«Ich sehe keinen Nutzen für die Stadt»

Nach dem Cupfinal äusserte sich Reto Nause (CVP), Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, sehr kritisch zum Ablauf der Fanmärsche.

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Ralph Heiniger

Herr Nause, was nutzen solche Fanmärsche der Stadt Bern? Reto Nause: Ich persönlich sehe keinen Nutzen für die Stadt. Die Fanmärsche kosten durch die Polizeieinsätze viel Geld und sind eine grosse Belastung für die Bevölkerung.

Dieses Mal wurden die Fanmärsche an Bedingungen geknüpft. Der SFV, der FCB und der FCZ sollten für friedliche Fanmärsche sorgen. Mit Verlaub: Das war naiv. Nach jetzigem Kenntnisstand haben sich die Fans des FC Basel mehrheitlich an die Abmachungen gehalten. Namentlich die Fans des FCZ haben die Abmachungen allerdings mehrfach ignoriert. Militante Fangruppen suchten zudem gezielt die gewalttätige Auseinandersetzung mit Einsatzkräften und gegnerischen Fans. Es kam zu zahlreichen Vandalenakten und Pöbeleien.

Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre war ja nicht ernsthaft damit zu rechnen, dass Fanmärsche mit weniger Zwischenfällen als Montag über die Bühne gehen würden, oder? Die Stadt Bern hat in der Vergangenheit bei Fussballspielen durchaus friedliche Fanmärsche erlebt. Die letzten beiden Ausgaben des Cupfinals gehören natürlich nicht dazu.

Dennoch verliefen die Märsche «friedlicher» als im letzten Jahr. Ein Zusammenprall der Fans konnte verhindert werden. Ja, dank der hervorragenden Arbeit der Polizei. Es gab in der Innenstadt auf dem Bärenplatz und direkt vor dem Stade de Suisse zwei sehr brenzlige Situationen. Es ist der ausgezeichneten Arbeit der Polizei zu verdanken, dass es dabei nicht schlimmer gekommen ist.

Sie wollten keine Fanmärsche. Sehen Sie sich nun bestätigt? Die Eigenverantwortung und Selbstkontrolle der Fans haben nicht wirklich funktioniert. So wurde entgegen der Abmachungen von den vereinbarten Routen abgewichen. Und das gewalttätige Verhalten einzelner Fans sowie die Sachbeschädigungen sind schlicht inakzeptabel. Von Seiten des Fussballverbandes hiess es, dass sich Fanmärsche am Cupfinal nicht verbieten lassen. Aus meiner Sicht wurde der Beweis dafür noch nicht erbracht. Das verschärfte Konkordat gäbe den Behörden noch weitere Möglichkeiten, um die Anreise der Fans zu steuern, so zum Beispiel das Kombi-Ticket.

Die Bevölkerung hat das Hooligan-Konkordat deutlich angenommen. Haben die Politiker nun den Mut, dieses Konkordat anzuwenden, sprich notfalls den Cupfinal abzusagen? Zuerst gibt es ein Cup-Debriefing mit dem Schweizerischen Fussballverband und den beteiligten Clubs. Dabei wird auch die finanzielle Rückstellung des Fussballverbandes für die Sicherheitskosten ein Thema sein. Wie die Anreise der Fans im kommenden Jahr erfolgen soll und wie es mit der Bewilligung des Cupfinals in Bern weitergeht, wird der Gemeinderat danach entscheiden müssen.

Berner Zeitung

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