Meine private Velo-Offensive

Für die BZ-Sommerserie Stadt-Land schreiben drei Redaktorinnen über ihren Wohnort. Heute Mirjam Messerli über Hinterkappelen.

Nein, ich kaufe mir kein E-Bike. Nein, nein, nein. Dieses Mantra wiederhole ich bei jeder Pedalumdrehung, wenn auf meiner Velostrecke den Bremgartenwald hinauf ein Motörli-Angetriebener nach dem anderen an mir vorbeizischt. Oft ausgerüstet mit Leuchtweste, manchmal gar mit Schutzbrille. Der Fahrtwind, der Fahrtwind.

Ich komme nicht umhin, ob diesem Tempo etwas neidisch zu werden. Kaum habe ich aber meine Flughöhe kurz vor der Länggasse erreicht, rufe ich meinem inneren Schweinehund zu: Da siehst du mal, wie parat ich bin, du alter Jammeri.

Ein grosser Vorteil an meinem Wohnort in der Agglo ist, dass ich mit eigener Muskelkraft an meinen Arbeitsort gelangen kann. Ein Abo im Fitnessclub brauche ich auch nicht. Eigentlich müsste meine Krankenkasse den Unterhalt für mein Velo übernehmen. Wenn ich ins Büro komme, bin ich wach. Fahre ich abends daheim vor, habe ich den Alltagsstress hinter mir gelassen. Unterwegs begegne ich Rehen und Eichhörnchen, höre Vögel zwitschern und halte manchmal einfach kurz an, weil die Stimmung am Wohlensee so zauberhaft ist.

Zugegeben, manchmal überzeugt mich auch der Schweinehund, und meine private Velo­offensive gerät ins Stocken. Dann spaziere ich zur Haltestelle und nehme eines der Poschis, die bei uns alle paar Minuten fahren. ­Agglo halt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt