Pionierarbeit neben der Gletscherspalte

Säriswil

Im August 1919 gelang dem Militärpilot Robert Ackermann, der später nach Säriswil (Gemeinde Wohlen) zog, auf dem Jungfraujoch die wohl erste Gebirgslandung der Geschichte.

Knapp an der Tragödie vorbei: Ackermanns Maschine nach der halsbrecherischen Landung.

Knapp an der Tragödie vorbei: Ackermanns Maschine nach der halsbrecherischen Landung.

(Bild: PD/Sammlung Loni-Madeleine Ackermann)

Zuerst verlief alles nach Plan, als Oberleutnant Robert Ackermann mit seinem zweisitzigen Doppeldecker Typ Häfeli DH-3 mit Passagier, dem Major Arnold Isler, am frühen Morgen des 17. August 1919 auf der Thuner Allmend abhob. Ziel der ersten Hochgebirgslandung war das Jungfraujoch auf 3400 Meter, wo eine Bahn zur Verfügung stand, falls etwas schiefgehen würde. Und es ging etwas schief.

Als 25-Jähriger landete Robert Ackermann ein Flugzeug auf dem Jungfraujoch. Bild: PD/Sammlung Loni-Madeleine Ackermann

Das Militär wollte Erfahrungen sammeln für die Anlage von Flugplätzen in den Alpen. Am Vortag hatten Männer auf dem Joch eine rund 200 Meter lange und 15 Meter breite Piste in den Schnee gestampft. Deren Ende markierten sie mit Flaggen, unmittelbar dahinter befand sich eine tiefe Gletscherspalte. Doch nach 65 Minuten Flugzeit verlor der Motor wegen der dünnen Luft an Leistung, und Ackermann gelang es trotz Vollgas nicht, die Höhe zu halten.

Schreck bei der Landung

Eine seiner Töchter, Loni-Madeleine Ackermann aus dem Wohlener Gemeindeteil Säriswil, die Berichte über das Leben ihres Vaters gesammelt hat, erläutert: «In dieser Höhe war der Motor zu schwach. Als mein Vater zur Landung ansetzte, überraschten ihn zudem starke Rückenaufwinde, und er landete weit weg vom präparierten Landestreifen.» Die Räder sanken im Schnee ein, die Maschine stellte sich auf den Kopf, nur wenige Meter von einer Gletscherspalte entfernt.

Loni-Madeleine Ackermann hat vieles über ihren Vater Robert aufbewahrt. Foto: Hans Heimann

Ackermann vollzog die wohl erste Gletscherlandung der Fluggeschichte. Sie hätte in einer Tragödie enden können, aber Pilot und Passagier hatten Glück. Unverletzt entstiegen die zwei Männer dem Flugzeug, zu Bruch gegangen war nur der Holzpropeller. Sie marschierten zur Bergstation der Jungfraubahn und meldeten per Telefon den Schaden den Flugzeugwerken in Thun, welche ihnen am nächsten Tag einen Ersatzpropeller schickten. Da handwerklich begabt, wechselte Ackermann den Propeller eigenhändig aus. Tags darauf startete der Oberleutnant seinen 30-minütigen Rückflug nach Thun.

Der väterliche Pionier

Ackermann kann als Pionier der Landung im Hochgebirge bezeichnet werden, die eine Entwicklung einleitete bis zu den heutigen Rettungsflügen der Rega. Ende der 1920er-Jahre begann man, Skier an den Flugzeugen zu befestigen. Als 1946 eine amerikanische Douglas C-53 auf dem Gauligletscher abgestürzt war, montierten die beiden Schweizer Militärpiloten skiähnliche Kufen neben den Rädern ihrer Maschinen. Nur so gelang ihnen eine sanfte Landung unweit der verunglückten Maschine. Eine Weltsensation.

Ackermann blieb der Fliegerei treu. 1922 wurde er in Dübendorf internationaler Flug-Akrobatikmeister. Als Instruktionsoffizier der Fliegertruppen war er an deren Aufbau beteiligt. Er war der erste Postflieger auf der Strecke Zürich-Bern-Lausanne und zog nach Säriswil. Tochter Loni-Madeleine Ackermann erfuhr erst später, welchen Übernamen ihr Vater hatte: «Die ihm unterstellten Offiziere nannten ihn einfach Vater.»

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