Hausbesetzer dürfen bleiben

Bern

Aus der Besetzung wird eine legale Zwischennutzung: Das Kollektiv Fabrikool darf die alte Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal bis Ende Juli nutzen. Das stört die Junge SVP.

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Diese Hausbesetzung hat – wenigstens vorläufig – ein gutes Ende gefunden: Die alte Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal in der Berner Länggasse darf zwischengenutzt werden. Dies teilte die kantonale Baudirektion am Dienstag mit. Das Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern hat mit dem Besetzerkollektiv Fabrikool einen Vertrag über die Zwischennutzung abgeschlossen. Fabrikool darf vorerst bis Ende Juli 2017 das Erdgeschoss des Gebäudes nutzen.

«Ich bin sehr froh, dass wir so rasch eine einvernehmliche Lösung finden konnten», sagt die kantonale Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) auf Anfrage. Dazu habe nicht zuletzt Alt-Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) beigetragen. Tschäppät vermittelte im Auftrag des Kantons zwischen Besetzern, Quartierbewohnern und Behörden.

Kollektiv muss Regeln einhalten

Die Zwischennutzung ist vorderhand bis Ende Juli möglich. Bis dahin habe der Kanton sicher keine Pläne mit der Liegenschaft, erklärt Egger.

Beschränkt ist der Vertrag allerdings auf das Erdgeschoss der alten Schreinerei. Nicht Teil der Zwischennutzung sind der erste und der zweite Stock sowie der Aussenraum. Der Grund: Die oberen Geschosse sind einsturzgefährdet. Hier eine Nutzung zu bewilligen, wäre zu heikel, so Egger.

Für den Aussenraum wiederum muss sich das Kollektiv an das Betriebskonzept der Universität und der Pädagogischen Hochschule sowie an die Hausordnung des Hochschulzentrums Von-Roll halten. Das heisst zum Beispiel, dass auch für die Zwischennutzung die Nachtruhezeiten gelten.

Junge SVP empört

Der Zwischennutzungsvertrag gilt bis Ende Juli. Allerdings bestehe eine Option auf Verlängerung, sagt Regierungsrätin Egger. «Wenn die Nutzer die vereinbarten Regeln einhalten und keine Beschwerden aus dem Quartier kommen, sind wir sicherlich gesprächsbereit.»

Mit der Unterzeichnung des Vertrags hat sich das Kollektiv unter anderem verpflichtet, die Auflagen des Brandschutzes zu beachten und eine Privathaftpflichtversicherung zur Deckung allfälliger Schäden abzuschliessen. Ausserdem werden die Zwischennutzer gewisse kleinere Investitionen vornehmen, wie Wasser- und Stromleitungen legen oder Toilettenhäuschen instal­lieren.

Harsche Kritik kam am Dienstag von der Jungen SVP Stadt Bern. Linke Hausbesetzer würden zum wiederholten Mal von Parteigenossen bevorteilt und ihre illegalen Aktionen noch belohnt. Der «linke Politfilz» beschädige den Ruf der Stadt Bern.

Kollektiv will Quartier einbeziehen

Das Kollektiv Fabrikool besetzt seit gut einem Monat die seit zwanzig Jahren leer stehende, denkmalgeschützte ehemalige Wagenfabrik. Das Gebäude gehört dem Kanton. Die Gruppe in der Länggasse versucht, das leer stehende Gebäude auch für die Öffentlichkeit attraktiv und zugänglich zu machen.

So wurden beispielsweise Pizzen für die Studierenden gebacken oder Kaffee ausgeschenkt. «Das hier ist kein Egotrip. Es geht nicht nur um uns», sagten die Besetzer im Gespräch mit langenthalertagblatt.ch/Newsnetz. Es gehe darum, Freiräume zu erhalten oder zu schaffen, in denen man ein selbstbestimmtes Leben mit wenig Geld führen könne.

Berner Zeitung

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