«Mein Traum ist es, für YB zu spielen»

Ostermundigen

Am nächsten Wochenende findet das grösste Mädchen-Fussballturnier der Schweiz mit insgesamt 600 Spielerinnen statt. Drei Juniorinnen vom FC Ostermundigen erzählen von ihrer Leidenschaft für die Sportart.

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Annic Berset

Die Stulpen sitzen, das Leibchen ist glattgestrichen, die Schuhe fest geschnürt. Die drei Mädchen haben sich für das Foto aufgereiht. Ihnen sind der Stolz und die Leidenschaft anzumerken, die sie für ihre Sportart verspüren. Fussball – und nichts anderes.

«Ich mache noch ein bisschen Geräteturnen, aber damit höre ich bald auf, wenn ich dreimal pro Woche ins Training gehe», sagt die 9-jährige Anna Goldschmid, deren grosser Traum es ist, für die YB-Frauen aufzulaufen.

Und auch für die 12-jährige Anahi Scherler und die bald 13-jährige Mina Vögele kommt keine andere Sportart infrage. «Ich habe in Kanada gewohnt, wo der Mädchenfussball viel verbreiteter war als hier, dort habe ich angefangen zu spielen», erklärt Letztere.

Anna, die oft mit ihrem Bruder spielt, und Anahi, deren ganze Familie fussballbegeistert ist, waren beide in einem FCO-Schnuppertraining und sind gleich geblieben.

Rasanter Anstieg

Die drei stehen stellvertretend für die vielen Mädchen und jungen Frauen, die beim FC Ostermundigen kicken – und deren Zahl in den letzten Jahren rasant in die Höhe gegangen ist. Der FCO hat aktuell zwei Frauen- und sieben Juniorinnenteams. Ausserdem gibt es bei den ganz jungen Spielerinnen auch schon Mädchenteams. Und solche gibt es beim Verein nicht erst seit kurzem. Schon vor über 35 Jahren stellte der FCO ein reines Frauenteam.

Zusammen mit Worb ist es der einzige Verein in der Region Bern, der sogar mehrere Juniorinnenteams in allen Altersstufen hat. In vielen anderen Vereinen beginnen die Mädchen mit den Buben zusammen, Fussball zu spielen. Dieses Wochenende treten Anna, Mina und Anahi am zweiten Swiss Girls Cup an, dem grössten Mädchen-Fussballturnier der Schweiz.

Am Samstag und Sonntag spielen 58 Teams, sprich 600 Fussballerinnen zwischen 7 und 15 Jahren, aus der ganzen Schweiz, aus Frankreich, Deutschland und Schweden in drei verschiedenen Alterskategorien gegeneinander.

Mehr Spass ohne Buben

Die drei fussballbegeisterten Mädchen freuen sich auf das Turnier. Und sie sind sich einig: In einem gemischten Team zu spielen, würde weit weniger Spass machen. «Es wäre ähnlich wie in der Schule, wenn wir mit den Jungs spielen und nur selten einen Pass bekommen oder sie uns sagen, dass wir weniger gut sind als sie», stellt Anna fest, die anderen beiden pflichten ihr nickend bei.

Tatsächlich machen alle drei immer wieder Erfahrungen damit, dass der Fussball nach wie vor nicht unbedingt als Sport für Mädchen angesehen wird. «Leider», sagt auch Sacha Meister vom FCO, der das Turnier ins Leben gerufen hat.

Zusammen gut sein

Weil es im Kanton Bern nur wenige Juniorinnenteams gibt, treten die jungen Mädchen in der Meisterschaft gegen Buben an. «Es kommt ab und zu vor, dass sie uns unterschätzen», sagt Anahi. Sie seien dann umso enttäuschter, wenn sie verlieren, fügt sie mit einem fast entschuldigenden Lächeln hinzu.

Besonders schätzen sie den Zusammenhalt untereinander. «Wir sind Freundinnen und wollen zusammen gut sein und Spass haben und nicht unbedingt als Einzelpersonen», sagt Mina. Und unterstreicht diese Aussage mit einem Beispiel. In den fünf Jahren, in denen sie Fussball spiele, habe sie noch kein einziges Tor erzielt – schliesslich spiele sie in der Verteidigung. «Aber das macht mir nichts aus, ich freue mich für die anderen.»

www.swiss-girls-cup.ch

Berner Zeitung

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