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Prügelnder Autofahrer muss ins Gefängnis

Das Freiburger Kantonsgericht hat die Strafe gegen einen Automobilisten erhöht. Sieben Monate muss er ins ­Gefängnis. Er hatte sein Gegenüber vermöbelt, das ihn mit einem Schlagstock bedrohte.

Ein Automobilist hatte sein Gegenüber vermöbelt, nachdem ihn dieses mit einem Schlagstock (Symbolbild) vermöbelt hatte.
Ein Automobilist hatte sein Gegenüber vermöbelt, nachdem ihn dieses mit einem Schlagstock (Symbolbild) vermöbelt hatte.
Fotolia

Im Juni 2013 gerieten sich zwei Automobilsten in Murten gehörig in die Haare. Es begann harmlos und endete blutig. Am Anfang standen ein telefonierender Autofahrer in langsamer Fahrt, ein nah aufschliessendes Fahrzeug, ein unmögliches Überholen und ein Bremsmanöver ohne Unfallfolge.

Der hinten fahrende Lenker machte ein Handzeichen, der vordere interpretierte diese Geste als «Anhalten und Stinkefinger», wie es in einem Urteil des Freiburger Kantonsgerichts heisst. In der Siechenmatt kam es dann zum Showdown.Nach einer verbalen Auseinandersetzung eskalierte die Situation.

Der Ältere wurde zuerst in der Autotür eingeklemmt. Er konnte sich befreien und griff zu einem teleskopisch ausfahrbaren Schlagstock. Als er zuschlagen wollte, schlug der Jüngere ihm den Schlagstock aus der Hand und deckte ihn mit Faustschlägen gegen den Kopf ein.

Er prügelte auf seinen Widersacher weiter ein, auch als dieser am Boden lag. Das Opfer trug verschiedene Brüche davon, auch am Kopf. Er war während Wochen ganz oder teilweise arbeitsunfähig.

Der Einzelrichter verurteilte den prügelnden Autofahrer unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung als Folge eines Notwehrexzesses zu 640 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Mit diesem Urteil war die Staatsanwaltschaft nicht zufrieden und gelangte ans Kantonsgericht. Sie verlangte zwölf Monate Gefängnis, sechs Monate davon unbedingt. Auch der Verurteilte wehrte sich. Er berief sich auf Notwehr, er habe nicht mehr überlegt handeln können.

Geübter Kampfsportler

Das Kantonsgericht folgte in seinem Urteil mehrheitlich der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte durfte den Angriff seines Kontrahenten mit dem Schlagstock abwehren. Aber der Mann sei klar zu weit gegangen. «Eine Notwehrlage ist offensichtlich kein Freipass dafür, den Angreifer bis zum K. o. und auch noch darüber hinaus zu schlagen», hält das Gericht fest.

Es weist darauf hin, dass der Kampfsport treibende Beschuldigte seinem älteren Gegner überlegen war und diesen schon kampfunfähig gemacht hatte, bevor er zu Boden ging. Die Grenzen der Notwehrhandlung seien «deutlich überschritten» worden, es liege ein «extensiver Notwehrexzess» vor.

Erstes Urteil ist zu mild

Mit Blick auf den Vorfall korrigiert das Gericht das Strafmass nach oben. Die vom Einzelrichter festgesetzte Einsatzstrafe sei angesichts des Aggressionsgehalts und des Gewaltausbruchs zu tief.

Es sei ihm nicht nur darum gegangen, seinen Widersacher fernzuhalten. Sondern darum, ihn bis zum Niederschlag zu prügeln und ihn für sein Verhalten zu massregeln. Es erinnere mehr an eine Abreibung als eine nachvollziehbare Überreaktion.

Das Kantonsgericht spricht eine unbedingte Gefängnisstrafe von sieben Monaten aus. Weil das Regionalgericht Bern-Mittelland ihn wegen Betäubungsmitteldelikten 2012 zu einer 21-monatigen bedingten Strafe verurteilt hatte, komme eine bedingte Strafe nicht infrage. Ein schwacher Trost dürfte für den Mann sein, dass er diese Vorstrafe nicht absitzen muss.

Die Prügelei hat für den Verurteilten auch finanzielle Folgen. Er muss nicht nur die Verfahrenskosten übernehmen, sondern auch der Arbeitgeberin des Opfers gegen 44 000 Franken bezahlen – plus Zinsen.

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