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Mitten ins Herz geflattert

Dieser ganz spezielle Colibri aus Bern hat sein Herz am rechten Fleck. Und trägt es mitunter auch auf der Zunge: Das macht das neue Album des Quartetts sofort klar.

Das neue Album des Quartetts, das am Freitag im Café Mokka in Thun gastiert.
Das neue Album des Quartetts, das am Freitag im Café Mokka in Thun gastiert.
pd

Diese Band hat einen Vogel. Und zwar einen besonderen. Denn bekanntlich ist der Kolibri für so manchen Rekord verantwortlich.

Kein Vogel flattert schneller mit den Flügeln, keiner ist kleiner und leichter, kein Herz schlägt schneller als seines. Dieser ganz spezielle Colibri aus Bern hat sein Herz am rechten Fleck. Und trägt es mitunter auch auf der Zunge: Das macht das neue Album des Quartetts, das am Freitag im Café Mokka in Thun gastiert, sofort klar.

«Amore e Utopia» startet mit «Füfenünzg Prozänt» – und es ist kein Spoiler, wenn hier verraten wird, dass dies keine Hommage an mächtige Männer ist. Neben diesen «verblüeht sogar e Herbschtzytlose», singt Nicole Wiederkehr über jenes Geschlecht, das 95 Prozent des «Shit» auf der Welt verursacht. Die Forderung ist unmissverständlich: «Ruumet die Sässle u die Thrön!»

Wenn schon Machtstrukturen infrage gestellt werden, soll es auch verstanden werden, finden Wiederkehr, Patent-Ochsner-Gitarrist Disu Gmünder, Chrigu Rechsteiner und Rolf Huwyler.

Und begründen so, warum erstmals bei Colibri das Berndeutsche zum Einsatz kommt. Da gibt es auch mal Lokalkolorit, wenn im lüpfigen Highlight «Irgendwie nid» der Vollmond über Bern steht, Aare und Ingwerer fliessen, und auch ein «Schuttklub» Erwähnung findet, «wo ändlech Meischter wird».

Meisterhaft ist der Sound der Band, die einst als Los Hobos mit dem Geschichtenerzähler Timmermahn durch die Lande zog.

Einfallsreiche Arrangements und verspieltes Welt-musikflair treffen auf schwelgerisch folkige Klänge («Down the River»), schmissige Rhythmen und eine beschwingte Geige («Amore e Utopia») auf einen wunderbar einnehmenden Refrain («Don Quixote»). Das kommt bestimmt keinem Spanisch vor, auch wenn sich diverse Sprachen die Hand reichen, mitunter in einem einzigen Song. Fabulierlust pur.

«Amore e Utopia» ist jederzeit liebevoll (und leider wohl utopisch, wenn die erwähnten mächtigen Männer im Auftaktstück zum Fischen geschickt werden).

Dabei stehen Colibri im Gegensatz zum gleichnamigen Vogel nicht für Rekorde – bombastisches Brimborium und superlativheischendes Spektakel mögen in der Popmusikwelt andere bieten. Dafür flattern die Lieder auf «Amore e Utopia» auf direktem Weg ins Herz.

CD: Colibri «Amore e Utopia», Klang & Kleister/Irascible. Live: 24. Mai Café Bar Mokka Thun.

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