Mit Verspätung zum neuen Bahnhof

Am Bahnhof Thurnen warten die Leute nicht nur auf den Zug, sondern seit Jahren auf den Bahnhofumbau. Nun aber will die BLS die Station tatsächlich sanieren.

Der Bahnhof Thurnen soll bis Ende 2021 saniert werden.

Der Bahnhof Thurnen soll bis Ende 2021 saniert werden.

(Bild: Christian Pfander)

Johannes Reichen

Christian Kneubühl ist zurückhaltend, was Prognosen zum Umbau des Bahnhofs Thurnen anbelangt. «Wir haben viel erlebt mit der BLS», sagt der Mühlethurner SVP-Gemeindepräsident. «Aber jetzt sieht es doch danach aus, als ob sich die BLS dahintermachen würde.» Kneubühls Vorsicht ist gut begründet. Denn hätte die BLS in der Vergangenheit Wort gehalten, dann wäre der Bahnhof schon vor Jahren saniert worden.

Doch das ist er nicht. Stattdessen macht die Station Thurnen einen «provisorischen Eindruck», wie Kneubühl sagt. Nur noch ein Gleis führt durch den Bahnhof. Anstelle zurückgebauter Schienen durchziehen Schotterpisten das Areal mit dem auffälligen runden Wellblechdach. Aber dieser Zustand scheint nun tatsächlich bald der Vergangenheit anzugehören. 

Zwischen Anfang und Ende 2021, sagt BLS-Sprecher Stefan Dauner, soll der Umbau durchgeführt werden. Am Ende soll der Bahnhof Thurnen dem Behindertengleichstellungsgesetz entsprechen und mehr Sicherheit und Komfort bieten. 2022 sollen noch Abschlussarbeiten stattfinden. Das Unternehmen rechnet mit Kosten von 25 Millionen Franken.

Neue Kreuzungsstelle

So sehen die Pläne aus: Das denkmalgeschützte Bahnhofgebäude mit Wartsaal, Bistro und Wohnung sowie das runde Dach werden saniert. Das Perron wird breiter, länger und höher. Damit können die Fahrgäste ebenerdig ein- und aussteigen. Der frei stehende Güterschuppen und Teile der Verladerampe werden zurückgebaut. An dieser Stelle werden Park-and-Ride-Plätze und eine neue Buswendeschleife errichtet. Hinzu kommt ein neues Busperron direkt am Bahnhofdach.

Angrenzend an den Bahnhof in Richtung Burgistein baut die BLS eine rund 220 Meter lange Kreuzungsstelle. «Zusammen mit den Doppelspurausbauten Wabern–Kehrsatz-Nord und Thun-Lerchenfeld–Uetendorf wird uns diese Kreuzungsmöglichkeit helfen, die Anschlüsse in Thun und Bern einzuhalten», sagt Dauner. Das gelte insbesondere dann, wenn IC-Züge aufgrund von Störungen im Aaretal über das Gürbetal umgeleitet werden.

Direkt nach der Kreuzungsstelle entsteht ein Abstellgleis für Fahrzeuge der Bau- und Unterhaltsdienste. Solche Abstellgleise seien wichtig für die Unterhaltsteams. «Die Teams sind so schneller an Ort und Stelle und können effizienter arbeiten.»

Chronik der Verzögerung

Der Umbau kommt mit grosser Verzögerung. Bereits im Dezember 2010 hatten Verantwortliche der BLS an der Gemeindeversammlung die Sanierung angekündigt. Das Perron müsse auf 220 Meter ausgebaut werden, da ab 2013 längere Züge verkehrten, hiess es. Zudem würden zwei neue Perrons und eine Unterführung gebaut. Das Unternehmen rechnete mit vier Jahren bis zur Inbetriebnahme und Kosten von 23 Millionen Franken.

Nur: Bald darauf lautete die Schlagzeile in dieser Zeitung: «BLS will bauen – Gemeinde kanns kaum glauben». Denn gegenüber der Öffentlichkeit hielt die BLS zwar an den Umbauplänen fest. Doch der Gemeinderat klagte, die BLS wolle sich nicht festlegen, wie es weitergehe. Erst im Sommer 2012 schuf das Unternehmen Klarheit: Der Umbau verzögere sich, das Projekt werde abgespeckt. «Die Kommunikation gegenüber der Gemeinde war nicht ideal», gab ein Sprecher zu. Und nannte als neuen Termin 2017.

Daran mochte in Mühlethurnen allerdings kaum jemand mehr glauben. Stattdessen sah sich die Grüne Partei genötigt, auf ihrer Website ein Dossier «Bahnhof» aufzuschalten – samt umfassender Chronik der Verzögerungen und Verschleppungen. Noch heute findet man etwa ein «Infoblatt» der BLS aus dem Jahr 2014 zum Rückbau von Gleis 1. Darin heisst es, dass der Umbau 2018 abgeschlossen sein werde. Der vorläufig letzte Eintrag stammt vom September 2015 und nennt einen weiteren Zeitraum: 2020 bis 2023.

Schutz vor Hochwasser

Nun soll es gar noch schneller gehen. Gemeindepräsident Kneubühl hat die Pläne der BLS erfreut zur Kenntnis genommen. «Das ist eine gute Lösung.» Positiv gegenüber dem früheren Projekt sei der Verzicht auf den Holzverladeplatz. Das geplante Abstellgleis sei zwar ein Wermutstropfen für die Gemeinde, werde bezüglich Lärm aber sicher weniger problematisch sein als ein Holzverlad.

Offen sei noch, in welchem Umfang sich die Gemeinde am Umbau beteiligen werde, sagt Christian Kneubühl. Und auch ein Hochwasserschutzprojekt für den Mühlebach, der unter dem Bahnhof hindurchführt, müsse noch ausgearbeitet werden. In der Vergangenheit wurde der Bahnhofplatz von Mühlethurnen mehrmals überschwemmt.

Berner Zeitung

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