Morell-Haus: Malereien blieben vom Brand verschont

Bern

Nach dem Brand an der Postgasse wird die Stadt Bern wochenlang mit Trocknungsarbeiten im Morell-Haus beschäftigt sein, ehe die ­Sanierung weitergehen kann.

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Michael Bucher@MichuBucher

«Wir hatten Glück im Unglück»: Dieser häufig bemühte Satz nach einem glimpflich ausgegangenen Unfall, er wurde auch am Mittwoch ­geäussert. Der Protagonist: Kurt Glanzmann von Immobilien Stadt Bern. Der Ort: Das Morell-Haus. In dem vierstöckigen Gebäude an der Postgasse 14 wurde am Abend des 9. Juli der komplette Dachstock durch einen Brand zerstört.

Die Sache mit dem Glück im Unglück hat in der Tat seine Richtigkeit. So wurde in dem leer stehenden Haus, in dem Renovierungsarbeiten im Gang gewesen waren, niemand verletzt. Auch konnte die Berufsfeuerwehr Bern verhindern, dass sich der Brand auf umliegende Gebäude ausweitete.

Es blieb die Frage: Wie stark wurden die erst kürzlich entdeckten historischen Deckenmalereien im 1. Stock beschädigt? Am Mittwoch durften Medienvertreter das denkmalgeschützte Haus besichtigen und feststellen: Die wertvollen, rund 300 Jahre alten ­Malereien blieben vom Brand verschont.

Löschwasser bereitete Sorgen

Die Unversehrtheit der Deckenmalereien ist umso erstaunlicher, da das Feuer gleich in der Etage darüber ausbrach und wütete – ausgelöst durch einen technischen Defekt an einer Elektroinstallation. Komplett unversehrt blieben die Malereien trotzdem nicht. Hier und da sind Wasserflecken und Russrückstände ­erkennbar. «Das Hauptproblem war das viele Löschwasser, das durch die Ritzen nach unten ­sickerte», erklärte Gesamtprojektleiter Glanzmann. In den nächsten Wochen ­werden deshalb hauptsächlich Trocknungsarbeiten erfolgen.

Löschwasser und Russpartikel hätten die Malereien zwar angegriffen, aber der Schaden sei reparierbar, sagt Jean-Daniel Gross, Leiter der Berner Denkmalpflege. (Video: sda)

Die ebenfalls historisch bedeutsamen Wandtäfelungen im Erdgeschoss wurden bereits ausgebaut. Diese werden extern ­getrocknet, wie Jean-Daniel Gross, Leiter der Denkmalpflege der Stadt Bern, vor Ort ausführte.

Wie gross die Schäden an der historischen Bausubstanz durch Rauch und Wasser sind, müsse erst durch einen Restaurator untersucht werden, so Gross. Die Stadt, die seit 1861 Besitzerin des Morell-Hauses ist, hofft, dass die wertvollen Ausstattungselemente erhalten und in die geplanten Wohnungen integriert werden können.

Beim Zeitplan der seit Anfang Jahr laufenden Renovierungsarbeiten wurde die Stadt nun massiv zurückgeworfen. Ursprünglich war geplant, bis Mitte 2019 sieben neue 2- und 3-Zimmerwohnungen zu realisieren. Vorerst heisst es: Brandschutt entfernen, Trocknungsmassnahmen einleiten und ein Notdach erstellen. Wann sich die Bauarbeiter wieder an die Sanierung machen können, ist derzeit noch offen. Die bereits letzte ­Woche kommunizierte Schadenssumme von rund zwei ­Millionen Franken wird von der Gebäudeversicherung Bern getragen, wie Kurt Glanzmann ­mitteilte.

Viel Lob für die Feuerwehr

Das viel zitierte «Glück im Unglück» verdankten die Stadt Bern und der Denkmalschutz in erster Linie der Berufsfeuerwehr Bern. Deren stellvertretender Kommandant Martin Allenbach ­wurde von den anderen Rednern immer wieder gelobt. Brände zu bekämpfen in den ­engen Gassen der unteren Altstadt, sei immer schwierig, meinte dieser. Und: «Es waren sehr ­aufwendige Löscharbeiten.» Zu ­Gute kam den Feuerwehrleuten etwa, dass das Patriziergebäude ein Eckhaus war und die Einsatzkräfte mittels Autodrehleitern von drei Seiten her Zugang ­hatten. Dadurch war der Brand nach einer Stunde gelöscht.

Auch dass seine Leute bereits sieben Minuten nach dem Alarm vor Ort gewesen waren, betonte Allenbach. Zuerst sei er «geknickt» gewesen, als er von den wertvollen Malereien hörte. Als er am Tag nach dem Brand die Räumlichkeiten inspizierte und praktisch unbeschädigte Malereien vorfand, folgte die Erleichterung. Sofort habe er dem Denkmalpfleger ein Handyfoto davon geschickt. «Ja», lächelte Allenbach zum Schluss, «ein bisschen Freude habe ich schon.»

Berner Zeitung

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