Rüfenacht will die Kirche im Dorf behalten

Worb

Hat das Kirchenzentrum Sperlisacher in Rüfenacht eine Zukunft? Der Abstimmungskampf um die Initiative «Sperlisacher bleibt!» ist in vollem Gang. Am 8.März entscheidet sich, ob die Worber jährlich 100'000 Franken an den Betrieb zahlen.

Grosser Gebäudekomplex: Im Sperlisacher befinden sich ein Saal, eine Kirche, ein Glockenturm und diverse Nebenräume.

Grosser Gebäudekomplex: Im Sperlisacher befinden sich ein Saal, eine Kirche, ein Glockenturm und diverse Nebenräume.

(Bild: Urs Baumann)

Hektik rund um die Abstimmung vom 8.März in Worb: Flugblätter werden verteilt, Parteien veröffentlichen ihre Parolen. Und ein neu gegründetes gegnerisches Komitee Zukunft Rüfenacht kündigt die Lancierung eines Volkspostulates an. Auslöser der Aktivitäten: das kirchliche Zentrum Sperlisacher in Rüfenacht.

Am Abstimmungssonntag entscheiden die Worber über einen Beitrag von jährlich 100'000 Franken der Einwohnergemeinde an den Betrieb des Sperlisachers. Dies ist die Forderung der Initiative «Sperlisacher bleibt!». Ein Komitee aus Rüfenacht will damit verhindern, dass das Kirchgemeindehaus abgerissen oder verkauft wird.

Finanzielle Belastung

Genau dies plant nämlich der Kirchgemeinderat Worb. Denn der Sperlisacher belastet die reformierte Kirchgemeinde finanziell stark. Für Unterhalt und Betrieb zahlt sie jährlich 250'000 Franken. Zudem stehen dringende Sanierungen an, nach Abstimmungsbotschaft im Umfang von 840'000 Franken. Deshalb möchte der Kirchgemeinderat Räume in der geplanten Überbauung auf dem Sonne-Areal kaufen oder mieten. Nur: Es wäre ungleich weniger Raum als heute im Sperlisacher. Dort gibt es einen grossen Saal, eine Kirche und weitere Räume, am neuen Ort wäre das Raumangebot deutlich kleiner.

Frust in Rüfenacht

Auf Rüfenachter Seite weckt die Abstimmung über die Initiative Emotionen. Denn das Worber Aussendorf zog in der Vergangenheit gegenüber dem Zentrum mehrmals den Kürzeren. Gerade in letzter Zeit musste Rüfenacht einiges einstecken. So zerstörte vor drei Jahren ein Brand das Restaurant Sonne. Seither klafft dort eine wüste Lücke. Bis die geplante Überbauung fertig ist, kann es noch einige Jahre dauern. Und letztes Jahr verlor das Dorf an der Urne den Kampf um ein Stück Eigenständigkeit: Die Oberstufe der Schule Rüfenacht wird diesen Sommer nach Worb verlegt.

Der drohende Verlust des Zentrums Sperlisacher beunruhigt viele Rüfenachter. Der Gebäudekomplex auf dem Hügel über dem Worblental ist nämlich weit mehr als ein Kirchgemeindehaus. «Es ist ein kulturelles Zentrum», sagt Hans Ulrich Steiner vom Initiativkomitee. Der ehemalige Worber Kirchgemeinderat gibt zu bedenken, dass mehr als die Hälfte aller Anlässe, die dort stattfinden, von Vereinen, Institutionen und Privaten durchgeführt werden. Zudem habe die Gemeinde nur gerade beim Bau 10'000 Franken beigesteuert. Seither keinen Rappen mehr.

Zustupf reicht nicht

Der Gemeinderat und das Worber Parlament erteilten der Initiative eine Abfuhr. Auch das Komitee Zukunft Rüfenacht lehnt sie ab. Die Initiative führe in eine Sackgasse, begründet das Gremium aus Rüfenachter Parlamentsmitgliedern der SP und der FDP. Weil 100'000 Franken den Sperlisacher nicht retten könnten, will das Komitee eine Lösung im Neubau auf dem Sonne-Areal pushen – mittels Volkspostulat, das aber noch nicht eingereicht ist.

Ein jährlicher Zustupf von 100'000 Franken reiche langfristig nicht, bestätigt Kirchgemeindepräsident Toni Stalder. «Der Betrag könnte uns aber etwas Luft verschaffen, bis wir eine andere Lösung gefunden haben.» Der Kirchgemeinderat verfolge den Einzug ins Sonne-Zentrum weiter. Im Gegenzug würde der Sonne-Besitzerin Ramseier und Stucki Architekten AG der Sperlisacher angeboten – für Wohnungsbau. Die Firma sei interessiert, sagt Stalder. Verhandlungen könnten erst geführt werden, wenn die Teilrevision der Ortsplanung fürs Areal in Kraft sei. Hans Ulrich Steiner vom Initiativkomitee hat Zweifel, dass dieser Handel überhaupt zustande kommt. Denn für den Beschluss über die Zukunft des Sperlisachers ist die Kirchgemeindeversammlung zuständig. Ob diese zustimme, sei unsicher. «Wenn aber die Kirchgemeinde jetzt die 100'000 Franken pro Jahr erhielte, hätte sie zumindest den Spatz in der Hand.»

Berner Zeitung

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