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Ins Nirvana und zurück

Beim Konzert des Berner Symphonieorchesters musste nicht nur der Dirigent nach Gustav Mahlers «Lied von der Erde» tief durchatmen.

Das Berner Symphonieorchester im Casino Bern. (Archivbild)
Das Berner Symphonieorchester im Casino Bern. (Archivbild)
Christian Pfander

Mit den Worten «Ewig, ewig…» verklingt Gustav Mahlers «Lied von der Erde», und es scheint förmlich, als würden die verebbenden Klänge des Berner Symphonieorchesters aus dem Casino Bern in ferne Welten und Zeiten entrücken.

Eliahu Inbal sowie auch das Solistenpaar Claude Eichenberger (Mezzosopran) und Peter Wedd (Tenor) lassen sich viel Zeit, bis sie sich nach dem Ausklingen der Musik dem Applaus stellen. Dreimal durchatmen ist das Mindeste, was man nach dem letzten Ton von Mahlers Spätwerk tun kann.

Bis dahin durchlebt man emotionale Achterbahnfahrten: von Depressionen bis zu Sorglosigkeit, von lustvollem Aufbegehren bis hin zu Resignation. Während gut einer Stunde zeichnet Mahler in seinem Liederzyklus für Orchester, Mezzosopran und Tenor bipolare Stimmungsbilder, durch die sich einzig das Gefühl von Schwermut zu ziehen scheint.

Sparsam dosiert

Eliahu Inbal leitet das Berner Symphonieorchester mit sparsamer Emotionalität durch die sechs Lieder. Präzise Einsätze und Übergänge zeigt er den betroffenen Registern gern mal mit erhobenem Zeigefinger, Melodiebögen zeichnet er hie und da mit kreisendem Dirigierstab nach, als ob er einen Pinsel in der Hand und eine grosse Leinwand vor sich hätte. Das Berner Symphonieorchester folgt ihm und tut gut darin, auch Inbals dynamische Ausgestaltung zu übernehmen. Dadurch gewinnt Mahlers Musik an Brillanz.

Im Verlauf des Konzerts an Strahlkraft zuzulegen vermag der Tenor Peter Wedd. Wenn er im fünften Satz jauchzt «Was geht mich denn der Frühling an?! Lasst mich betrunken sein!», steht ihm diese Rolle eher als das Lamentieren im ersten Lied. Auch gelingt es ihm später besser, sich gegen das Orchester zu behaupten, in dem er anfangs etwas unterzugehen scheint.

Claude Eichenbergers warmer Mezzosopran hingegen macht sich wunderbar in den dunklen Liedpassagen, in denen er sich an filigrane Bläserbegleitungen anschmiegt, sich aber auch über breiter orchestrierte Tutti-Stellen zu erheben vermag. Fast wie ein Fade-out gelingen Eichenberger, getragen vom BSO, die gehauchten Schlussworte, womit sie alle durchlebten Gegensätze ins Nichts aufzulösen scheint.

Unauffällig begonnen

Dass diesem emotionalen Abenteuer eine Mozart-Sinfonie vorangegangen ist, scheint nach Konzertende völlig surreal. Nur noch vage ist die Erinnerung, dass die zwanzigminütige Sinfonie vorüber war, ehe man sich versah, trägt sie doch den Übertitel der «kleinen» g-Moll-Sinfonie.

Nicht gerade als Farce soll dieser erste Konzertteil gescholten werden, aber viel mehr als ein lockeres Aufwärmen für Orchester und Publikum war er wahrlich nicht. Was jedoch besser zu Mahlers «Lied von der Erde» gepasst hätte, ist die andere Frage.

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