Zum Hauptinhalt springen

Knackige Kirschen kommen ins Kistchen

Auf dem Biohof der Familie Marti läuft die Kirschenernte auf Hochtouren. Nach dem Ernteausfall der Frühsorte, bedroht durch den Frost im Frühling, reifen die späten Sorten umso schneller.

Erntehelferin Ursula Straumann pflückt auf dem Biohof der Familie Marti Kirschen.
Erntehelferin Ursula Straumann pflückt auf dem Biohof der Familie Marti Kirschen.
Stefan Leimer/BT

Auf dem Biobauernhof der Familie Marti in Rapperswil reifen die Früchte wegen der Hitze der letzten Tage explosionsartig. Nachdem der Frühlingsfrost im April zugeschlagen hat, die Blust hat erfrieren lassen und so rund drei Viertel der Ernte vernichtet hat, kommen in den nächsten Wochen doch noch ansehnliche Mengen inländischer Kirschen in die Läden. Der Schweizerische Obstverband rechnet mit rund 200 Tonnen pro Woche.

Doch damit sie gedeihen, benötigen Kirschen eine besondere Pflege: Die Früchte sind anfällig aufs Wetter und auf Schädlinge. Wie alle professionellen Kirschenproduzenten packen deshalb auch Martis ihre Plantage rundum ein: Obendrüber spannen sie eine Folie, und auf den Seiten montieren sie engmaschige Netze mit einem Lochdurchmesser von weniger als zwei Millimetern. So können schädliche Insekten nicht an die Früchte gelangen.

370 Kilogramm Kirschen

Auf dem Biohof der Familie Marti sind die Erntehelfer ab halb sechs Uhr morgens im Einsatz. Mit Kathrin und Alexander Marti und der Köchin pflücken insgesamt elf Personen die Kirschen von Hand. Unter dem Foliendach wird es schnell warm. Schwül ist es bereits um acht Uhr. Die Hitze werde immer drückender, doch es sei eine gesellige Arbeit. Trotz der Hitze würden alle miteinandre plaudern und scherzen.

Gegen Mittag müssen die Kisten bereit sein. Um die 370 Kilogramm Kirschen werden innerhalb von fünf Stunden geerntet. Dann gehen die Früchte an Bio­läden, Marktfahrer, einen Grossverteiler, und samstags ist Hofverkauf. «Wegen der Hitze überstürzt sich jetzt alles, wir sind auf jede helfende Hand angewiesen», sagt Kathrin Marti.

Alexander Marti zeigt indes mit Stolz die schönste seiner zwölf Kirschensorten: die schwarz glänzende Kordia.Insgesamt 800 Kirschbäume wachsen auf der Plantage des Biohofs. Dies auf einer Fläche von knapp einer Hektare.

Ertrag nach drei Jahren

Die Bäume kaufte das Ehepaar vor sieben Jahren als Ruten. So lange baut es Kirschen an. Ertrag bringen die Bäumchen nach drei bis vier Jahren. Erst dann beginnt die Investition «Früchte zu tragen», wie Alexander Marti es ­ausdrückt. Zuvor hatten sie gegen 100 000 Franken aufbringen müssen für den Witterungsschutz, also die Folie und die Netze auf den Seiten.

Es ist ein «Krampf»

Hat es sich unter dem Strich für die beiden gelohnt? Kathrin und Alexander Marti blicken sich an. «Wir mussten etwas unternehmen, vom Milchgeld unserer 23 Kühe und vom Ackerbau allein hätten wir nicht überleben können», sagt sie, um gleich mit Nachdruck in der Stimme anzufügen: «Aber wir machen das gern und mit Herzblut.» Es sei ein «Krampf», Kirschen zu kultivieren.

«Die Königsdisziplin im Obstbau», sagt Alexander Marti. Gerade für Biobauern bedeutet das erst einmal viel Handarbeit. «Hacken, jäten, hacken, jäten» lautet die Kurzfassung. Obwohl es Maschinen dafür gibt, brechen Martis auch überflüssige Baumtriebe von Hand aus. So bekommen die Früchte mehr Nährstoffe und Licht.

Tropenöl gegen Läuse

Gegen Schädlinge brauchen Biobauern fast ausschliesslich natürliche Mittel wie zum Beispiel ein spezielles Öl, das sie über die Bäume spritzen, sobald Eier von Läusen an den Blättern kleben.

Das Öl, erklärt Alexander Marti, «legt sich wie ein Film darüber und erstickt die Schädlinge». Oder sie spritzen den Saft des tropischen Neem-Baums. Den Geschmack mögen die Läuse nicht. Die Folge: Sie verhungern. Als Dünger verwendet er nur den Mist seiner Kühe, eine «Vollnahrung mit allen wichtigen Nährstoffen für die Pflanzen».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch