Das Parkcafé am Egelsee wird ein Fall fürs Gericht

Bern

Der Kanton verweigert die Bewilligung für eine Café-Bar am Egelsee in Bern. Die Stadt ist konsterniert.

Über 500 Personen demonstrierten im März für das Bar au Lac.

Über 500 Personen demonstrierten im März für das Bar au Lac.

(Bild: Manuel Zingg)

Michael Bucher@MichuBucher

Bereits zum zweiten Mal innert weniger Monate spricht der Kanton Bern ein Machtwort und verhindert so ein Bar-Projekt in der Stadt Bern. Nach der Absage an die Sommer-Bar Peter Flamingo auf der Grossen Schanze im Mai trifft es nun die geplante Café-Bar am Egelsee. Beide Projekte wurden von den Stadtbehörden initiiert, um die jeweiligen Plätze zu beleben.

Im Februar hatte das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland eine auf fünf Jahre befristete Umnutzung des früheren Entsorgungshofs am Egelsee in eine Café-Bar bewilligt. Nun hat die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) zwei Beschwerden gegen die befristete Baubewilligung gutgeheissen, wie sie gestern mitteilte.

Stadt bedauert Entscheid

Statthalter Christoph Lerch räumte im Februar ein, dass es sich bei der Bar eigentlich um eine «zonenfremde Nutzung» handle. Weil eine von der Stadt vorgesehene Zonenplanänderung noch nicht erfolgt sei, habe er deshalb nur eine befristete Bewilligung erteilt.

Für den Kanton stellt die Befristung für sich allein jedoch keinen Ausnahmegrund dar. Es könne auch nicht auf eine künftige Zonenplanänderung verwiesen werden, die explizit auch einen Gastgewerbebetrieb als zulässig erkläre. Damit würde eine «unzulässige Vorwirkung des geplanten zukünftigen Rechts erzielt», findet die BVE.

Ob ein Parkcafé in eine Zone für öffentliche Nutzungen passt, darüber gehen bei Kanton und Stadt die Meinungen auseinander. Dass es sich bei einem Café auch um einen Begegnungsort handelt, genüge nicht, um als Anlage im öffentlichen Interesse zu gelten, findet der Kanton. Demgegenüber hielt Stadtgrün Bern im März in dieser Zeitung fest, dass Parkcafés in städtischen Anlagen als «typisch und erwünscht» erachtet würden.

Dies bekräftigte die Stadt Bern gestern in einer Stellungnahme. Sie verweist auch auf den im Frühling eingetroffenen «Flashmob», bei dem sich rund 500 Personen für ein Parkcafé starkmachten.

Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) gibt sich konsterniert: «Mich erstaunt sehr, dass die kantonale Beschwerdeinstanz das offenkundig vorhandene öffentliche Interesse an einem Parkcafé anders beurteilt als das Quartier und die Stadt vor Ort.» Die Stadt will gemäss Mitteilung den Entscheid «aller Voraussicht nach» vor Verwaltungsgericht anfechten.

Bereits die zweite Absage

Es ist nicht das erste «Njet» des Kantons zu einem Barbetrieb am Egelsee. 2017 fand mit der Bar au Lac ein dreimonatiger Versuchsbetrieb statt. Statthalter Lerch hatte dafür eine Bewilligung für eine «Festwirtschaft» erteilt.

Im Nachhinein erklärte die Volkswirtschaftsdirektion diese für ungültig, da es einer Baubewilligung bedurft hätte. Letztes Jahr fiel der Barbetrieb deshalb ins Wasser.

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