Quietschtram: Abwarten oder gar wegziehen

Bern

Die lärmgeplagten Anwohner wollen abwarten, wie laut das umgerüstete Tram ab Dezember ist. Es gibt aber auch solche, die ihr Haus verkaufen wollen.

Die lärmgeplagten Anwohner wollen abwarten, wie laut das umgerüstete Tram ab Dezember ist.

Die lärmgeplagten Anwohner wollen abwarten, wie laut das umgerüstete Tram ab Dezember ist.

(Bild: zvg)

Die blauen Bähnli würden mit den neuen Rädern in Zukunft weniger Lärm machen. Das versicherten Gemeinderätin Regula Rytz und Bernmobil-Direktor René Schmied am Mittwochabend den Anwohnern des Fischermätteliquartiers. Ab dem 11. Dezember soll die Linie 6 wieder durchgehend von Worb ins Fischermätteli fahren. Die Lärmgeplagten liessen sich von den Versprechungen an der Infoveranstaltung allerdings nicht überzeugen.

«Wollen das Haus verkaufen»

Linda Oehrli, die mit ihrem Mann Markus direkt an der Tramlinie an der Pestalozzistrasse wohnt, sagt: «Sie wollten uns trösten, aber das gelang nicht. Wir haben genug, wir kapitulieren, wollen das Haus verkaufen und aus dem Quartier ausziehen.» Sie glaubt nicht daran, dass die neu ausgerüsteten Trams eine Verbesserung bringen. «Den ganzen Abend – es war eine sehr geladene, aggressive Stimmung – wurde von Trams gesprochen, aber die Linie 6 ist kein Tram, sondern ein Zug. Und Züge haben im Quartier nichts zu suchen», sagt Linda Oehrli. Zudem verstehe sie nicht, warum Worb auf die Verbindung bis ins Fischermätteli bestehe.

«Abwarten und gut zuhören»

Moderatere Töne schlug gestern Quartierbewohner Möuk Stöckli an. «Wir wollen jetzt abwarten und ab 11.Dezember gut hinhören.» Es bringe nichts, wenn man bereits heute wieder eine Unterschriftensammlung initiiere. Im Dezember wolle man dann entscheiden, ob die neue Komposition für die Anwohner tragbar sei. Stöckli hatte sich gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe Anfang dieses Jahres gegen das Quietschtram stark gemacht und im Februar Bernmobil-Direktor René Schmied 1172 Unterschriften gegen das blaue Bähnli überreicht.

«Wohl oder übel schlucken»

Auch Anwohner Roland Janz will gegen das Tram vorerst keine Massnahmen ergreifen. «Wir wollen jetzt mit anderen Quartierbewohnern zusammensitzen und die Sache besprechen.» Wenn das Tram künftig tatsächlich nicht mehr so laut sei, «müssen wir es wohl oder übel schlucken.» Tontechniker Janz hatte Anfang Jahr mehrmals und an verschiedenen Orten den Schalldruckpegel gemessen und kam auf die gleichen Werte wie diese Zeitung: 112 Dezibel im Fischermätteli – ein Presslufthammer erreicht nur 100. Abwarten will auch GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer, der an der Schwarztorstrasse wohnt und arbeitet. Er hatte sich gegen das Gequietsche des blauen Bähnli vehement gewehrt. «Ich will vorerst mal hören wie sich die Schmierapparate in den Kurven bewähren und ob sie den Lärm wirklich vermindern.» Falls der Lärm nicht zurückgehe, werde er bestimmt wieder aktiv.

Gesprächsstoff im Laden

Auch im Maxi-Markt am Cäcilienplatz, wo Unterschriften gesammelt wurden, will man vorerst nichts unternehmen: «Wenn das Bähnli weiterhin quietscht, wird der Lärm im Laden sofort zum Gesprächsstoff der Kunden», sagte gestern Geschäftsführerin Gabriella de Monti.

Zufrieden gab sich Gemeinderätin Regula Rytz: «Ich weiss, dass unsere Botschaft für die betroffenen Quartierbewohner keine freudige war, aber die neuen Räder werden eine Lärmminderung bringen.» Viele Leute hätten noch das Quietschen vom Januar im Ohr.

Berner Zeitung

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