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Mehr Angst vor Hunden als vor Wolf

An einem Informationsabend wurde klar: Das Wolfspärchen im Gantrischgebiet sorgt für ­weniger Ärger als die Herdenschutzhunde.

Der Wolf ist scheu: Obwohl er sich zunehmend in der Nähe des Menschen bewegt, wurden in den letzten Jahren keine Angriffe bekannt.
Der Wolf ist scheu: Obwohl er sich zunehmend in der Nähe des Menschen bewegt, wurden in den letzten Jahren keine Angriffe bekannt.
Fotolia

«Der Wolf ist da. Ein hundertprozentiger Schutz ist unmöglich, die Präsenz des Wolfs erfordert aber Schutzmassnahmen.» Das sagt der Herdenschutzverantwortliche Martin Jutzeler am Informationsabend über den Wolf in Schwarzenburg. Und räumt ein, dass Schutzmassnahmen auch Probleme mit sich bringen.

Zum Beispiel die Herdenschutzhunde: Sie bellen, sie machen Wanderern Angst, attackieren. «Wenn das passiert, werden diese Hunde aus dem Programm genommen», versichert Jutzeler. Aus dem Saal schlägt ihm Widerspruch entgegen. Zahlreiche Leute berichten von Problemen mit Her­denschutzhunden.

So seien im ­Simmental Rinder von Hunden angegriffen worden, nicht von Wölfen, sagt einer. «Man muss vor den Hunden mehr Angst haben als vor den Wölfen», sagt jemand. Das Problem mit diesen Hunden werde nicht ernst genommen, ruft ein Mann. Jutzeler verspricht, diesen Schwierigkeiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bis anhin.

Vier Wolfsexperten

Gleich zu Beginn der Veranstaltung hatte Jagdinspektor Niklaus Blatter erklärt: «Wir sind nicht hier, um Wolfsgegner zu Wolf­s­freunden zu machen.» Die Ver­anstaltung sei eine Information über den Wolf und keine Po­diumsdiskussion. Fragen könnten nach den Referaten gestellt werden. Im Saal sitzen über 200 Personen.

Claudio Spadin, Wildhüter aus Graubünden, berichtet über das achtköpfige Wolfsrudel im Calandatal, Einwanderer aus Italien. Spadin erzählt von Begegnungen mit den Tieren, zeigt Fotos und erklärt, wie Wölfe als solche erkannt werden könnten: an den Spuren im Schnee, an den durchgebissenen Röhrenknochen ihrer Beute, am Kot.

Der Wolf gewöhnt sich an die Menschen und bewegt sich zunehmend in deren Nähe. Deshalb warnt Spadin davor, in Wolfsgebieten Abfälle und Futternäpfe draussen stehen zu lassen oder die Tiere gar anzufüttern. Er gibt aber auch Entwarnung und betont, dass es in den letzten Jahren keine Angriffe auf Menschen oder Hunde gegeben habe. Denn der Wolf ist scheu.

Ausdauernde Wanderer

Ralph Manz von Kora (Raubtierökologie und Wildtiermanagement in der Schweiz) erläutert die Biologie des Wolfs und wo sich wie viele Tiere aufhalten — beispielsweise im Gantrischgebiet, wo das Wolfspärchen M64 und F13 lebt. Es ist schwierig, die Tiere zu überwachen, da sie nicht nur ein Gebiet von bis zu 250 Quadratkilometer bewohnen, sondern auch lange Wanderungen unternehmen.

«95 Prozent der Nahrung eines Wolfs besteht aus Rehen, Hirschen, Gemsen und anderen Wildtieren», erklärt Manz. Nur: Von 1999 bis 2016 wurden in der Schweiz 3057 Nutztiere gerissen. Diese Zahl löst Fragen aus: Was kostet die Überwachung des Wolfs? Was tut er, wenn keine Nutztiere auf den Alpen sind? Manz sagt, dass der Wolf sich dann von Wild ernähre, dessen Bestand hoch sei. Aber auch Wölfe gibt es mittlerweile einige. 2016 waren es 40 Tiere. Der Wolf ist da.

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