«Hierbei geht es um viel mehr als nur um die Wissenschaft»

Niedermuhlern

Der Tessiner Stararchitekt Mario Botta hat das neue Observatorium für die Sternwarte Uecht entworfen. Wir haben mit ihm über das Projekt gesprochen.

Für ein solches Projekt, sagt Mario Botta (links im Bild mit dem Astronauten Claude Nicollier), müsse man zuerst alles wissen – und dann wieder vergessen.

Für ein solches Projekt, sagt Mario Botta (links im Bild mit dem Astronauten Claude Nicollier), müsse man zuerst alles wissen – und dann wieder vergessen.

(Bild: PD)

Sheila Matti

Mario Botta, Sie als Stararchitekt entwarfen die neue Sternwarte auf der Uecht. Wieso?
Als mich Frau Blaser anrief, war ich sofort neugierig. Es ist ein Abenteuer, ein wenig wie in der Liebe – man weiss nicht, wo man landen wird. Die Sternwarte hat mich auch interessiert, weil ich nicht oft für ein so positives Projekt angefragt werde. Also reiste ich nach Niedermuhlern und habe mir die Gegend angeschaut. Als ich dann erfuhr, dass sich auch die Universität Bern daran beteiligt, dass es also nicht nur Amateure sind, war ich voll und ganz überzeugt.

Niedermuhlern ist eine sehr ländliche Gegend. Wie setzen Sie das in Ihrem Design um?
Die Kunst eines solchen Projektes ist es, alles zu kennen – und dann alles wieder zu vergessen. Die Situation hier ist aussergewöhnlich, mit dem Dorf, das weiter unten liegt, der ganzen Natur rundherum. Das musste ich erst kennen lernen. Ich wollte ein sehr bescheidenes Objekt schaffen, es sollte keinesfalls bizarr wirken. Aber ein Observatorium zu entwerfen, ist am Schluss eine einfache Sache: Es braucht nur eine Treppe, die nach oben führt, nicht viel mehr. Viel wichtiger sind da die technischen Geräte, sie müssen ein festes Fundament haben. Schon die leichteste Vi­bration genügt, damit die Messungen nicht mehr stimmen. Das zum Beispiel war entscheidend für meinen Entwurf.

Sie selbst scheinen vom Weltall auch sehr fasziniert zu sein.
Für mich waren die Sterne schon immer mysteriös. Wenn ich als Kind durch ein Teleskop blickte, ging es mir ein wenig wie Friedrich Dürrenmatt. Er ist ja für seine Vorstellungen des Weltalls bekannt, die er auf abstrakten Bildern festhielt. Mir fehlte zwar sein Wissen, die unendliche Weite war für mich aber mindestens genauso faszinierend. Das ist es auch, was mich an dem Projekt so reizt: Hierbei geht es um viel mehr als nur um die Wissenschaft. Es verbindet auch den Himmel mit der Erde, wie eine Treppe halt, die Kindern die Weiten des Universums zeigt. Fast wie ein Traum.

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