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Tötungsdelikt im Steinhölzli wird neu aufgerollt

Das Obergericht muss sich auf Geheiss des Bundesgerichts erneut mit dem Tötungsdelikt im Steinhölzli von 2011 befassen.

Nach dem Prozess am Obergericht wurden zwei Personen der Opferfamilie von der Polizei abgeführt.
Nach dem Prozess am Obergericht wurden zwei Personen der Opferfamilie von der Polizei abgeführt.
TeleBärn
Bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen wurde am 26. Dezember 2011 in Köniz ein 39-jähriger Mann erschossen.
Bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen wurde am 26. Dezember 2011 in Köniz ein 39-jähriger Mann erschossen.
Andreas Blatter
Eine Person war noch vor dem Eintreffen der Polizei durch Bekannte in ein Spital gebracht worden. Dort wurde schliesslich der Tod des 39-jährigen Mannes festgestellt.
Eine Person war noch vor dem Eintreffen der Polizei durch Bekannte in ein Spital gebracht worden. Dort wurde schliesslich der Tod des 39-jährigen Mannes festgestellt.
Andreas Blatter
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Am Abend des 26. Dezember 2011 fielen bei der Bushaltestelle Steinhölzli zwei Schüsse. Der schon länger schwelende Konflikt zwischen zwei verfeindeten Türken – sie waren in der gleichen Branche tätig und Konkurrenten – und ihren Begleitern war eskaliert. Einer ging, begleitet von seiner Bande, mit dem Baseballschläger auf den anderen los. Im Handgemenge zückte jener eine Pistole und drückte ab. Ein Schuss traf den Kontrahenten aus kurzer Distanz im Oberkörper und durchschlug das Herz. Im nahen Zieglerspital konnte nur noch sein Tod festgestellt werden.

Knapp sieben Jahre später muss sich das Berner Obergericht ein zweites Mal mit diesem Tötungsdelikt befassen (siehe Box). «Ich hatte Todesangst, als alle auf mich losgingen», sagte der Beschuldigte gestern bei seiner Befragung. Er habe nichts mehr überlegt, der Griff zur Pistole sei eine spontane Reaktion gewesen, als die Bande ihn mit Baseballschlägern traktierte.

Ein grosses Durcheinander

Es sei dunkel gewesen und es habe ein grosses Durcheinander geherrscht, schilderte der 39-Jährige weiter. Er habe eigentlich flüchten und die mitgetragene Waffe nicht einsetzen wollen. Das damalige Geschehen gehe ihm täglich durch den Kopf, erklärte der Beschuldigte. Er wünsche sich, es wäre nie passiert. Aber er habe in dieser Situation nicht anders handeln können. Es sei Notwehr gewesen.

Kein klares Bild

Die Aussagen der vielen Beteiligten lassen den Ablauf nicht mehr genau rekonstruieren. Deshalb spielen bei der Beurteilung zwei Gutachten eine wichtige Rolle. Sie setzen sich mit der Schussabgabe und den Positionen der beiden Beteiligten auseinander. Das Regionalgericht kam aufgrund des Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin Bern zum Schluss, dass der Beschuldigte in aufrechter Postion geschossen hatte. Ein von der Verteidigung in Auftrag gegebenes Gutachten aus Zürich brachte weitere mögliche Positionen der Beteiligten ins Spiel.

Das Gericht befragte die beiden Gutachter. Es ging um Flugbahnen, Schusswinkel, Annahmen, Toleranzen und Schlussfolgerungen. Eine eindeutige Aussage lässt sich aber nicht machen. «Es war ein hochdynamischer Ablauf. Es wäre irreführend, etwas als fix darzustellen», sagte der Zürcher Experte.

Unmut bei der Opferfamilie

Der Bruder des Opfers drückte gestern seinen Unmut darüber aus, dass der Beschuldigte sieben Jahre nach dem Tötungsdelikt frei herumlaufen dürfe und sogar in die Türkei in die Ferien reisen könne. Er verstehe das Rechtssystem nicht und habe kein Vertrauen mehr in die Anwälte.

Heute Freitag folgen die Plädoyers. Das Obergericht wird das Urteil am nächsten Mittwoch eröffnen. Die Verhandlung findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Sowohl beim Prozess vor dem Regionalgericht als auch beim ersten Mal vor Obergericht kam es nach der Urteilsverkündung zu Tumulten zwischen den Angehörigen des Täters und des Opfers.

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