Zum Hauptinhalt springen

Mini-Männerhobby

Der Vater bastelt, der Sohn gewinnt. Und zwar oft. Sechsmal wurde Etienne Hofstetter Schweizer Meister im Slotcar. Nun wird der 18-Jährige von der Gemeinde Köniz geehrt.

Dominik Galliker
Dream-Team: Vater Daniel Hofstetter macht die Autos starttauglich, und Sohn Etienne gewinnt damit die Rennen. Gemeinsam sind sie jedes zweite Wochenende für das grosse Hobby mit den kleinen Autos auf Achse.
Dream-Team: Vater Daniel Hofstetter macht die Autos starttauglich, und Sohn Etienne gewinnt damit die Rennen. Gemeinsam sind sie jedes zweite Wochenende für das grosse Hobby mit den kleinen Autos auf Achse.

Im Grunde genommen rührte Etienne Hofstetter genau einen Finger, um sechsmal Schweizer Meister zu werden: seinen rechten Zeigefinger. Es sieht aus, als würde der 18-Jährige morsen. Der Finger springt auf und ab auf dem Handregler, auf dem kleinen Gaspedal für den kleinen Fiat Punto, der über die kleine Rennbahn schiesst. Gibt er zu viel Gas, fliegt das Auto aus der Bahn. Drückt er zu wenig, verliert er Zeit. Kein Schweizer beherrscht dieses Spiel so gut wie er: In den letzten drei Jahren dominierte Etienne Hofstetter die Slotcar-Meisterschaften und siegte jeweils in zwei Kategorien.

Am Donnerstag nun ehrt die Gemeinde Köniz ihn zusammen mit weiteren Sportlern für herausragende Leistungen. «Konzentration ist alles. Die Konstanz entscheidet», sagt Etienne Hofstetter. Sechs Sekunden braucht er für eine Runde. Sein Kopf folgt dem Auto, pendelt von rechts nach links, von links nach rechts, wie bei einem Tennismatch. Häufig sei nicht er es, der die schnellste Runde fahre, sagt Hofstetter. Doch seine Zeiten seien konstant, variierten nur um vier, fünf Prozent. In einem Meisterschaftsrennen über 24 Minuten mache das viel aus. In einem 8-Stunden-Team-Rennen sei es entscheidend.

Reifen schleifen

Die Gemeinde ehrt Hofstetter als Einzelsportler – sollte sie aber nicht. Denn die Erfolge gehen zur Hälfte auf das Konto von Vater Daniel. Sein Sohn ist der bessere Fahrer, er der bessere Bastler. Hat er als Anwalt Feierabend, wird er im Keller seines Hauses in Köniz zum Handwerker. Das ist Pflicht, will man auf diesem Niveau mitfahren.

Beispiel Chassis: Neu gekauft seien sie stets leicht krumm, sagt Daniel Hofstetter. Darum lege er sie auf eine Glasplatte, übergiesse sie mit heissem Wasser und lasse sie auskühlen. Wichtig seien auch die Pneus: Rund vier Stunden schleift Daniel Hofstetter an einem Paar, damit das Auto nicht über die Bahn eiert und optimale Bodenhaftung hat. «Ein Rennen», sagt er, «gewinnt man in den Kurven.»

Frontscheibe kaputt

Er könne sich noch gut erinnern an jene Weihnachten, als er seinem Sohn die erste Carrera-Rennbahn geschenkt habe. Im Franz Carl Weber gekauft. 7 Jahre alt war Etienne Hofstetter damals. Und begeistert. Mit 9,5 Jahren ging er mit seinem Vater zum ersten Mal an die Schweizer Meisterschaften nach Konolfingen. «Alle haben gelacht, als wir unsere Autos auspackten.»

Die Zeiten ändern sich. Der Lack an Etienne Hofstetters gelbem Fiat Punto hat mittlerweile schon einige Kratzer. Von der Frontscheibe fehlt ein Stück – das Resultat eines Abflugs in einer Steilwandkurve. Vater und Sohn fahren für Capital Slot Racing und trainieren im Verein SRCO, der in Gümligen eine Bahn besitzt. Zusammen sind die beiden während der Saison an jedem zweiten Wochenende in der ganzen Schweiz unterwegs, trainieren oder fahren Rennen, während die Mutter am Neuenburgersee oder am Lago Maggiore spazieren geht. «Es ist schön, dass wir über so viele Jahre hinweg ein gemeinsames Hobby haben», sagt Daniel Hofstetter.

Es könne sein, dass sein Sohn dereinst keine Lust mehr auf die kleinen Autos habe. Aber vorher hat Daniel Hofstetter noch ein Ziel: An einem internationalen Langstreckenrennen teilnehmen, in Italien oder Spanien. Zeigefinger, die auf- und abspringen. 24 Stunden lang.

Tag der offenen Tür: Gratis Plauschrennen im Clubhaus des SRCO, Hofackerweg 16a, Gümligen, Samstag, 13.9., ab 14 Uhr.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch