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Magische acht Takte

Das Berner Symphonieorchester und der Chor Konzert Theater Bern ziert die Karwoche mit MozartsRequiem. Kombiniert mit Strauss’ «Metamorphosen»: ein sinnliches Erlebnis.

Dirigiert auch heute Abend Mozarts Requiem: Mario Venzago.
Dirigiert auch heute Abend Mozarts Requiem: Mario Venzago.
zvg

So viele Stühle wie Notenpulte stehen auf der Bühne bereit – da sind welche überzählig, könnte man meinen. Richard Strauss komponierte seine «Metamorphosen» für 23 Solostreicher. Der Klang dieses Ensembles erinnert an ein 23-stimmiges Streichquartett – das ist etwas Besonderes.

Klingende Metamorphose

Hier spielt sich wahrlich eine klingende Metamorphose ab. Keine Raupe, die sich in einen bunten Schmetterling verwandelt, sondern es ist ein Verarbeitungsprozess von Entrüstung, eine ­Bestandsaufnahme einer Welt, die nie mehr so sein wird, wie sie einmal war.

Chefdirigent Mario Venzago zieht aus dem vollen Streicherklang einzelne Soli in den Vordergrund, die sich in diese unendliche Melodie einbetten. Wie Erinnerungen aus früheren Zeiten muten diese Phrasen an und ­verdeutlichen das Ringen mit dem inneren Frieden. Stille. Was hallt nach? Das Kopfthema des Trauermarsches aus Beethovens ­«Eroica».

Seltene Fassung

Im zweiten Teil widmet sich Venzago dem Requiem in d-Moll KV 626 von Mozart. Die Berner hören es immer wieder gerne, im Kultur-Casino gibt es an diesem Donnerstag nur wenige freie Plätze. Diese magischen acht Takte zu Beginn des Lacrimosa, die das Blut in den Adern einfrieren, machen süchtig.

Venzago dirigiert mit der Fassung von Robert D. Levin (1991) eine eher selten gespielte Vervollständigung dieses Werktorsos – mit einer Amenfuge, die an das Lacrimosa anschliesst, und kleinen Änderungen in der Instrumentierung. Der Chor Konzert Theater Bern zeigt sich agil und würdigt die Macht dieses Werkes mit offenem Klang (Einstudierung: Zsolt Czetner), überdeckt manchmal beinahe den gross besetzten Streicherapparat.

Das Solistenquartett mit Sophie Gordeladze, Eleonora Vacchi, Uwe Stickert und Carl Rumstadt, allesamt Ensemblemitglieder von Konzert Theater Bern, interpretiert die Ariosi des Benedictus mit hin­gebungsvollem, erzählerischem Duktus. Venzago erarbeitet die inhaltlich zentralen Stellen mit scharfer Nuancierung, denn diese Musik hat etwas zu sagen: «qui tollis peccata mundi, dona eis ­requiem» – gib ihnen, den ewigen Sünden dieser Welt, ewigen ­Frieden.

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