Jetzt kommt die grosse Hitze

Die Schweiz im Schwitzkasten: In den nächsten Tagen wird es weit über 30 Grad warm. Warum Auto- und Velofahren jetzt gefährlich werden können und wie man sich am besten schützt.

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Die schwangere Frau stand in der Nähe der Kreuzung. Plötzlich brach sie zusammen. Die im Einsatz gestandenen Mitarbeiter des Basler Verkehrssicherheitspersonals beobachteten den Sturz. Aufgrund der Vorschriften hätten sie ihren Arbeitsplatz auf der Strasse eigentlich nicht verlassen dürfen. Trotzdem eilten sie der Frau zu Hilfe. «Die Frau hatte einen Schwächeanfall, ist schwer gestürzt und hat den Arm gebrochen», sagt einer der Helfer.

Das war gestern. Viele Leute haben bei den derzeitig hohen Temperaturen körperlich grosse Mühe. Am Sonntagnachmittag kam ein 19-jähriger Autofahrer in Muri AG von der Strasse ab, weil er am Steuer einen Hitzeschlag erlitt. Sein Auto prallte mit grosser Wucht in die Fensterfront eines Gebäudes und wäre beinahe mit einer Gruppe von Velofahrern kollidiert. Der 19-Jährige blieb unverletzt, zwei Velofahrer mussten ihm aber ausweichen und kamen zu Fall. Sie verletzten sich leicht.

Wie ein Schlag ins Gesicht

In den nächsten Tagen werden Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius gemeldet. Tritt man bei dieser ungewohnt hohen Wärme aus dem klimatisierten Büro auf die Strasse, erscheint die Hitzewelle fast wie ein Schlag ins Gesicht. Man muss geradezu sein Tempo drosseln, um nicht zu kollabieren. Auch eine Velofahrt ist trügerisch. Sobald man an einer Ampel anhalten muss, fällt der angenehme Fahrtwind weg und man wird von der Hitze fast erdrückt.

Alle sind bei diesen hohen Temperaturen mehr oder weniger gefährdet – vor allem aber ältere Leute, Schwangere und Kinder zählen zur Risikogruppe. Eine Abkühlung ist – ausser im Rhein oder in einem Gartenbad – nicht in Sicht. Abends kann man zwar wieder lange draussen sitzen und grillieren, aber tagsüber ist es fast schon unerträglich heiss.

«Ich habe gelernt, dass man viel trinken muss», sagt der 84-jährige Ernst Borer. Dem Rentner macht die Hitze nicht so viel aus, denn als junger Mann hat er fünf Jahre bei den SBB als Heizer gearbeitet, und im Heizraum einer Dampflokomotive kann es bis zu 70 Grad Celsius heiss werden. «Aber einmal, da ist es mir zu heiss geworden und mir wurde plötzlich schwarz vor Augen», sagt Borer. Schon früh hat er deshalb lernen müssen, wie wichtig es ist, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen, wenn es heiss ist. «Aber wenn es draussen schwül und drückend ist, dann ist das doch sehr unangenehm», sagt Borer.

Kleinkinder sind sehr anfällig

Sommerzeit ist auch Spielzeit für Kinder; sie würden am liebsten den ganzen Tag im Park herumtollen. Doch gerade auch bei Kindern muss man aufpassen, dass sie nicht zu viel in der prallen Sonne sind. Kinder sind anfällig auf einen Hitzeschlag, weil sie sich der Gefahr der Sonnenstrahlung noch nicht bewusst sind.

«Je kleiner ein Kind, desto schneller verliert es Wasser durchs Schwitzen», sagt Michel Ramser, Notfalloberarzt am Universitätskinderspital beider Basel. Verliert ein Kind zu viel Wasser, besteht die Gefahr eines Hitzestaus, denn der Körper kann den Wärmehaushalt nicht mehr richtig kontrollieren. Bei Kleinkindern ist eine trockene Windel ein sicheres Anzeichen dafür, dass das Kind einen Flüssigkeitsmangel hat.

«Ein Hut ist ein Muss, auch wenn es nicht cool aussieht», sagt Ramser. Und wenn ein Kind trotz Wasser, Hut, Sonnencreme und T-Shirt über Kopfweh klagt, bleibt nur eins: Das Spielen in den Schatten zu verlegen.

Basler Zeitung

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