Krähen sind zu schlau für die Falken

Merlach

Krähen sind nicht nur intelligent, sie können auch ganz schön lärmige Nachbarn sein. Mithilfe eines Falkners möchte Merlach nun eine 400-köpfige Kolonie aus dem Chatoneypark vertreiben.

Berta hebt ab: Die Gemeinde Merlach will mit dem Einsatz von Falken gegen die Krähenplage vorgehen – ob das etwas bringt, ist indes umstritten.

Berta hebt ab: Die Gemeinde Merlach will mit dem Einsatz von Falken gegen die Krähenplage vorgehen – ob das etwas bringt, ist indes umstritten.

(Bild: Charles Ellena)

Im Merlacher Chatoneypark geht es laut zu und her: Seit Jahr­zehnten hat eine Saatkrähen­kolonie das Gelände am Murtensee als ihr Zuhause auserkoren. Dass die Lebensweise von Rabenvögeln oft sehr lärmig ist, sorgt für Unmut, da die Tiere wie in Merlach gern in Pärken und Wohnquartieren nisten. «Es gab in den letzten Jahren vermehrt Reklamationen», sagt Gemeindepräsidentin Josiane Zeyer.

Mittlerweile ist der Bestand auf schätzungsweise 300 bis 400 Tiere angewachsen. Deshalb will der Gemeinderat den Krähen nun mithilfe eines Falkners zu Leibe rücken. Mitte November hat Ulrich Lüthi aus Kriechenwil seine Tätigkeit aufgenommen.

Offenbar bereits mit sichtlichem Erfolg: Bei seinem Einsatz letzte Woche war es ungewohnt still im Chatoneypark. «Die Krähen kennen schon mein Auto», lacht Lüthi. «Sagenhaft. Daran merkt man nur, wie intelligent sie sind.»

Falkendame Berta nimmt nun auf dem Sitzbalken Platz. Lüthi entfernt sich 40 Meter von ihr und hebt die Hand: das Zeichen, dass sie an der sogenannten Lockleine quer über den Rasen losfliegen soll.

An der Lockleine: Ulrich Lüthi probt mit seinem Greifvogel den Anflug – Lüthi selbst hat vor 15 Jahren mit der Falknerei angefangen. Bild: Charles Ellena

Sicher landet der 1,3 Kilo schwere Vogel auf Lüthis von einem dicken Lederhandschuh geschützten Faust. Die gleiche Prozedur wiederholt er noch mit einem weiteren Falken und mit zwei Bussarden.

«Die Präsenz der Greifvögel genügt schon dafür, die Krähen zu vergrämen.»Ulrich Lüthi

In Richtung Krähenkolonie schickt Lüthi keinen der Vögel. «Die Präsenz der Greifvögel genügt schon dafür, die Krähen zu vergrämen.» Sie sind die natür­lichen Fressfeinde der Krähen, und gelten als potenzielle Gefahr.

Lüthi hat vor 15 Jahren mit der Falknerei angefangen. Heute lebt er neben seiner Tätigkeit als Heilmedium und Coach davon. Seit zwei Jahren setzt er seine Greifvögel zur Vergrämung von Krähen und Tauben ein.

Erste Er­folge verzeichnete Lüthi bereits in Thun und Münsingen. Nach einer zufälligen Begegnung mit einem Merlacher Gemeinderat kam die Idee auf, es auch in Merlach mit einer Vergrämungs­aktion zu versuchen.

Skeptischer Wildhüter

Der Wildhüter des Seebezirks ­Elmar Bürgy zeigt sich skeptisch. «Das Problem wird nur verlagert», sagt er. Weit weg würden die Krähen nicht ziehen. «Ich kenne die Kolonie seit über 25 Jahren, ihre Fressplätze geben die Vögel nicht so schnell auf.»

Neue Schlafplätze würden sie voraussichtlich in einem nahe­ gelegenen Wohnquartier suchen, wo sie sich vor dem Greifvogel geschützt fühlen. «Eine ähnliche Erfahrung haben wir schon in Muntelier gemacht.»

Dass sie Lüthi wie vorgesehen Richtung Chablais oder Grengwald vertreiben kann, sieht er als wenig realistisch an: «Das ist zu weit weg. Ausserdem leben dort wilde Greifvögel. Das ist zu un­sicher für die Krähen.»

Die Nester entfernen

Tatsächlich: Einige Tage später sind die Krähen ganz in der Nähe aktiv, lautes Gekrächze ist in der Bubenbergstrasse zu hören. Wenig später ziehen die heimatlos wirkenden Tiere zum Schwimmbadparkplatz direkt neben dem Chatoneypark weiter, und tags darauf haben sie gar ihr altes Domizil zurückerobert. Ob das Problem so gelöst werden kann?

«In diesem Januar werden wir im Gemeinderat besprechen, wie es in Zukunft weitergehen soll» , sagt Gemeindepräsidentin Josiane Zeyer.

Eine weitere Massnahme sei schon geplant: Im Februar sollen die Nester aus den Bäumen entfernt werden. Damit möchte die Gemeinde dem Brüten der Tiere entgegenwirken. Falkner Lüthi seinerseits ist noch bis zum 9. Januar im Einsatz.

Freiburger Nachrichten

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