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Kilchenmann schaltet den Fernseher aus

Die traditions­reiche Firma Kilchenmann öffnet am Samstag ihr Verkaufs­geschäft zum letzten Mal. Künftig konzentriert sich das Unternehmen auf das Geschäft mit Geschäftskunden.

Ueli Jost: «Es hat sich zu Tode gelaufen.»
Ueli Jost: «Es hat sich zu Tode gelaufen.»
Christian Pfander

Es gibt sicher nicht viele Menschen, die sämtliche 46 Stände­räte der Schweiz beim Namen nennen können. Die Techniker der Firma Kilchenmann gehören dazu. Denn das Unternehmen aus Kehrsatz kümmert sich um die Technik im Bundeshaus – ­beispielsweise um die Abstimmungsanlage im Ständerat.«Während der Session begleiten wir die Parlamentarier», sagt Geschäftsführer Ueli Jost. Die Kilchenmann-Leute müssen sich vor Sessionsbeginn Gesichter und Namen der Kantonsvertreter einprägen.

Laden wird geschlossen

Mit der eigenen Bekanntheit ist es auch so eine Sache. In der Region Bern ist Kilchenmann der breiten Öffentlichkeit bis heute vor allem als Geschäft für Fern­seher und Stereoanlagen bekannt. Doch das ist schon lange nicht mehr richtig, und ab Montag ist es komplett falsch: Am Samstag schliesst Kilchenmann in Kehrsatz den letzten Verkaufsladen für Unterhaltungselektronik und konzentriert sich künftig auf die Geschäftskunden.

«Das tut weh», sagt Jost im Geschäft beim Bahnhof Kehrsatz-Nord, wo noch einzelne Geräte herumstehen und auch ein paar Kartonkisten. «Der Schritt ist aber unumgänglich.» Während eines Jahres hat er recherchiert und beispielsweise die Entwicklungen in anderen Branchen – Möbel, Uhren und Autos – studiert. «Dabei habe ich festgestellt, dass bei uns die Perspektiven fehlen.»

Zuletzt habe das Geschäft mit den Privatkunden gerade noch 6 Prozent am Umsatz ausgemacht. Und es sei schon lange defizitär gewesen. Das Unternehmen hat den Schritt bereits im ­Januar kommuniziert. Die 16 betroffenen Angestellten werden entweder im Unternehmen weiterbeschäftigt oder haben bereits eine neue Stelle gefunden. Ins­gesamt zählt Kilchenmann rund 250 Mitarbeitende am Hauptsitz in Kehrsatz sowie in zwei Filialen bei Basel und Zürich.

Eine lange Geschichte

Vor 84 Jahren gründete Hans Kilchenmann in Wabern einen Handel mit Radios und Schallplatten. Die Firma wuchs, später übernahm Klaus Kilchenmann die Firma in zweiter Generation. Der Abstieg im Privatkundengeschäft habe etwa nach 1995 begonnen, als die Fachmärkte aufkamen. «Damals war der Kampfgeist im Unternehmen noch gross», sagt Jost. Kilchenmann habe «am besten und am günstigsten» sein wollen. Doch das habe nicht lange funktioniert.

Zuerst wurden Filialen in Köniz und Ostermundigen geschlossen, 1997 schliesslich auch der Laden in Bern. Das Unter­nehmen baute 40 von 120 Stellen ab und konzentrierte das Geschäft auf den Standort Kehrsatz. Im Jahr 2000 verkaufte die Fa­milie Kilchenmann das Unternehmen an das damalige Management, zu dem auch Ueli Jost gehörte. Schon damals hatte der Anteil der Unterhaltungselektronik und des Detailhandels nur noch 50 Prozent ausgemacht.

Handys im Angebot

Jost ist seit 1980 in der Firma ­tätig. «Das waren noch goldene Jahre.» Heute ist es für ihn aber fast unvorstellbar, dass sie einst Mobiltelefone und Digitalkameras verkaufte. Mit Discountern steht sie aber längst nicht mehr in Konkurrenz. Sie bot immer Geräte exklusiver Marken an, doch auch das wurde ein immer schwierigeres Geschäft. «Wer für einen Fernseher 4000 Franken bezahlt, versteht nicht, wenn er für die Lieferung und den Service noch extra zahlen muss.»

Deshalb ging Kilchenmann noch weiter und baute in den Laden eine Küche oder ein Lavabo ein. «Unser Business war die Idee, wie man einen Fernseher in die Küche integrieren kann oder wie man ein Wohnzimmer komplett vernetzen kann.» Diesen Mehrwert könne man heute nicht mehr verkaufen, sagt Jost. «Es hat sich zu Tode gelaufen.»

Im Stadion und am Bahnhof

Nun konzentriert sich also Kilchenmann auf die Geschäfts­kunden. Diese Sparte generiert schon heute 94 Prozent des Umsatzes. «Es läuft gut, wir haben vier Rekordjahre hinter uns», sagt Jost. Kilchenmann zählt neben dem Bund auf weitere bekannte Kunden, darunter Banken und KMU. An den Spielen des SC Bern ist die Firma für die ­Feuershows wie auch den Videowürfel über dem Spielfeld besorgt. An YB-Matchs kommen Bilder, Videos und Töne dank der Kehrsatzer Technik ins Fussballstadion. Die kleinen Bildschirme auf den SBB-Bahnhöfen werden ebenso von Kilchenmann be­trieben wie die Konferenztechnik oder Auditorien bei grossen Basler Pharmakonzernen.

In Basel wie auch in Zürich ist Kilchenmann in einer Beziehung übrigens weiter als hier. «Wenn ich dort erklärte, dass wir auch Fernseher verkaufen, glaubte das niemand», sagt Ulrich Jost. Nun sollte man es auch in Bern nicht mehr glauben.

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