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Hornussen als Familienspass

Sie haben einen Bierbauch, und ständig fliegt ihnen die Schindel auf den Kopf. «Irrtum», sagen die Hornusser Tobias Lanz und Marcel Heiniger. Morgen Sonntag organisieren sie auf der Kleinen Allmend einen Schnuppertag für Kinder.

Konzentrationsübung: Der 10-jährige Gianluca Lanz holt zum Abschlag aus und fixiert dabei den Nouss.
Konzentrationsübung: Der 10-jährige Gianluca Lanz holt zum Abschlag aus und fixiert dabei den Nouss.
Iris Andermatt

Niklas Lanz (7) dreht sich blitzschnell um die eigene Achse. Der flexible Stecken schnellt im Kreis und schlägt den Nouss in hohem Bogen in die Luft. Bruder Gianluca (10) versucht 50 Meter weiter das schwarze Geschoss mit der Schindel abzufangen. Doch vergebens: Das Brett wedelt ins Leere, der Nouss schlägt auf dem Boden auf. Niklas hat ein Numero gemacht. Frei in die Fussballsprache übersetzt: ein Tor erzielt.

Diese Szene spielt sich nicht zwischen den Hügeln des Emmentals oder neben einer Weide im Berner Oberland ab, sondern auf der Kleinen Allmend in der Stadt Bern. Statt des Muhens einer Kuh hört man hier das Rattern eines LKW, der auf der Bolligenstrasse Richtung A 6 abbiegt. Tatsächlich, hier gibts einen Hornusserverein: die Hornussergesellschaft Bern-Beundenfeld.

Bis zu 300 Stundenkilometern

Die Hornusser Tobias Lanz, der Vater von Niklas und Gianluca, und Marcel Heiniger räumen sogleich mit den Klischees auf, die wohl viele Städter gegenüber der Sportart haben. Hornusser stehen drei Stunden gemütlich auf dem Feld herum?

Man renne pro «Streich» – pro Schlag – bis zu 40 Meter weit, um den Nouss abzufangen, entgegnet Heiniger. «Bei 72 Schlägen für beide Mannschaften legt ein Spieler je nach Position schon zwei, drei Kilometer pro Spiel zurück.»

Leiter des Schnuppertags: Marcel Heiniger (links), Tobias Lanz. Bild: Iris Andermatt
Leiter des Schnuppertags: Marcel Heiniger (links), Tobias Lanz. Bild: Iris Andermatt

Zudem brauche es höchste Konzentration, wenn man im Ries, wie das Spielfeld heisst, steht. «Bei Topspielern erreicht der Nouss eine Abschlaggeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde.» Wenn er nach 100 Metern das Spielfeld erreicht, fliegt er immer noch mit mindestens 100 Stundenkilometer. Bei blauem Himmel oder weissen Wolken sei es schwierig, den Nouss rechtzeitig zu sehen.

20 Punkte für 300 Meter

Hornussen lässt sich am besten mit Baseball vergleichen: Eine Mannschaft schlägt, die andere fängt ab. Die schlagende Mannschaft spediert den Nouss möglichst weit ins Feld hinein. Die Mannschaft, die im Ries steht, muss um jeden Preis verhindern, dass der Nouss direkt den Boden berührt.

Dann nämlich wird ein Numero geschrieben. Die Numeros sind häufig spielentscheidend, denn bei der Abrechnung zählen sie vor den Punkten. Punkte gibt es für die abschlagende Mannschaft, wenn der Nouss abgefangen wird oder er neben dem Feld landet. Schlägt ein Spieler beispielsweise 300 Meter weit, erreicht er 20 Punkte.

Grossvater und Enkel im Team

Zurück zu den Vorurteilen: Dass nicht alle Hornusser einen Bierbauch haben, dafür liefern Lanz und Heiniger mit ihren sportlichen Figuren selbst den Gegenbeweis. «Der eine oder andere Hornusser hat wohl ein paar Kilos zu viel», räumt Tobias Lanz ein. «Man muss aber auch die Muskeln haben, dieses zusätzliche Gewicht zu bewegen.»

Dass man fürs Hornussen nicht in absoluter Topform sein muss, könne man auch als Vorteil sehen, ergänzt Heiniger: «So können auch noch 70-Jährige die Sportart auf hohem Niveau ausüben.» Es komme vor, dass in einer Equipe drei Generationen – Grossvater, Vater, Sohn – zusammen hornussen.

Schnuppertag für Kinder

In der Stadt sei es schwierig, diese dritte Generation fürs Hornussen zu gewinnen, da Kinder hier praktisch jede Sportart ausüben könnten, meint Heiniger. «Zudem sehen sie Hornusser nur selten im Fernsehen oder in der Zeitung.» Morgen Sonntag organisieren Tobias Lanz und Marcel Heiniger deshalb einen Schnuppertag für Kinder.

Wie lange muss man üben, bis man einen sauberen Schlag hinbekommt und den Nouss vom Bock in die Luft spedieren kann? «Ein Grundschlag von 50 Metern bringe man häufig schon beim ersten Mal zustande», so Heiniger. Kinder würden natürlich besonders schnell lernen.

Ein Klischee bleibt noch zum Schluss. Fliegt einem beim Hornussen ständig die Schindel auf den Kopf? Ihnen beiden sei das glücklicherweise noch nie passiert, sagen Lanz und Heiniger. Es geschehe allgemein äusserst selten. Einmal traf die Schindel von Tobias Lanz den Kopf eines Mitspielers. Bedauerlicherweise ereignete sich das Unglück kurz vor der Hochzeitsfeier des getroffenen Spielers. Es wurde eine quasi unauslöschliche Erinnerung: «Auch auf dem Hochzeitfoto war dann die Wunde am Kopf zu sehen», sagt Lanz.

Hornusser-Schnuppertag für Kinder: Sonntag 19. 3. 2017, 11 Uhr bis 15 Uhr auf der Kleinen Allmend Bern. www.bern-beundenfeld.ch

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