Innen verdichtet, aussen grün

Köniz

Nicht alles kommt gut an: Trotzdem hält der Könizer Gemeinderat an seinen Ideen für die Verdichtung der städtischen Ortsteile fest. Fürs ländliche Gebiet prüft er im Rahmen der Ortsplanungsrevision neu eine Weilerzone.

Künftig urbaner: An Zentrumsachsen wie der Seftigenstrasse in Wabern sollen neu auch geschlossene Häuserreihen möglich sein.

Künftig urbaner: An Zentrumsachsen wie der Seftigenstrasse in Wabern sollen neu auch geschlossene Häuserreihen möglich sein.

(Bild: Susanne Keller)

Lucia Probst

Der Stadt-Land-Graben ist in Köniz bei vielen Themen greifbar. In der Ortsplanung wird er geradezu zementiert – bewusst. Die ländlichen Ortsteile sollen auch in Zukunft möglichst ländlich bleiben, die städtischen dafür dichter bebaut werden, so das Credo des Gemeinderates.

Diese Strategie findet in der Bevölkerung durchaus Rückhalt, wie die Mitwirkung zur baurechtlichen Grundordnung zeigt. 216 Eingaben wurden gemacht. Über 90 Prozent begrüssen es, Siedlungen zu verdichten. Weniger gut kommen die Mittel an, die der Gemeinderat dafür vorsieht. Künftig sollen beispielsweise statt zurückgesetzter Attikageschosse Vollgeschosse erlaubt sein. Das weckt die Angst vor vielen Flachdachbauten. «Mit dieser Veränderung müssen wir leben», findet Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP). Schon heute könne man fast überall Flachdächer bauen. Das werde auch getan.

Wunsch nach Freiraum

Wo eine Entwicklung im Innern von Siedlungen vorgesehen ist, werden auch keine Ausnützungsziffer und keine Gebäudeabstände mehr gelten. Das beurteilen manche skeptisch. Gut kommt hingegen die Idee an, entlang der Seftigen-, Schwarzenburg- und Könizstrasse teils geschlossene Häuserreihen zu erlauben. Im Gegenzug wird der Wunsch nach möglichst vielen unbebauten Freiräumen laut.

Während der Gemeinderat an seinen Massnahmen zur Verdichtung festhält, liess er sich in diesem Punkt inspirieren: Er will ein Freiraumkonzept erstellen, das die Qualität der Aussenräume im Siedlungsgebiet sichern soll. Ein Paradebeispiel ist der Liebefeld-Park. Mit ihm hat die Gemeinde bereits eine grüne Lunge geschaffen.

Um 2500 Personen und um 1600 Arbeitsplätze soll Köniz bis 2030 wachsen, so hat es der Gemeinderat definiert. Mit der Verdichtung lässt sich gemäss seinen Prognosen aber nur rund 10 Prozent des Wachstums bewältigen. «Das Potenzial ist natürlich grösser», führt Sedlmayer aus. Doch vieles sei nicht auf die Schnelle umsetzbar, weil Grundeigentümer zusammenspannen müssten. «Die Entwicklung ist schwer abschätzbar.»

Auch Köniz kommt also nicht darum herum, auf Wiesen in Bauzonen zurückzugreifen. Die grösste Baulandreserve ist das bereits eingezonte Ried in Niederwangen, wo eine Siedlung für rund 2000 Personen geplant ist. Neueinzonungen waren nur möglich, wenn anderswo ausgezont wurde – so verlangte es ein politischer Vorstoss. Nur rund die Hälfte der Mitwirkenden findet allerdings, die Gemeinde halte sich daran. «Es ist ein Erklärungsproblem», sagt Sedlmayer. Es gehe im Vorstoss um Einzonungen von grünen Wiesen – und nicht um zonenplanerische Bereinigungen.

Weilerzone für die Bauern

Bewusst fördern will der Gemeinderat günstigen Wohnraum. Das soll mit Vorschriften in Zonen mit Planungspflicht geschehen. Zudem will die Gemeinde ihr Bauland bevorzugt an gemeinnützige Wohnbauträger abgeben. Vor allem in städtischen Gebieten seien die Mieten gestiegen, sagt Sedlmayer. «Wir sehen dieses Problem.»

Auch wenn das ländliche Köniz so grün wie möglich bleiben soll, musste der Gemeinderat erkennen, dass es sich nicht einfach konservieren lässt. Neu prüft er eine Weilerzone. «Heute lassen sich Bauernhäuser schlecht nutzen, wenn ein Betrieb eingeht. Wir sehen, dass manche Bauern mehr Entwicklungspotenzial bräuchten», sagt Sedlmayer.

Die baurechtliche Grundordnung ist die dritte Tranche der Könizer Ortsplanungsrevision. Der Kanton wird sie nun vorprüfen, danach will die Gemeinde sie möglichst noch dieses Jahr öffentlich auflegen.

Der Mitwirkungsbericht ist abrufbar unter: www.koeniz.ch/opr.

Berner Zeitung

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