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Leben kommt unter die Betonbrücke

Städtebaulich nimmt der Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Europaplatz Konturen an. Mit dem gestrigen Spatenstich der 75-Millionen-Überbauung mit Mehrfachnutzung erhalten Brünnen und Wankdorf Konkurrenz. Weltweit einmalig entsteht hier das Haus der Religionen, welches allen Weltreligionen ein Dach bietet.

Grün ist die Hoffnung, und mit Spaten in dieser Farbe wurde gestern am Europaplatz fleissig geschaufelt. Mit von der Partie waren Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, der Landeskirchen sowie von Stadt und Kanton Bern.
Grün ist die Hoffnung, und mit Spaten in dieser Farbe wurde gestern am Europaplatz fleissig geschaufelt. Mit von der Partie waren Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, der Landeskirchen sowie von Stadt und Kanton Bern.
Keystone

Was lange als Hirngespinst galt, ist gestern der Umsetzung einen Schritt näher gekommen. Nach zehnjähriger hartnäckiger Vorarbeit erfolgte gestern Abend der Spatenstich am Europaplatz für die Grossüberbauung der Firma Halter Entwicklungen AG und damit der Auftakt zur Realisierung des Hauses der Religionen. Geld und Geist unter einen Hut zu bringen, entpuppte sich als wahrer Balanceakt.

Zwischen Geld und Geist

Dass auch der Verwaltungsratspräsident eines Bauunternehmens auf spirituelle Ansprüche Rücksicht nimmt, ist beachtenswert. Für Balz Halter sind physische Orte, wo man zu Hause ist und die Heimat bedeuteten, wichtig. Solche Orte zu schaffen, sei eine Herausforderung. «Wir stehen dabei immer in einem komplexen Spannungsfeld zwischen verschiedenen Anspruchgruppen», so Halter. Die atemberaubenden Entwicklungen im digitalen Zeitalter, wo alle rund um die Welt und rund um die Uhr erreichbar sind, würde die Welt noch nicht zum Dorf machen. Auch Projektleiter Andreas Campi von der Halter AG stellte die ideellen Facetten in den Vordergrund und zitierte den Philosophen Hans Saner: «Wer Demokratie als Wert begreift, ist geradezu verpflichtet, radikale Vielfalt nicht bloss zu konstatieren, sondern auch anzuerkennen und zu verteidigen.»

Für die Finanzierung des HdR zeichnet die Stiftung Europaplatz – Haus der Religionen verantwortlich. Die Beschaffung der nötigen zehn Millionen Franken war nervenaufreibend, wie aus den Worten des Stiftungsratspräsidenten Guido Albisetti hervorgeht. «Den Satz: ‹Wer versucht, aus Visionen Realitäten zu machen, hat gute Chancen, beim Psychiater zu landen›, würde ich voll unterschreiben», räumte er an der gestrigen Medienkonferenz ein. Er habe eine «grosse Frustrationstoleranz» entwickeln müssen.

Unterschiedlichste Interessen

Am Projekt Haus der Religionen wirken viele Parteien mit: von der Bauherrschaft, den religiösen Gemeinschaften, den möglichen Geldgebern, den Behörden bis zur Nachbarschaft. In der Öffentlichkeit hatte und hat das Haus der Religionen Gegenwind: «Immer wieder wurden wir als Gutmenschen tituliert, die der Realität nicht ins Auge blicken wollen», sagte Albisetti gestern.

Kompromisse auf allen Seiten

Neben dem Haus der Religionen umfasst die Überbauung 88 Wohnungen, einen Coop, einen Denner sowie Restaurationsbetriebe. «Bei der Erarbeitung der Pläne hatten wir harte Diskussionen», hielt Stefan Graf vom Architekturbüro Bauart fest. «Alle Seiten sind jedoch Kompromisse eingegangen, und diese Bereitschaft hat letztlich zur Realisierung dieses ungewöhnlichen Projektes beigetragen.»

«Das Projekt passt zu Bern»

Die höchste Bernerin, Stadtrats-präsidentin Ursula Marti, taxierte den künftigen Europaplatz als attraktiven, urbanen Ort und wichtiges Verbindungsglied zwischen dem Stadtkern und Bern-West. Die neue Überbauung übernehme die Schlüsselfunktion des Entwicklungsschwerpunkts Europaplatz. «Das Projekt passt zu Bern», so Marti, «Partizipation und Dialog haben bei uns eine lange Tradition, Kultur und Integration einen hohen Stellenwert.» Grossratspräsidentin Theres Rufer pflichtete bei, dass gerade in der heutigen Zeit zunehmender kultureller Spannungen dieses Projekt ein Modell werden soll für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Trotz Spatenstich sind die Vorarbeiten noch nicht beendet. Im Haus der Religionen selbst sind nach langen Verhandlungen die Flächen und Grundrisse festgelegt, die Innengestaltung jedoch steht noch am Anfang. Die Einrichtung der Kultusräume ist Sache der Religionsgemeinschaften, und die Einrichtung von Haupthalle, Ausstellungswänden, Seminarräumen und der Cafeteria ist erst angedacht. Bis zur Schlüsselübergabe am 1.November 2014 soll jedoch alles realisiert sein. «Wir sind im Zeitplan», betonte Albisetti.

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