«Konsterniert und irritiert» wegen Vergabe der Rad-WM nach Zürich

Bern

«Mit grossem Bedauern» nimmt der Gemeinderat zur Kenntnis, dass die Rad-WM 2024 nicht in Bern,sondern in Zürich stattfindet. Sicherheitsdirektor Reto Nause äussert sich zudem irritiert über gewisse Verflechtungen.

Die Berner Stadtregierung bedauert die Vergabe der Rad-WM nach Zürich.<p class='credit'>(Bild: Nicola Pitaro)</p>

Die Berner Stadtregierung bedauert die Vergabe der Rad-WM nach Zürich.

(Bild: Nicola Pitaro)

Christoph Hämmann

Zürich also, nicht Bern: Swiss Cycling teilte am Donnerstag mit, dass die Rad-WM 2024 nach Zürich vergeben worden ist. Die Wahl sei dem Vorstand schwergefallen. «Der Vergleich zwischen den Kandidaturen aus Bern und Zürich ist einer auf höchstem Niveau gewesen.»

Berns Stadtregierung reagierte «mit grossem Bedauern». ­­Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP), unter dessen Führung die Berner Kandidatur entwickelt wurde, zweifelt nicht daran, dass Zürich «einen attraktiven Event organisieren wird», wie er auf Anfrage sagte. «Ich gratuliere der Stadt Zürich und wünsche ihr eine gute WM.»

Bern prüft Alternativen

Gegenüber Swiss Cycling und dessen Vorstandsentscheid leistete sich Nause aber einige Spitzen. Die Begründung, die man ihm gegeben habe, spreche Bände. «Wenn es offenbar nur darum gegangen ist, welche Kandidatur mehr Geld beschaffen kann, dann hätte man uns dies frühzeitig mitteilen können.»

Die Kritik am Berner Dossier, die der «Bund» am Donnerstag gestützt auf anonyme Quellen verbreitete, hält Nause nicht für plausibel. Laut dem Artikel war Zürichs Kandidatur nicht nur finanzkräftiger, die Stadt habe auch besser lobbyiert, während Berns OK um Koordinator Fränk Hofer mit «ungenügendem Vortrag und Management» gepatzt habe. «So etwas habe ich nie gehört», widerspricht Nause. «Unsere Kandidatur ging reibungslos durch alle politischen Instanzen, ohne ein einziges Stolpern. Hätte sie Schwächen gehabt, wäre dies anders gewesen.»

Angefressen reagierte der enttäuschte Nause auf die Frage, wie er die Tatsache einschätze, dass im Zürcher Dossier sowohl Swiss-Cycling-Sportdirektor Thomas Peter als auch Vorstandsmitglied Olivier Senn als Berater der Siegerkandidatur auftreten. «Solche Verflechtungen finde ich irritierend», so Nause, der dies ansonsten nicht weiter kommentieren will.

«Konsterniert» sei er mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Swiss Cycling aber durchaus. «Vor drei Jahren diskutierten wir mit dem Direktor von Swiss Cycling die Möglichkeiten einer Rad-WM in der Schweiz, zwei Wochen später erklärte die Stadtregierung ihre Motivation dafür. Da war es irritierend, im Nachgang zu erfahren, dass nun auch Zürich noch eine Kandidatur anmeldet.»

Schliesslich blickte Nause noch nach vorn, erklärte, man werde nicht allzu lange enttäuscht sein. «Wir haben ein perfektes Dossier mit einer attraktiven Strecke. Wir werden deshalb Varianten prüfen, wie sich die bisherigen Vorinvestitionen mit anderen, ebenfalls nachhaltigen Events in Wert setzen lassen.» Mit Mountainbike- oder Radquer-Veranstaltungen habe man in den letzten Jahren erfolgreiche Partnerschaften geknüpft, auf denen sich aufbauen lasse. Gekostet hat die Kandidatur für die Rad-WM 2024 die Stadt 100000 Franken.

«Kein alleiniges Kriterium»

Laut Swiss-Cycling-Geschäftsführer Markus Pfisterer verlief die Ausmarchung zwischen den beiden Kandidaturen «fair und objektiv». Olivier Senn sei dabei in den Ausstand getreten. Swiss Cycling habe beide Städte beraten, hält Pfisterer fest. «Bern hätte das auch in sein Dossier schreiben können.» Das Projekt einer Schweizer Strassen-WM ist laut Pfisterer seit bald acht Jahren in die Eventstrategie von Swiss Cycling eingebettet. «Als das Projekt vor rund drei Jahren konkret wurde, gingen wir auf verschiedene Städte zu, darunter Bern und Zürich.»

Es habe «kein alleiniges ausschlaggebendes Kriterium» gegeben, das am Ende für Zürich gesprochen habe, betont Pfisterer – «auch die Finanzkraft nicht, obwohl Zürich tatsächlich mehr Projekte aufzeigen konnte, die über den Event hinaus das Radfahren fördern sollen». In der entscheidenden Sitzung seien 16 Kriterien besprochen und von jedem Vorstandsmitglied einzeln bewertet worden. «Am Ende gab das höhere Punktetotal den Ausschlag für Zürich.»

Berner Zeitung

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