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Pfändungsbetrug: Ehemaliger Bauunternehmer verurteilt

Das Wirtschaftsstrafgericht hat einem früheren Geschäftsmann eine Geldstrafe aufgebrummt, weil dieser seiner Familie Aktien vermacht hatte, um einer Pfändung zu entgehen.

Die Bank, welche vom Verurteilten Geld zurückgefordert hatte, erlitt wegen des verheimlichten Aktienbesitzes einen Schaden von einer Million Franken.
Die Bank, welche vom Verurteilten Geld zurückgefordert hatte, erlitt wegen des verheimlichten Aktienbesitzes einen Schaden von einer Million Franken.
Marc Dahinden

Das kantonale Wirtschaftsstrafgericht hat am Mittwoch einen ehemaligen Bauunternehmer wegen Pfändungsbetrugs schuldig gesprochen. Der Mann habe den Aktienbesitz an seiner Immobilienfirma auf Familienangehörige verschoben, um sein Lebenswerk dem Zugriff der Gläubigerin zu entziehen.

Die Einzelrichterin verurteilte den bald 67-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagen zu je 120 Franken, ausmachend 36'000 Franken. Die Probezeit wurde auf zwei Jahre festgesetzt.

Die Gerichtspräsidentin sah es als erweisen an, dass der Beschuldigte seine Familienmitglieder, darunter auch minderjährige Kinder, bloss als Strohleute vorgeschoben hatte. Wirtschaftlich betrachtet habe der Mann aber sehr wohl über mindestens 78 Prozent der Aktien der von ihm aufgebauten Immobilienfirma verfügt. Durch das Verheimlichen dieses Aktienbesitzes sei der Gläubigerin 2013 ein Schaden von rund einer Million Franken entstanden.

Schillernde Figur

Vor Gericht stand am Mittwoch eine schillernde Figur der Seeländer Immobilienbranche. Als «Baulöwe» oder «Immobilienkönig» bezeichnete ihn die Lokalpresse bisweilen.

Weit habe es der Mann gebracht, vom Hilfsarbeiter zum Patron eines mittelgrossen Immobilienunternehmens, räumte sogar der Staatsanwalt am Mittwoch freimütig ein. Nur einmal hatte der umtriebige Unternehmer Pech. Ende der 1980-er Jahre hatte sich die Schweizer Wirtschaft überhitzt. Die Immobilienpreise schossen in die Höhe. Kaum jemand konnte oder wollte sich damals vorstellen, dass die Immobilienblase platzen könnte. Der Preiseinbruch Anfang der 1990-er Jahre traf viele unvorbereitet - namentlich Banken und Immobilienfirmen.

1999 ging der Seeländer Bauunternehmer Konkurs. Es resultierten Verlustscheine von 12,5 Millionen Franken. Hauptgläubigerin war die Berner Kantonalbank.

Auch Bank nicht ganz unschuldig

Der Staatsanwalt beschrieb den Beschuldigten am Mittwoch auch als Kind seiner Zeit. Die Schulden des Mannes gingen auf Kredite zurück, wie sie die Banken vor etwas mehr als 25 Jahren «richtiggehend verschleuderten».

Und auch die Gerichtspräsidentin liess wegen der seinerzeit sehr grosszügigen Kreditvergabepraxis der Banken ein wenig Milde walten. Dass der Mann bei der Kantonalbank Millionenschulden hatte, sei einerseits sicher seiner Risikobereitschaft zuzuschreiben, andererseits aber auch der damaligen Vergabepraxis der Bank. Die Einzelrichterin setzte die Strafe im unteren Bereich des Strafrahmens an. Von einem Freispruch, wie ihn die Verteidigung gefordert hatte, wollte das Gericht aber nichts wissen.

Wissentlich gehandelt

Der Beschuldigte habe wissentlich und willentlich zu verhindern versucht, dass die Bank ihn belangen konnte. Nach dem Konkurs habe der Bauunternehmer kein Interesse gehabt, offiziell wieder zu Einkommen und Vermögen zu kommen, führte die Gerichtspräsidentin aus.

Der Staatsanwalt sprach in seinem Plädoyer von «erstaunlichen Transaktionen» in einem grossen Familiengeflecht. Dies alles deute darauf hin, dass die zahlreichen, zum Teil minderjährigen Familienmitglieder bloss Statisten gewesen seien.

Kommende Generation einbinden

Dies sei keineswegs so, konterte der Verteidiger. Der Beschuldigte habe mit den Aktientransaktionen sein Lebenswerk in der Familie behalten und die nächste Generation einbinden wollen.

Einen Betrug hielt der Verteidiger für unwahrscheinlich, hätten doch insgesamt mehr als ein halbes Dutzend Kinder aus verschiedenen Ehen, drei Exfrauen und die aktuelle Ehefrau über all die Jahre dicht halten müssen.

Gerade bei den geschiedenen Frauen könne man davon ausgehen, dass sie kein besonders gutes Verhältnis mehr zu dem Mann hatten und sich wohl kaum für solche Zwecke hätten einspannen lassen.

Der Angeklagte war im November 2016 per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 1000 Franken verurteilt worden. Dagegen legte er Berufung ein, weshalb der Fall nun vor Gericht kam.

Dort mochte sich der Angeklagte am Mittwoch nicht mehr äussern. Höflich beschied er der Gerichtspräsidentin, dass er die Aussage verweigere. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Parteien können innert zehn Tagen Berufung einlegen.

SDA/cla

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