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«Ich musste wärche, wärche und wärche»

Liseli Leibundgut ist Zeugin einer vergangenen Zeit. Heute feiert sie im Alterszentrum Kiesenmatte in Konolfingen ihren 105. Geburtstag.

Liseli Leibundgut im Zimmer des Alterszentrums Kiesenmatte. Die älteste Konolfingerin feiert heute ihren 105. Geburtstag.
Liseli Leibundgut im Zimmer des Alterszentrums Kiesenmatte. Die älteste Konolfingerin feiert heute ihren 105. Geburtstag.
Marcel Bieri

Das Leben war ein anderes, als Liseli Leibundgut, die Älteste von neun Geschwistern, morgens den Eltern zur Hand ging, das Pferd für die Feldarbeit bereit machte und dann den langen Schulweg hinunter nach Oberdiessbach unter die Füsse nahm. Sie ist eine der letzten lebenden Zeuginnen des frühen 20. Jahrhunderts, einer Zeit, als viele Menschen im Kanton Bern noch vom und mit dem Land vor ihrer Haustüre lebten. Seit 1997 wohnt Liseli Leibundgut im Alterszentrum Kiesenmatte in Konolfingen. Dort feiert sie heute ihren 105. Geburtstag.

Sie sehe nicht mehr so gut, sagt sie. Erinnern aber kann sie sich. An den Hof der Familie, auf der Anhöhe hinter einem Wald, Glasholz heisst der Ort. Und das Pferd, das hiess Fanny. «Ein gescheites Ross, gescheiter, als ich es jemals war. Und kräftig!» Leibundgut kennt noch jeden Handgriff, weiss noch genau, wie sie das treue Tier gezäumt hat. «Von vorne nach hinten.» Im Stall des Vaters stand auch ein Muni. «Die Leute sind mit ihren Kühen zu uns gekommen, also zu diesem Muni.» Gezüchtet wurde hinter dem Haus. «Heute geht das anders, da macht das der Tierarzt», sagt Leibundgut. Dann lacht sie, laut und kräftig.

«Gueti Scheichli»

Es sind schöne Anekdoten aus einem Leben, das hart war und voller Entbehrungen. Im Winter habe es jeweils Milch und Brot zum Mittagessen gegeben. Ihre Nachbarn hätten ihr stets gesagt: «So viel wie du arbeitest, da wirst du aber nicht alt.» Tatsächlich musste Leibundgut tagein, tagaus «wärche, wärche und wärche». Alt wurde sie trotzdem – sogar älter als alle anderen.

Liseli Leibundgut ist dann nach Basel gezogen, war dort in einem Spital beschäftigt und hat einen Grossteil des Lohns nach Hause geschickt. Sie hat geheiratet, «spät» wie sie sagt, Kinder hatte sie keine. Heute nimmt sie es gemächlicher. «Ich bin ein faules Fraueli, das können Sie gleich aufschreiben.» Nur stimmt das so nicht: Sie ist noch immer gut zu Fuss unterwegs («Ig ha no gueti Scheichli!»), läuft mit dem Rollator regelmässig eine kleine Runde im Dorf. Sie singt leidenschaftlich gern. Und in einem Korb in ihrem Zimmer liegt ihre Lismete – zwei Blätzli, beide sind fehlerfrei.

Liseli Leibundgut ist eine gläubige Frau. Wann immer möglich besucht sie die Messe. Auf die naheliegende Frage, wie man 105 Jahre alt wird, antwortet sie: «Den Heiland im Herzen, den Heiland im Sinn, so gehts durch Leid und Schmerzen gewiss zum Himmel hin.»

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