Kein Tramdepot für Köniz

Bern

Aus vier wird zwei: Die Suche nach einem Standort für ein neues Bernmobil-Tramdepot konzentriert sich auf die Messerligrube und den Sportplatz Bodenweid.

Das Tramdepot Eigerplatz soll in rund 15 Jahren ersetzt werden.

Das Tramdepot Eigerplatz soll in rund 15 Jahren ersetzt werden.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Christoph Hämmann

Die Morillonmatte ist vom Tisch. Auf der grünen Wiese oberhalb der Kurve, wo das Tram Richtung Wabern von der Monbijou- in die Seftigenstrasse einbiegt, wird kein neues Tramdepot gebaut. Noch Ende März war die Morillonmatte eine von vier Varianten gewesen, die vertieft geprüft werden sollten. Jetzt steht fest: Weder der Grundeigentümer noch die Standortgemeinde ­­Köniz waren für das Bauprojekt zu begeistern.

Die Ausgangslage bleibt unverändert: Das bestehende Tram­­depot am Eigerplatz kann nicht so ausgebaut werden, dass auch längere Tramkompositionen dort untergebracht werden können. Deshalb soll das Depot zu Wohnungen, Gewerbeflächen und Infrastrukturanlagen für das Quartier umgenutzt werden. Um neben dem Tramdepot an der Bolligenstrasse – in der Nähe des Bernexpo-Geländes – auch künftig nicht nur östlich, sondern auch westlich des Bahnhofs über ein Depot zu verfügen, braucht es also einen neuen Standort.

Ist auf der Bodenweid eine Doppelnutzung möglich?

Bleiben die drei anderen Standorte, die vor gut einem halben Jahr als mögliche Varianten präsentiert wurden und die allesamt in Bern-West liegen: die Messerli­­grube in Bethlehem, der Bümplizer Sportplatz Bodenweid sowie Untermatt-Nord. Weil es sich bei Untermatt-Nord um ein Stück Wald handelt, wird dieser Standort neu bloss noch als «Rückfallebene» eingestuft.

Bei der Messerligrube sind mehrere Erschliessungenmöglich. Das heisst wohl auch, dass es keine eindeutige Bestvariante gibt.Source

Er hätte den kompliziertesten Behördenlauf erfordert: Soll im Wald gebaut werden, braucht es ein Rodungsgesuch, für dessen Bewilligung die Standort­­gebundenheit nachgewiesen werden muss. Da jetzt zwei andere Standorte vertieft geprüft werden, dürfte es schwierig sein, diese Alternativlosigkeit im Fall Untermatt-Nord jemals noch belegen zu können.

Mit anderen Worten: Eigentlich scheinen mit der Messerli­­grube und der Bodenweid nur noch zwei Standorte ernsthaft im Rennen zu sein. Die Karte oben zeigt, dass Letztere näher an bestehenden Tramlinien liegt als Erstere. Wie Bernmobil und Stadtplanungsamt in der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB) kürzlich darlegten, muss bei der ­­Bodenweid aber «rasch der Nachweis erbracht werden, ob eine Doppelnutzung möglich ist». Konkret dürfte das bedeuten, dass dieser Standort nur dann infrage kommt, wenn dafür nicht Fussballplätze geopfert werden müssen – schliesslich sind diese in der Sportstadt Bern notorisch knapp.

Gegenüber dem «Bund» sagte Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) im März, es würden grundsätzlich kombinierte Nutzungen angestrebt und es sei denkbar, über einem Tramdepot Fussballplätze zu bauen. Passen würde zum Projekt Bodenweid, dass die Sportanlage ohnehin bald saniert werden muss.

Allerdings befindet sich das Projekt Tramdepot noch in einer frühen Phase, wie es im Protokoll des QBB-Forums heisst, an dem die Pläne präsentiert wurden. Es gehe um die langfristige Land­­sicherung, Zeithorizont für ein neues Tramdepot sei ungefähr 15 Jahre, 45 bis 50 Trams sollen im Depot abgestellt werden können. Das Projekt sei mit dem Kanton und der Regionalkonferenz Bern-Mittelland abgestimmt. Letztlich werde der Bau eines neuen Tramdepots in einem eisenbahnrechtlichen Verfahren geregelt werden.

Standortentscheid soll im ersten Quartal 2020 fallen

Laut dem QBB-Protokoll sind bei der Messerligrube verschiedene Erschliessungen möglich. Kritisch interpretiert könnte das aber auch bedeuten, dass es keine Verbindung zum Areal gibt, die sich eindeutig als Bestvariante anbietet – etwas, das auf der Bodenweid wohl anders wäre. Offen ist bei der Messerli­­grube zudem, ob ein genügend grosser Teil des Areals für ein Tramdepot genutzt werden könnte.

Im ersten Quartal 2020 soll der Gemeinderat das weitere Vorgehen bei der Tramdepotplanung festlegen. Er wird dies gestützt auf die Vertiefungs­­studien tun können, die derzeit für die Varianten Messerligrube und Bodenweid erarbeitet werden. Ursprünglich waren für die Standortevaluation von den Stadtbehörden und Bernmobil nicht weniger als 37 Areale untersucht worden.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...