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«In Bern isst man eine kleine Spur währschafter als in Zürich»

Jeden Mittag essen Hunderte von Bernerinnen und Bernern – von der Nationalrätin über den Bankangestellten bis zur Studentin – in einem ZFV-Betrieb. Die wenigsten wissen jedoch, dass sie vom Zürcher Frauenverein bewirtet werden.

Sie haben wenig gemeinsam, das Gourmet-Restaurant Schöngrün im Paul-Klee-Zentrum, die Berner Uni-Mensen und die Personalrestaurants der UBS. Ausser dass die Betriebe alle zu den ZFV-Unternehmungen gehören. 20 Restaurants und Hotels hat die Zürcher Genossenschaft in den letzten neun Jahren in Bern gekauft, gepachtet oder übernommen. Darunter auch die beiden Sorell-Hotels Ador an der Laupenstrasse und Arabelle in der Länggasse sowie die «Galerie des Alpes», das neue Restaurant im Parlamentsgebäude.

BEA-Beizen übernommen

Der neuste Erfolg des Zürcher Gastronomie-Unternehmens: Es übernimmt im Frühjahr schrittweise alle sechs Restaurants der BEA bern expo. Ihren Siegeszug in Bern feiern die ZFV-Unternehmungen fast unbemerkt: Wenn sich Neufeld-Gymeler, Nationalrätinnen, Studenten und UBS-Bankangestellte zum Mittagessen setzen, weiss kaum jemand, wer sie bekocht. Und wer den Schriftzug «ZFV» auf der Serviette liest, erfährt auch nicht viel mehr – und würde auch kaum auf die Idee kommen, dass die Firma älter als Mövenpick und Migros ist.

116-jährige Geschichte

Andere Unternehmen hätten den Namen schon längst abgelegt oder würden verschämt verschweigen, dass die Abkürzung für «Zürcher Frauenverein» steht. Nicht der ZFV: «Seit gut zehn Jahren heissen wir zwar nur noch ZFV-Unternehmungen», erklärt Geschäftsleiterin Regula Pfister. «Aber ich sage immer gerne, wofür die Abkürzung steht, denn das sorgt gleich für Gesprächsstoff.»

Die Zürcher Frauen haben vor 116 Jahren mit ihren Gastwirtschaften den Kampf gegen Alkoholsucht und schlechte Ernährung angetreten. Jahrzehntelang betrieben die Frauen in Zürich die ersten alkoholfreien Restaurants und Hotels. «Ein paar Mal stand der ZFV am Rand des Ruins», schildert Regula Pfister. Denn die meist ehrenamtlich tätigen Frauen betrieben das Unternehmen «mit viel gutem Willen, aber oft wenig Fachwissen», wie Regula Pfister zugibt.

170 Millionen Umsatz

Doch nach dem 100-Jahr-Jubiläum vor 15 Jahren kam der Aufschwung. In dieser Zeit hat der ZFV den Umsatz von 50 auf 170 Millionen Franken gesteigert. Das Unternehmen nahm in dieser Zeit allerdings von einer alten Tradition Abschied: Vor acht Jahren hat der ZFV beschlossen, wenigstens in den öffentlichen Restaurants Alkohol auszuschenken. Trotzdem unterstützen die ZFV-Unternehmungen weiterhin die Alkoholsuchtvorsorge – indem sie Organisationen wie dem Blauen Kreuz jedes Jahr gut 100'000 Franken zur Verfügung stellen und zudem soziale und kulturelle Projekte mit 300'000 Franken unterstützen.

Eine Chefin ist Pflicht

An einer anderen Tradition hält der ZFV jedoch fest: Die Verwaltungsratspräsidentin muss laut Statuten eine Frau sein. Vielleicht ist es dem weiblichen Gespür zu verdanken, dass ein Zürcher Unternehmen in Bern so gut ankommt. Jedenfalls kennt Regula Pfister die feinen Unterschiede zwischen Berner und Zürcher Essgeschmäckern – «in Bern isst man eine kleine Spur währschafter» –, und sie weiss genau, wie ein Zürcher Unternehmen in ein so urbernerisches Gebiet wie die BEA-Messehallen vordringen kann: «Wir kommen nicht nach Bern und machen alles so wie in Zürich», sagt sie. Deshalb wählt der ZFV seine Angestellten für die Berner Betriebe aus der Region Bern aus. Und auch das Fleisch und das Gemüse, das in Bern aufgetischt wird, stammt nicht aus einer grossen Zentrale in Zürich, sondern kommt von Metzgern und Gemüsehändlern aus der Umgebung.

Neue Beiz im «Vatter»

Es ist Strategie, dass der ZFV vom konkurrenzlos günstigen Studentenmenü für Fr.6.60 bis zum über hundertfränkigen Gourmetmenü alles anbietet. «Auf diese Weise sind wir ziemlich krisenfest. Wenn ein Standbein einmal etwas lahmt, haben wir immer noch die anderen», erklärt Regula Pfister.

Die nächste Neueröffnung des ZFV kommt bereits im März: Dann öffnet im früheren «Vatter» am Bärenplatz das asiatische Lokal Mishio. Solche Restaurants gibt es bereits zwei in Zürich.

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