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Jäger sollen mehr Füchse schiessen können

Es gibt immer mehr Füchse, auch in bewohnten Gebieten. In der Antwort auf einen Vorstoss gibt die Regierung Auskunft zur Regulierung der Fuchsbestände. Sie erhofft sich Abhilfe von den gelockerten Jagdvorschriften.

Junge Füchse in der Stadt Bern: Der Fuchs dringt zunehmend in bewohnte Gebiete vor. Das bringt Gefahren mit sich.
Junge Füchse in der Stadt Bern: Der Fuchs dringt zunehmend in bewohnte Gebiete vor. Das bringt Gefahren mit sich.
Urs Baumann

Die Füchse fühlen sich offensichtlich immer wohler in der Schweiz und vermehren sich kräftig. Dabei ziehen die Vierbeiner immer öfter menschliche Behausungen ihrer direkten Bauumgebung, dem Wald, vor. Über zehn Füchse pro zwei Quadratkilometer registriert der Zoonosebericht 2006 des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET) mitten im Siedlungsgebiet.

Bandwurm und Tollwut

Dass Meister Reineke immer öfter in bewohntes Gebiet vordringt, «führt bei einem Teil der Bevölkerung zu Verunsicherung», schreibt SVP-Grossrat Jean-Michel Blanchard (Malleray) in einer Interpellation, mit der er von der Regierung Auskunft zur Regulierung der Fuchsbestände will. Vor allem die Vorstellung, im eigenen Garten mit den Eiern des Fuchsbandwurms in Kontakt zu kommen «und dadurch schwer zu erkranken», sorge für Beunruhigung, schreibt Blanchard.

Laut Blanchard ist zwischen 1993 und 2000 durchschnittlich eine Person pro Million Einwohner und Jahr am Fuchsbandwurm erkrankt. Zwischen 2001 und 2005 sei die Zahl auf durchschnittlich 2,6 Neuerkrankungen pro Jahr gestiegen. Das Ganze bei einer Inkubationszeit von 15 Jahren.

Aber auch das Tollwutrisiko steige mit den wachsenden Populationen der Räuber im roten Pelz, warnt Blanchard. Der Fuchs als Träger von Krankheitserregern berge zudem auch für Schweine eine Gefahr und sei mitverantwortlich für das langsame Aussterben der Hasenpopulationen im Kanton Bern.

Problem erkannt

Die Regierung bestätigt in ihrer Antwort, dass die Füchse als «enorm anpassungsfähige Wildtierart mit hohem Vermehrungspotenzial» zunehmend in die Agglomeration und die städtischen Siedlungsgebiete vordrängen. Parallel dazu hätten die jährlichen Abschusszahlen abgenommen. Im Jahr 2000 wurden schweizweit rund 39000, im Kanton Bern 7300 Füchse erlegt. 2007 waren es schweizweit noch rund 35000 Füchse und im Bernbiet 5500. Trotz vermehrt tot aufgefundener Füchse sei der Fuchsbestand entsprechend hoch, schreibt die Regierung.

Der Problematik des hohen Fuchsbestandes sei sich die Regierung bewusst. Die direkten Auswirkungen auf Mensch und Natur seien in der von Blanchard dargelegten Weise jedoch nicht vorbehaltlos zu bestätigen.

Die Lösung des Fuchsproblems liegt für den Interpellanten vor allem in der Lockerung der Jagdbestimmungen. Konkret schlägt Blanchard vor, die Jagdzeit allgemein zu ändern und die Fuchsjagd auch im Juli und August zu erlauben.

Die Regierung verweist in ihrer Antwort darauf, dass die Fuchsjagd bereits zwischen 16.Juni und 31.August möglich sei, und zwar mit einer entsprechenden Spezialbewilligung.

Lockerung der Vorschriften

Allgemein komme man den Fuchsjägern entgegen, und eine entsprechende Feinjustierung der Jagdzeiten werde bereits am 1.Dezember diesen Jahres in Kraft gesetzt, schreibt die Regierung. Die Fuchsbejagung solle nach Abschluss der Rehjagd «möglichst wenig eingeschränkt werden». Regierungsrat Andreas Rickenbacher (SP) hat bekanntlich die Jagdvorschriften geändert, sodass beispielsweise ab Dezember ohne Unterbruch von 5 bis 21 Uhr geschossen werden darf (wir berichteten).

Zudem ist es dann neu erlaubt, mit Zustimmung der Bewohner der betroffenen Gebäude im 100-Meter-Umkreis zu jagen. Dies kommt vor allem den Fuchsjägern zugute. Zudem sind zur Unterstützung der Jagd auf Meister Reineke im Januar auch Hundeeinsätze erlaubt.

Kein Baujagdverbot

Blanchard plädiert zudem dafür, die Baujagd zuzulassen, die im Kanton Bern verboten sei. «Obwohl im letzten Jahr die Vorschriften für die Baujagd im Interesse tierschützerischer und weidmännischer Überlegungen verschärft worden sind, ist diese Jagdart im Kanton Bern keineswegs verboten», korrigiert die Regierung. Ein Viertel bis ein Drittel der jährlich im Kanton Bern erlegten Füchse würden bereits an ihrem Bau geschossen. Im Verlaufe des nächsten Winters werde wissenschaftlich untersucht, ob diese Zahl wirklich den Tatsachen entspreche.

Vom Vorschlag Blanchards, Fuchskadaver bereits an Ort und Stelle zu vergraben, hält die Regierung gar nichts. Zum einen werde dies durch die eidgenössische Tierseuchengesetzgebung geregelt. Zum anderen könne damit das Übertragungsrisiko auch nicht eingedämmt werden.

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