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Stadt gibt Publibike zwei Wochen für Neustart

Das Ausmass des Missbrauchs beim Berner Veloverleih übertrifft die schlimmsten Befürchtungen: Am Wochenende galten 350 der rund 700 Publibikes als verschollen.

Bis zu 350 Publibikes sind seit dem Wochenende geknackt worden.
Bis zu 350 Publibikes sind seit dem Wochenende geknackt worden.
Beat Mathys
Die Verleihvelos von Publibike lassen sich mit einem einfachen Kniff knacken. Das Unternehmen arbeitet «mit Hochdruck daran, das Schloss van­dalensicherer zu machen».
Die Verleihvelos von Publibike lassen sich mit einem einfachen Kniff knacken. Das Unternehmen arbeitet «mit Hochdruck daran, das Schloss van­dalensicherer zu machen».
Beat Mathys
Die Stadt geht davon aus, dass Publibike das Problem innert rund zwei Wochen in den Griff bekommt.
Die Stadt geht davon aus, dass Publibike das Problem innert rund zwei Wochen in den Griff bekommt.
Beat Mathys
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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Kritiker des Berner Veloverleihs, die lieber ein System ohne städtische Beteiligung gehabt hätten, spotteten am Dienstag in den sozialen ­Medien über das Fiasko, das am Tag zuvor bekannt geworden war: Die Verleihvelos von Publibike lassen sich mit einem einfachen Kniff knacken.

Wer den Spott hat, kann eine Kommunikationsstrategie wählen, die den Spöttern reichlich Nachschub an verwertbarem ­Material liefert. So schaltete ­Publibike am Dienstagnachmittag eine Medienmitteilung auf, in der das Unternehmen bestätigte, was längst ­bestätigt war: «In Bern wurden Publibike-Schlösser geknackt.»

Ob es in Zürich vergleichbare Fälle gebe, werde ab­geklärt. Falls dem so sei, stehe aber bereits fest, dass das Ausmass ungleich kleiner sei als in Bern, hiess es auf Nachfrage.

Ansonsten: «99 Prozent der Kundinnen und Kunden nutzen das Angebot ordnungs­gemäss. Der Betrieb läuft normal weiter.»

«Kriminelle Energie»

Probleme bloss im einstelligen Prozentbereich? Quasi Normalbetrieb? Fast gleichzeitig, wie ­Publibike diese Meldung verbreitete, sagte der Chef der Stadtberner Verkehrsplanung, Karl Vogel: «Am Wochenende galt zeitweise die Hälfte der Berner Publibike-Flotte als verschollen.»

Mit anderen Worten: Von rund 700 Velos war bei ungefähr 350 das Schloss geknackt worden, nach Gebrauch wurden die Publibikes irgendwo stehen gelassen.

Gegenüber Radio SRF bestätigte ein Publibike-Sprecher am Dienstagnachmittag diese Zahl. Nach der Mitteilung von Publibike ist das Unternehmen «mit Hochdruck daran, das Schloss van­dalensicherer zu machen».

Verschiedene Varianten alternativer Schlösser würden bereits getestet und sollen so rasch wie möglich umgesetzt werden. Die bisher verwendeten Schlösser seien seriös entwickelt worden, betonte Publibike-Sprecherin Katharina Merkle. «Wir haben es in Bern mit einer konzertierten Aktion von Leuten mit krimineller Energie zu tun», sagt sie ­weiter.

Laufend Meldungen

Katharina Merkle und der städ­tische Verkehrsplaner Karl Vogel betonen beide, dass der Berner Velo­verleih grundsätzlich sehr gut an­gelaufen sei. Die Nutzerzahlen ­seien von Anfang an über den Erwartungen gelegen. Um­so bedauernswerter seien die ­aktuellen Probleme mit Vandalismus.

Für die Stadt ist die neuste Entwicklung immerhin nicht mit ­finanziellen Konsequenzen verbunden. Sie investierte zwei Millionen Franken in den Aufbau des Systems – die Kosten für Betrieb und Unterhalt des Systems und des Fahrzeugparks gehen aber zulasten von Publibike.

«Die Stadt unterstützt Publi­bike dabei, die gestohlenen Velos einzusammeln», so Vogel. Bei beiden Stellen gingen regel­mässig Hinweise zu Velos ein, die mutmasslich missbräuchlich verwendet wurden. Wie viele ­davon seit dem Wochenende eingesammelt wurden, liess sich ­am Dienstag nicht eruieren.

Innert zweier Wochen gelöst

Es gebe immer noch viele ­korrekte Anwenderinnen und Anwender, betont Verkehrsplaner Vogel. Und: «Es gibt auch Velos, deren Schloss sich nicht so einfach wie andere öffnen lässt. Wir hoffen deshalb, dass nicht zusätzlich Schlösser zerstört werden, die sich nicht knacken lassen.»

Die Stadt geht laut Vogel davon aus, dass Publibike das Problem innert rund zweier Wochen lösen und die ­kaputten Schlösser sukzessive ersetzen kann. «Es ist kein Szenario, das System vor­übergehend einzustellen.»

Publibike hält fest, dass sich strafbar ­mache und angezeigt werde, wer ein Schloss knackt. Was die Vandalenakte und Diebstähle Publibike kosten, liess sich am Dienstag noch nicht abschätzen. «Bei ­jedem Velo muss der Schaden einzeln erhoben werden», sagte Sprecherin Merkle.

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