Gezerre um die gemeinsame Schule

Thörishaus

Die Schulanlage Stucki erhält so rasch keine neue Küche. Köniz und Neuenegg feilschen nach wie vor um einen Vertrag, der Köniz das Miteigentum an den beiden Schulhäusern im Dorf sichert.

<b>Die Schulanlage Stucki</b> in Thörishaus.

Die Schulanlage Stucki in Thörishaus.

(Bild: Screenshot/Google Streetview)

Stephan Künzi

Das Thema kommt vor dem Ortsverein Thörishaus Jahr für Jahr zur Sprache. Und Jahr für Jahr heisst es, die Behörden von Köniz und Neuenegg seien miteinander im Gespräch. Doch Jahr für Jahr stellen die versammelten Mitglieder konsterniert fest: Es hat sich nichts getan.

Das war auch heuer wieder so, obwohl Christian Burren als Vertreter des Könizer Gemeinderates kurzfristig Hoffnung aufkeimen liess. Für Köniz sei der Vertrag über die gemeinsame Schule in Thörishaus so weit bereinigt und könnte unterzeichnet werden, führte der SVP-Politiker aus.

Für die Anwesenden tönte dies insofern gut, als sie sich für die Schulanlage Stucki mit der für das Dorf so wichtigen Aula schon lange eine neue Küche wünschen. Herd, Kühlschrank und Abwaschmaschine genügen den Ansprüchen von heute nicht mehr. Zudem hätte die rund vierzigjährige Anlage auch Erneuerungen zum Beispiel an den elektrischen Installationen nötig.

Aber eben, ohne den Vertrag ist an all diese Arbeiten nicht zu denken, und daran wird sich so rasch kaum etwas ändern. Denn Neu­en­eggs Gemeindepräsident René Wanner, auch er ein SVPler, rief in den Saal: «In der vorliegenden Fassung können wir nicht hinter dem Vertrag stehen.» Wieso, liess er offen. Er trage Differenzen nicht in der Öffentlichkeit aus.

Belastend für Köniz

Worum es im Vertrag geht, ist ­zumindest aus Könizer Sicht klar. Den Anfang nahm das Geschäft 1906, als die beiden Gemeinden den Unterhalt des heutigen alten Schulhauses an der Sensemattstrasse regelten. Man kam überein, die Investitionen in das Gebäude, das gerade noch auf der Neuenegger Seite des geteilten Dorfes steht, je zur Hälfte zu tragen.

Dafür sollte Köniz im Grundbuch ebenfalls zur Hälfte als Miteigentümerin eingetragen werden – allein, dieser letzte Punkt wurde nie umgesetzt, wie der ­Könizer Liegenschaftsverwalter René Schaad erklärt.

Trotzdem wurde der Passus um 1970 herum auch für die neue, ebenfalls auf Neuenegger Boden erbaute Schulanlage Stucki festgeschrieben. Für Köniz ist das ein Problem, wie Schaad weiter ausführt. Nicht einmal so sehr, weil der Einfluss der Gemeinde auf Umbauten ohne festgeschriebenen Miteigentumsanteil automatisch weniger gross ist.

Der Liegenschaftsverwalter weist auf einen anderen Punkt hin: Ohne Grundbucheintrag kann Köniz Aufwände für die beiden Gebäude in seiner Buchhaltung nicht aktivieren. Damit kann es die Investitionen auch nicht tranchenweise und über Jahre hinweg abschreiben, sondern muss sie auf einen Schlag als Ausgabe in der laufenden Rechnung verbuchen. «Das ist auch für eine Gemeinde mit grossem Haushalt wie Köniz belastend», so Schaad.

Schon zweimal ein Ja

Mit dem Vertrag soll dies anders werden. Er schafft die Grundlage dafür, dass Köniz seinen Miteigentumsanteil doch noch eintragen kann. Das Parlament hat ihn in einer ersten Runde schon vor fünf Jahren für das alte Schulhaus genehmigt.

Im letzten November hat der Gemeinderat den Beschluss auch für die Schulanlage Stucki bekräftigt. Damit fehlt nur noch das Ja der Gemeindeversammlung Neuenegg – falls der dortige Gemeinderat die Differenzen doch noch irgendwie ausräumen kann.

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