungskommission für die wichtigste anstehende Personalie im Berner Kulturkuchen wird nicht Burkhardt die Berner Kulturabteilung vertreten, sondern Giulia Meier. Die ist zwar die Theater-Spezialistin von Kultur Stadt Bern. Doch KTB ist Chefsache. Deshalb irritiert, dass Veronica Schaller sie eingesetzt hat und den Entscheid nicht Burkhardt überlassen hat. Ein kleiner Giftpfeil auf die Nachfolgerin?

5. Was wird von Franziska Burkhardt erwartet?

Die Erwartungen an die Leitung von Kultur Stadt Bern sind traditionell sehr hoch. Keinem Chefbeamten droht so viel Gegenwind wie jenem in der Kulturabteilung. Im Wesentlichen kommt Burkhardt die Aufgabe zu, Geld zu verteilen, was nur auf den ersten Blick wie eine dankbare Aufgabe aussieht. Von ihr wird erwartet, mit den vorhandenen Mitteln (36 Millionen Franken) Akzente zu setzen und mutige Entscheide zu treffen, auf der anderen Seite muss sie es allen recht machen. Eine Quadratur des Kreises: Selbst als Veronica Schaller zuletzt dank erhöhtem Budget mit grösserer Kelle anrichten konnte, hagelte es Kritik – von jenen, die gerne noch mehr erhalten hätten.

6. Welche Rolle spielt Stadtpräsident Alec von Graffenried?

Stadtpräsident Alec von Graffenried fordert von der neuen Kulturchefin «mehr Nähe zur Kulturszene», wie er nach ihrer Wahl erklärte. Eine Forderung, die angesichts der beachtlichen Verflechtung ohne weiteres zu erfüllen ist. Wobei sich die Nähe zuletzt als problematisch herausgestellt hat. Nachdem vor einem Jahr bei einem Vernetzungsanlass 26'000 Franken pulverisiert wurden («Beamtenparty»), hagelte es Kritik. Die Aufsichtskommission des Stadtrates warf in seinem Bericht dem Stadtpräsidenten «Führungsschwäche» vor. Burkhart sollte gewappnet sein, dass sie allfällige Krisen alleine zu meistern hat.

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