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Reitschule: Schandfleck oder Freiraum?

Ab dieser Frage erhitzen sich in Bern seit 25 Jahren die Gemüter. Den rechten Parteien gilt sie als Schandfleck und rechtsfreier Raum, den linken als Kulturoase mit dringend nötigen Freiräumen.

Ein Blick in den Innenhof der Reitschule. Hier wird sieben Tage die Woche ein reger Kulturbetrieb angeboten.
Ein Blick in den Innenhof der Reitschule. Hier wird sieben Tage die Woche ein reger Kulturbetrieb angeboten.
Claudia Salzmann
15.12.2013: Die Polizei riegelt nach Tumulten Teile der Schützenmatte vor der Reitschule ab. Aktivisten hatten aus Baumaterial mehrere Strassensperren erstellt und angezündet.
15.12.2013: Die Polizei riegelt nach Tumulten Teile der Schützenmatte vor der Reitschule ab. Aktivisten hatten aus Baumaterial mehrere Strassensperren erstellt und angezündet.
Raphael Moser
Jahr 1977: Als in der Berner Reitschule noch geritten wurde: Ein Transporter bringt Stroh für die Pferdestallungen im Gebäude, das als Abbruchobjekt gilt und nicht mehr saniert wird.
Jahr 1977: Als in der Berner Reitschule noch geritten wurde: Ein Transporter bringt Stroh für die Pferdestallungen im Gebäude, das als Abbruchobjekt gilt und nicht mehr saniert wird.
Archiv BZ/Andras Zurbuchen
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Das alternative Kulturzentrum Reitschule in Bern erregt wieder einmal die Gemüter der Hauptstadt. Anlass sind Randale am vergangenen Wochenende auf der nahen Schützenmatte. Dort errichteten Unbekannte Strassenbarrikaden offenbar als Vergeltung für eine Polizeirazzia.

Die Berner Stadtregierung hat am Montag die Randale verurteilt und von der Reitschul-Betreiberin, der Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKUR) verlangt, sich von den Vorfällen klar zu distanzieren. Der städtische Sicherheitsdirektor Reto Nause kritisierte jüngst, die Reitschule halte den mit ihr vereinbarten Leistungsvertrag nur bedingt ein.

Kulturelles Angebot der Reitschule wird geschätzt

Die Reitschule, wo sich am Wochenende Hunderte bis Tausende meist jugendliche Besucherinnen und Besucher treffen, ist seit 25 Jahren ein Zankapfel in der Berner Stadtpolitik.

Die Reitschul-Betreiber selber sehen die Institution als autonomes Kultur- und Begegnungszentrum, das sich als Teil der politischen, kulturellen und sozialen Alternativ- und Widerstandskultur in und um Bern versteht.

Die Bernerinnen und Berner lieben die Reitschule für ihr kulturelles Angebot mit Theater, Musik, Bar- und Restaurantbetreib. Von alternativem Punk, über Folk bis Slam Poetry, von Disko bis zur Tanzperformance finden alle und alles unter dem grossen Dach Platz.

Viele lieben die Reitschule aber auch, weil sie unangepasst ist, sich gängigen Normen widersetzt und manchmal herrlich unanständig das behäbige, offizielle Bern ins «Jäss» bringt. Für Politiker fast aller Couleur ist die Reitschule zudem eine dankbare Projektionsfläche für Pathetik und Polemik aller Art.

Stimmvolk steht hinter der Reitschule

Zahlreich sind die Versuche, die Institution politisch aus dem Weg zu schaffen. An der Urne sind sie bisher noch alle gescheitert. Die letzte Abstimmung fand 2010 statt: 68,4 Prozent der Stimmenden lehnten eine Initiative der SVP ab, die die Reitschule schliessen und an den Meistbietenden verkaufen wollte.

Doch die Reitschule ist nicht nur eine unkonventionelle Begegnungs-, Kultur- und Politzone. Seit Jahren hat die Institution auch immer wieder handfeste Probleme mit Gewalt und Drogen. Beides gibt es vor ihren Toren - und manchmal auch drinnen.

Immer wieder ziehen sich nach Kundgebungen gewaltbereite Randalierer in die Reitschule zurück. Die Polizei hat dort bei laufendem Kulturbetrieb kaum Möglichkeiten, ihrer habhaft zu werden.

Möglichkeiten, diesem Treiben ein Ende zu setzen, sehen die Reitschulverantwortlichen auf ihrer Seite allerdings kaum.

Sie stellten sich in der Vergangenheit auf den Standpunkt, dass die Institution keine Vermittlerin zwischen der Polizei und anonymen Tätern spiele und lehnen die aus ihrer Sicht repressiven Polizeieinsätze ab. Damit werde der Freiraum der Reitschule beschnitten.

Kritik üben die Reitschul-Verantwortlichen auch an der ihrer Ansicht nach repressiven Drogenpolitik der Stadt. Deren Folgen bekomme die Reitschule zu spüren. Mit ihren Einsätzen auf der Schützenmatte dränge die Polizei die Deal-Beteiligten immer wieder Richtung Reitschule. «No Deal» prangt in grossen Lettern auf einem Plakat über dem Eingang.

Immer wieder Scharmützel

Immer wieder kommt es zu kleineren oder grösseren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Vermummten in der Umgebung der Reitschule, vor allem im Gebiet Schützenmatte. Die letzten grösseren Randale gab es Ende Juli. Die Polizei setzte Tränengas und Gummischrot ein.

(SDA)

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