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Könizer Alt-Gemeinderat plädiert für eine Fusion im grossen Rahmen

Dass Köniz in Sachen Fusion abseits stehe, sei falsch, so Lienhard Ochsner.

Lienhard Ochsner und Annemarie Berlinger.
Lienhard Ochsner und Annemarie Berlinger.
skk/rot

Er ist in Köniz aufgewachsen, hat hier auch 55 seiner 67 Jahre gelebt. Als nebenamtlicher Gemeinderat prägte er um 1990 die Politik der Gemeinde vor den Toren der Stadt Bern mit – und bezieht nun eine Haltung, die jener der heutigen Exekutive widerspricht. Lienhard Ochsner, SP-Mitglied und pensionierter Staatsanwalt des Bundes, hält seinen Nachnachfolgern entgegen: Dass Köniz bei den aktuellen, von Ostermundigen angestossenen Diskussionen über ein Zusammenrücken oder gar eine Grossfusion im Raum Bern nicht mitmacht, sei falsch.

Vor Wochenfrist erläuterte Annemarie Berlinger, ebenfalls SP-Mitglied und aktuelle Gemeindepräsidentin von Köniz, im Interview das Nein des Kollegiums. Sie erinnerte daran, dass die Gemeinde mit 42'500 Einwohnern in der Rangliste der Schweizer Gemeinden immerhin Platz 13 einnimmt. Stellte weiter infrage, ob grösser auch immer besser sei, wo doch die Könizer Verwaltung professionell und bürgernah unterwegs sei. Und schloss: Fusionen hätten Erfolg, wenn sie Probleme lösten. Für Köniz sehe sie keinen Gewinn.

Stärkerer Wirtschaftsmotor

Bliebe der Gewinn tatsächlich aus? Ochsner widerspricht. «Es gibt den gewichtigen raumordnungs- und wirtschaftspolitischen Aspekt, der einen Blick über die Gemeindegrenzen aufdrängt», hält er in einer Zuschrift fest. Und schiebt gleich zum ersten Punkt nach: Planerisch würde es sich auf alle Fälle lohnen, viel grossflächiger zu denken als heute. Am besten in einem Gebiet, das auch Gemeinden wie Muri, Ittigen oder Zollikofen umfasse, auch wenn diese genauso abseits stünden.

Ein Beispiel gefällig? Auf Könizer Boden gebe es gut erschlossene Gebiete, die deutlich zentrumsnäher lägen als manche Ecke in der Stadt Bern, so Ochsner. Als Beispiel nennt er das Morillonareal in Wabern oder das Blinzernplateau im Spiegel, wo Wohnbauten denkbar wären. Eine ähnlich grosszügige Sichtweise würde sich, wie er weiter ausführt, auch im ökonomischen Bereich lohnen. Wieder bringt er ein Beispiel, diesmal den Umzug von Swisscom Mobile von Ostermundigen nach Köniz vor 13 Jahren: «Während der eine SP-Gemeindepräsident» – jener in Ostermundigen – «die Fahnen auf halbmast setzte, konnte der andere SP-Gemeindepräsident» – jener in Köniz – «dies als Erfolg kommunaler Wirtschaftsförderung feiern. Unter dem Strich blieb in der Stadtregion aber alles beim Alten.»

Ochsner kommt zu einer seiner Kernaussagen: Wenn die Gemeindegrenzen fallen, geht mit solchen Nullsummenspielen keine Energie mehr verloren. Die Region Bern wird gestärkt und kann ihre Rolle als kantonaler Wirtschaftsmotor noch weit besser spielen als heute. «Im Wettbewerb unter den Kantonen ist das immer wichtiger.» Sonst laufe Bern Gefahr, noch weiter abgehängt zu werden.

Besseres Verständnis

Vom engeren Zusammenrücken verspricht sich Ochsner auch ein besseres Verständnis von Stadt und Land. Wieder blickt er über die Kantonsgrenzen hinaus, rechnet vor, dass in Zürich ein knappes Drittel der Kantonsbevölkerung in der Stadt lebt, in Bern dagegen nur ein knappes Sechstel. Wenn der Anteil der Stadtbevölkerung auch in Bern grösser werde, trage das zu einem harmonischeren Nebeneinander von Stadt und Land bei.

Das gegenseitige Verständnis wachse – so wie das Land den wirtschaftlichen Nutzen der Agglomeration anerkenne, wisse die Agglomeration die identitätsstiftenden Schönheiten des Landes zu schätzen. Und mit einem neuerlichen Blick nach Zürich: «Aus der Fernsicht ist man geneigt zu sagen, dort sei das Verhältnis zwischen Stadt und Land harmonischer.»

Könizer Identität?

Das kommt nicht von ungefähr. Ochsner geht davon aus, dass sich mit einer Grossfusion auch die politischen Kräfteverhältnisse verschieben werden. Wenn über die angeschlossenen Gemeinden eine ländlicher geprägte Bevölkerung zur Stadt stosse, gewinne das konservativ-bürgerliche Denken automatisch an Boden. Die pointiert linken Positionen in der städtischen Politik wären dann Geschichte.

Ob bei alledem nicht die Identität, die Verwurzelung auf der Strecke bleibt? Er habe sich zeitlebens «als typischen Agglomeratiönler» verstanden, erwidert Ochsner, eine Könizer Identität im engeren Sinn gebe es gar nicht. In seiner Jugend in Sichtweite der Stadtgrenze sei er, wenn schon, «der Hessgiel im Liebefeld» gewesen. Auf die Frage nach seinem Wohnort habe er stets mit «in Bern» geantwortet, und er habe sich auch immer «mit der Stadt und deren Leuchttürmen» identifiziert. Im Winter etwa mit dem SCB.

Die Agglomeration hat Ochsner übrigens vor kurzem in Richtung Oberland verlassen, wo sein Grossvater zu Hause war. Mitglied der Könizer SP ist er aber nach wie vor, und er gehört auch dem Verein «Bern neu gründen» an, der den Fusionsgedanken im Grossraum Bern vorantreibt.

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