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Kies-Affäre: Weko nimmt Berner Baumeister ins Visier

Die Wettbewerbskommission gab am Dienstag 19 Unternehmen bekannt, gegen die sie neu ermittelt. Darunter befinden sich einige Schwergewichte der Berner Baumeisterszene.

Im besonderen Fokus der Untersuchung steht der Kiesstandort Rubigen.
Im besonderen Fokus der Untersuchung steht der Kiesstandort Rubigen.
Adrian Moser

Die Kiesaffäre holt nun auch die Berner Baubranche ein. Am Dienstag publizierte die Wettbewerbskommission (Weko) im Schweizerischen Handelsamtsblatt 19 Firmen, gegen die sie eine Untersuchung eingeleitet hat.

Darunter befinden sich Schwergewichte der Branche, wie die Frutiger AG, die Strabag AG oder die Walo Bertschinger AG. Sie alle schreiben mehrere Hundert Millionen Franken Umsatz im Jahr.

Der Start der Untersuchung gab die Weko bereits vor zwei Wochen bekannt. Damals war die Rede allerdings bloss von «zwei Belagswerken und deren Aktionären». Nun stellt sich heraus, dass es sich bei diesen Aktionären ausnahmslos um Baufirmen handelt.

Es sei deshalb keine eigentliche Ausweitung der damals kommunizierten Untersuchung, sagt Frank Stüssi, stellvertretender Direktor der Weko. «Im Fokus stehen weiterhin die beiden Belagswerke und deren Verhaltensweisen», sagt er.

Aktionäre wurden bevorzugt

Bei diesen beiden Belagsfirmen handelt es sich um die Berag Belagslieferwerk AG aus Rubigen und die BLH Belagswerk AG aus Hasle bei Burgdorf. Beide verarbeiten Kies zu Asphalt weiter. Ihre Kunden sind Baufirmen, die den Asphalt dann meist für den Kanton oder die Gemeinden verbauen. Laut Weko bestehen Anhaltspunkte, dass die beiden Firmen Gebietsabreden getroffen haben und vereinbarten, sich nicht zu konkurrenzieren.

Eine der Firmen, die Berag Belagslieferwerk AG, soll zudem über eine marktbeherrschende Stellung verfügt und diese auch missbraucht haben. So habe sie ihre Aktionäre und Aktionärinnen – also die Baufirmen – bevorzugt behandelt, indem sie andere Handelspartner durch höhere Preise diskriminierte.

Mit einem «Treuebonus», mit dem sie Kunden langfristig an sich band, hat sie den Wettbewerb zusätzlich behindert, so der Verdacht der Weko.

Es sei nicht auszuschliessen, dass sich die Untersuchung im Laufe des Verfahrens noch einmal ausweiten werde, sagt Frank Stüssi. Dies würde beispielsweise passieren, wenn sichtbar wird, dass auch andere Unternehmen in die mutmasslichen Verhaltensweisen der beiden Belagsfirmen involviert waren. «Auch dieses Verfahren hatte seinen Ursprung in einer vorangegangenen Untersuchung», so Stüssi.

Baumeister auf Tauchstation

Der Kanton Bern gibt für den Strassenunterhalt jährlich 65 bis 70 Millionen Franken aus. Er wäre von den Preisabsprachen also besonders tangiert. «Bevor ein definitives Urteil gefällt wird, gilt die Unschuldsvermutung»: Bei dieser Aussage bleibt Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP). Aber den Ärger, dass nun weitere Firmen in die Kiesaffäre involviert sind, bringt er für einmal klar zum Ausdruck.

«Hier geht es letztlich um Volksvermögen, das durch unfairen Wettbewerb gestohlen wird. Ja, ich bin verärgert.» Auch wenn seine Direktion letztlich bei den Bau- und nicht bei den Belagsfirmen Leistungen bezieht, sieht Neuhaus Möglichkeiten einer direkten Einflussnahme.

Er könnte sich beispielsweise vorstellen, dass man Bauunternehmen bei künftigen Ausschreibungen zu mehr Transparenz zwingt. «Man könnte etwa verlangen, dass sie ihre Einkaufspreise für Beton und Asphalt offenlegen müssen», so Neuhaus.

Die Baumeister gingen am Dienstag allesamt auf Tauchstation. Direkt angefragte Firmen wie die Frutiger AG, die Strabag AG oder die Walo Bertschinger AG wollten alle keine Stellung nehmen. Peter Sommer, Geschäftsführer des Kantonal-Bernischen Baumeisterverbands und FDP-Grossrat, reagierte auf mehrere schriftliche und telefonische Anfragen ab 17 Uhr nicht mehr.

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