Meyer Burger sucht einen Retter

Thun

Das Geschäft des Solarunternehmens läuft enttäuschend. Der neue Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf erwägt nun ein Zusammengehen von Meyer Burger mit Partnerfirmen.

Präsident Remo Lütolf prüft «alle strategischen Optionen».

Präsident Remo Lütolf prüft «alle strategischen Optionen».

(Bild: PD)

Julian Witschi

Das Solarunternehmen Meyer Burger hat überraschend düstere Zahlen vorgelegt. Im ersten Halbjahr 2019 ist der Umsatz auf 122 Millionen Franken eingebrochen. Selbst wenn man das Ende April verkaufte Wafergeschäft herausrechnet, schrumpften die Erlöse gegenüber der Vorjahresperiode um 40 Prozent.

Trotz Einsparungen und Stellenabbau fiel die Thuner Gruppe im operativen Geschäft mit einem Minus von 14 Millionen Franken in die roten Zahlen zurück. Unter dem Strich steht zwar ein ausgeglichenes Ergebnis. Dies aber nur dank ausserordentlicher Einnahmen aus dem Verkauf des Wafergeschäfts an die amerikanische PSS.

Aktienkurs auf Rekordtief

An der Börse senkten einige Anleger den Daumen, weil sie beim Unternehmen nach sieben Jahren mit Verlusten immer mehr am Erfolg zweifeln. Der Aktienkurs von Meyer Burger fiel am Montag nach Bekanntgabe der Halbjahres-Eckwerte auf ein Rekordtief. Der Titel verlor bis zu 25 Prozent an Wert auf 31 Rappen. Am Abend betrug der Kursabschlag noch 15 Prozent.

«Enttäuscht von den Resultaten» ist auch der Chef von Meyer Burger, Hans Brändle. Allerdings sei mit der Lieferung neuester Technologie an das Solarunternehmen REC ein Durchbruch gelungen. Und ein nordamerikanisches Jungunternehmen habe einen Rahmenvertrag für die Solarzellenproduktion mit Anlagen von Meyer Burger unterzeichnet. Brändle erwartet daraus ein Auftragsvolumen von rund 100 Millionen Franken.

Der neue Verwaltungsratspräsident, der frühere ABB-Manager und Ruag-Präsident Remo Lütolf stellt trotzdem mit Blick auf das Halbjahresergebnis die Strategie von Meyer Burger infrage: «Für die Zukunft werden wir alle strategischen Optionen prüfen», erklärte er. Dazu gehörten Gespräche mit industriellen Partnern, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Detaillierter äussert er sich vorläufig nicht.

Im Raum steht ein Zusammenschluss mit dem Modulhersteller REC, wie die Zeitung «Finanz und Wirtschaft» kürzlich unter Berufung auf das Umfeld des Unternehmens und Aktionärskreise berichtete. REC sei schon länger Kunde, und Brändle habe die norwegische Firma, die in chinesischem Besitz ist, gegenüber dem Nachrichtenportal Bloomberg als «Traumpartnerin» bezeichnet. Daneben ist Meyer Burger im Frühling auch bereits eine Partnerschaft mit der englischen Oxford PV eingegangen für die Entwicklung von Solarzellen.

Solarindustrie in Thun lebt

Die Produktion in Thun hat Meyer Burger in mehreren Schritten bereits aufgegeben respektive ins Werk nach Ostdeutschland und zu chinesischen Auftragsfertigern verlagert. In Thun verblieben bis Mitte Jahr rund 100 Vollzeitstellen in Konzernfunktionen sowie in Forschung und Entwicklung. Der letzte Personalabbau ist aber noch nicht abgeschlossen, sodass die Zahl der Arbeitsplätze bis Ende Jahr nochmals etwas sinken dürfte.

Am Sitz von Meyer Burger wird aber weiterhin produziert: Die amerikanische PSS übernahm mit dem Wafergeschäft weltweit 100 Angestellte von Meyer Burger, davon 70 in Thun. Und 3S Solar Plus hat vor einem Jahr das Geschäft mit Solardach- und Fassadensystemen erworben und 32 Angestellte übernommen. Inzwischen sind es über 40, bis Ende Jahr voraussichtlich 45 Angestellte, wie es am Montag auf Anfrage hiess. Das vom Solarpionier Patrick Hofer-Noser geführte Unternehmen bekennt sich zum Standort Thun und hat eben erst den Mietvertrag im Industriegebäude von Meyer Burger um fünf Jahre verlängert.

Meyer Burger in Zahlen. (Bild: Medienmitteilung)

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