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«Habe gelernt, tolerant zu sein»

Heinz Jenni unterrichtete 40 Jahre an der Schule Liebefeld-Steinhölzli, davon war er 11 Jahre als Schulleiter tätig. Der 69-Jährige erzählt, wie sich die Ausländerthematik in dieser Zeit entwickelt hat.

Heinz Jenni war früher Leiter der Schule Liebefeld-Steinhölzli.
Heinz Jenni war früher Leiter der Schule Liebefeld-Steinhölzli.
Nathalie Widmer

Hatte es früher, als Sie noch zur Schule gingen, viele Ausländer in der Steinhölzli-Schule?Heinz Jenni: In meiner Klasse, die ich in der Sekundarschule Liebefeld als Schüler besuchte, gab es kein einziges Ausländerkind.

Wie war es, als Sie als Lehrer begannen? Nicht viel anders. Vor allem wegen der deutschen Sprache bestanden ausländische Kinder oft die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule nicht. Das änderte mit der Einführung von 6/3 und dem integrativen Schulmodell.

Woher kamen die Ausländer? Ursprünglich kamen sie aus den Nachbarländern. Infolge der Konflikte auf dem Balkan und anderswo nahm in den 90er-Jahren die Zahl der Kinder aus dem Ausland stark zu. Heute weist die Schule Liebefeld-Steinhölzli die höchste Ausländerquote aller Könizer Oberstufenschulen auf.

Finden Sie das eine gute Entwicklung? Es kann eine Bereicherung sein: Denn je mehr die Klasse gemischt ist, desto unbefangener wird die Ausländerfrage beurteilt. Wenn es in einer Klasse jedoch kaum Ausländerkinder hat, desto ablehnender urteilen die Schweizer Kinder, das haben mehrere Umfragen gezeigt.

Denken Sie, dass sich die Ausländer gut angepasst haben? Das ist ganz unterschiedlich. Grosse Gruppen aus dem gleichen Land integrieren sich weniger. Schwierig wird es, wenn die Eltern die deutsche Sprache nicht verstehen und lesen können.

Haben Sie bei all den verschiedenen Ausländern etwas gelernt? Ich habe gelernt, tolerant zu sein, und dass man gewisse Dinge sehr unterschiedlich betrachten kann. Der Unterricht wird oft bereichert durch die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Kulturkreisen. Es kann jedoch auch grössere Probleme geben. Während des Bosnien-Kriegs bedrohte ein Vater eine Lehrerin einer Klasse mit vielen Ethnien massiv, weil sie angeblich nicht neutral war. Das klärende Gespräch musste unter Polizeischutz stattfinden.

Wurden die ausländischen Schüler viel gemobbt? Hier in der Schule Steinhölzli kaum, hier gelten für alle die gleichen Regeln.

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